Archiv


XML



Free Blog Counter


Suche


© 2008 G.N.U.S.

08. Februar 2008

Hat Kunst eine Aufgabe?

« Männer sind instinkti… | Home | Frauen sind eher nich… »

Hat Kunst eine Aufgabe?

Von Wigr

Platon hat nicht viele Federn an der abbildenden Kunst gelassen. Er argumentierte von einem vernunftorientierten, ideellen Standpunkt aus und kritisierte den von der "Wahrheit" entfernten Selbstzweck der Kunst. Auch wenn er den ästhetischen Blickpunkt aussen vor ließ, scheint er die moderne Misere der Kunst vorausgeahnt zu haben. Moderne Kunst gab es erstaunlicher Weise gab es schon immer, zum Beispiel bei eben Platon und wesentlich später bei Hegel, nur hieß sie da anders. Für ersteren war es eben der massentaugliche Wust an abbildender Kunst und für Hegel war es die Erzeugnisse, die er mit "Kunst ist tot" rekapitulierte. Was hat es damit auf sich?

Nach Platon wird in der Kunst folgendes getan: Der Maler malt eine empfundene, gesehene oder gemeinte Beschaffenheit und will dadurch selber etwas ausdrücken. Das Bild der reellen, tatsächlichen Beschaffenheit wird durch den Willen des Malers gefiltert, das Produkt ist ein Abbild des Abbildes der ideellen Essenz. Er schafft dadurch nichts wesenhaftes, höchstens ein dem Schein nach dem wesenhaft Ähnlichem. Der Maler brauch keine Idee von dem Gegenstand den er malt haben, er zeichnet ihn ohne wirklich um seine Beschaffenheit, noch von seinem Zweck oder seinem Gebrauch zu wissen. Somit ist die abbildende Kunst drei Stufen von der Wahrheit entfernt, und demzufolge zu vernachlässigen.
Auch epische Dramen und Tragödien fallen für ihn weg, da sie sich mit dem veränderbaren, materiellen Sein beschäftigen und zu verschiedenen Auf und Abs reizen, ohne eine ideale, ewige Beschaffenheift zu formulieren.
Im Gegensatz dazu hat er positive, idealistische Lobhymnen ohne jegliche Negativität befürwortet, da sie zu Höherem, zur Idee an sich anspornen ohne sich im emotionalen Verstrickungen zu verlieren. Idealistische und würdevolle Kunst ist für ihn sogar nötig, um edle Menschen zu erziehen.

Kleiner Exkurs: Romantik ist eine Art von Idealismus. Die Lücke zwischen Realität und Ideal wird mit Sehnsucht gefüllt. Der Betrachter wird emotional gereizt, jedoch ist dieser Reiz eher unbestimmt. Deswegen hätte Platon wahrscheinlich die Romantik für seinen Staat als zu emotional und "unwahr" abgelehnt. Nichtsdestotrotz kann sie ein großer Ansporn sein, tätig zu werden, etwas dauerhaftes zu schaffen - eine Art von Trost für eine trostlose Realität, die in ihrer Ästhetik Ewigkeit ausdrückt.

Zeitsprung in die Moderne. Hiesige Kunst ist vermehrt ohne Hintergedanken (vereinzelt sogar absichtlich von Müll nicht mehr zu unterscheiden), ja scheint es gar, dass selbstgefällig wiederkäut, was sie hervorbringt. Da Kunst seit jeher Epitom und Spiegel für die Gesellschaft ist, ist es nur logisch, dass tragende Motive Verfall, Niedergang, Atonalität, Dissonanz oder Surrealitäten sind (sofern überhaupt ein Motiv zum tragen kommt) . Somit hat sie kein konstruktives Ziel sondern ist nur Selbstzweck einer erschöpften Geisteshaltung. Zustände, die derartige Verarbeitung hervorrufen scheint es jedoch immer schon gegeben zu haben, nur war es zu den entsprechenden Zeitpunkten durchaus möglich, sich darüber zu erheben und mehr zu fordern, zu schaffen - schliesslich reizen erst äußere Missstände zum Streben nach höheren Wahrheiten. Wo liegt also der Unterschied zu heute, warum ist die Musik dauerhaft von Inhalt anspruchslosester Art geprägt, warum gibt es kein Streben nach Höherem in heutiger, bildlicher Kunst - kaum Individuen, die genügend Rückgrat haben, sich zu erheben?

Der Grund ist naheliegend: Es gibt keine Grundlage mehr, auf die man bauen kann, wie etwa eine Geisteshaltung jenseits von "8 Stunden Arbeit und dann Fernsehgucken", Hedonismus ("Ich nenn das Freiheit!") und ethischer Wertelosigkeit ("Ist mir egal, ich tu was ich will"), ewig tolerantem Liberalismus ("Jeder hat das Recht, ein Idiot zu sein... na mal ehrlich, ist mir egal solang es mich nicht berührt."). Spiritualität wird mit Egalität unterdrückt, oder als wahnsinniges und/oder esoterisches Konzept verwirklicht.

Wer aus diesem Teufelskreis treten will, muss wieder idealistisch werden, und Realität sehen, als das, was sie ist. Um uns von den Neurosen und negativen Einflüssen der heutigen Zeit freizumachen, müssen wir innerlich wieder zum Kind werden. Staunen lernen, unverbrauchte Freude zeigen, Liebe zur Weltschöpfung und dem Leben an sich in sich wissen - erst dann können wir wieder zu unverbrauchten Menschen werden und wertschätzen, was wirklich wichtig im Leben ist. Pragmatismus, Nihilismus, Zen - dieser Prozess des Reifens hat viele Namen.
Im indoeuropäischen Sanskrit gab es das den Begriff "Vir" - es bezeichnete sinngemäß etwas wie Männlichkeit, Ehrbarkeit, Würde, Lebenskraft. "Virtue" (Tugend) und "Virility" (Männlichkeit) sind damit etymologisch damit verwandt. Vir beschreibt den seit jeher treibenden Spirit indoeuropäischen Willens, den Willen zur Macht, den Sturm und Drang. Heute beschränkt man sich auf das Besuchen des nächstgelegenen McDonalds.

Zu lange hat man sich in Dekadenz gesuhlt, Kunst muss der Ausdruck der Symbiose zwischen Kindlichkeit und Vir werden, Kunst muss wieder zu Höherem anspornen. Erst dann inspiriert man zu gesünderen Handlungen, Weltanschauungen und Ideen. Jeder einzelne kann für sich im Kleinen damit beginnen.


Noch kein Kommentar

  
Persönliche Informationen speichern?

/ Textile

Auf dieser Seite werden die Kommentare moderiert.
Das bedeutet, dass die Kommentare erst veröffentlicht werden, nachdem sie durch den Moderator freigeschaltet wurden.

  (Benutzer registrieren, Anmeldung)

Benachrichtigung:
E-Mail verbergen:

Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt.
URLs oder E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.

Neues



"Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun."
- J.W. Goethe


"Das Vieh stirbt und Freunde sterben, endlich stirbt man selbst:
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
wer guten sich gewann."
- Havamal