10. Januar 2008
Nicht verzweifeln, nur weil Weihnachten ist
Nicht verzweifeln, nur weil Weihnachten ist
By SRP übersetzt von Wigr, 22. Dec. 2007
Die Feiertage machen es einem leicht, sich selber auszudrücken, da die Trennlinie zwischen Realität und Fantasie in unserer Welt augenscheinlich ist. Die Leute laufen umher, während sich ihre Gedanken auf symbolische Gesten wie dem Geschenkegeben und die Essensvorbereitung kreisen, während sie alles Mögliche tun - und da gibt es keine kürzere Ausfluchtmöglichkeiten - um die Mängel in ihrem Leben und in der Gesellschaft zu verstecken, sodass sie, nur für einen Moment, einen feierlichen Frieden im Geist haben. Wenn es dazu kommt sind sie sowohl am wenigsten neurotisch als auch am Meisten getäuscht worden, woraufhin die religiöse Natur der Feiertage in den Vordergrund gerückt wird: Jene sind wie Fanatiker im Griff von religiöser Täuschung. Und da verachten wir Selbstmordattentäter?Mitarbeiter werden dankbar mit Schmeicheleien beschäftigt sein, was bedeutet, dass man keine Zeit verschwenden muss, ihre "Meinungen" anzuhören, die im Grunde Rekombinationen aus Fernseh-, Zeitungs und Radiomeinungen sind. Sie werden einem wertloses, ungeheuer teures Zeug geben und hoffen, etwas tatsächlich wertvolles im Gegenzug zu erhalten (Die Lösung: Ihnen Bananenbrot zu backen, besonders dann, wenn man es nicht kann). Jede einzelne Person, mit der man auf einer kumpelhaft-gönnerischen Ebene kommuniziert, wird sich nach einem Geschenk sehnen. Diese sind sogar noch besser, man gibt ihnen das wertlose Zeug, das man letztes Jahr erhalten hat. Es geht nicht darum, was das Geschenk bedeutet, sondern um Anerkennung. In unserer "freien" Gesellschaft fühlen wir uns so frei, dass wir jedem etwas schulden, was hauptsächlich denjenigen Profit einbringt, die funktionslose symbolische Geschenkgegenstände herstellen, und natürlich die Abfallindustrie, welche das Zeug im Juni wieder abschleppen.
Als ob man nicht schon genug gelacht hätte, muss man mitansehen wie die gesamte Konsumenten-Verkaufsindustrie mobilisiert wird um Geschenkgegenstände zu verkaufen. Die auferzwungene Schuld wiegt schwer, und sie wird durch folgendes Bild hervorgerufen: Glückliche Menschen zuhause mit ihren Geliebten, Geschenke austauschend, essend und eine gute Zeit habend. Die Realität ist jedoch die Verpflichtung wegen sozialem Druck etwas zu kaufen, Scheidungen, Familienstreits am Telefon und Leute die sich gegenseitig sinnlosen Müll schenken für das sie 10% ihres verfügbaren Einkommens ausgeben. Keiner möchte die Realität hören, und das auch wieso sie jene mit Weihnachtsmusik ertränken. Sie sind sogar schlau geworden (zumindestens so klever wie ein Gibbon auf Crack) und haben "einzigartige" Versionen von Weihnachtslieder gemacht, wie die Technoversion von "Stille Nacht" und die Jazz-Fusionversion von "Ich träume von weißer Weihnacht". Mimt Emotionalität, ihr seichten Konsumenten, denn andernfalls würdet ihr nicht mal wissen, dass ihr eine "gute Zeit" habt.
Die meisten von uns leben in einer Realität, die weit entfernt vom Bild aus dem Fernseher ist und müssen daher mit zerbrochenen Familien kämpfen, mit gescheiterten Beziehungen und vorhersehbaren Bürofeiern, bei deinen irgendein Idiot irgendwann durch Betrinken "die Dinge etwas belebt" und etwas unterhaltsam dummes tut - oder es wäre zumindestens lustig, würde es nicht jedes Weihnachten seit 10 Jahren passieren. Es gibt mehrere Industriebetriebe um das zu kompensieren. Die Alkoholverkäufer machen sich bereit um einen betrunken in die Nacht zu schicken. Psychologen knacken ihre Finger und planen Überstunden um Weihnachten ein. Und falls es einem an kernigem, gutem Willen ermangelt, haben die Grusskarten neue Sätze von Karten mit erfreulichen Ilustrationen auf ihnen drauf. Allesamt Parasiten.
Nicht verzweifeln? Wir leben in einer derart zerbröckelnden Zivilisation, dass die Wenigsten das erkennen und die sich kontiniuerlich weitervermehren und dümmere Leute gebären um ihnen die Macht auszuhändigen, was dann solche sind, die Bürokraten werden, da bei ihnen im Leben sonst nichts los und möglich ist. Wir sind umgeben von schlechter Gestaltung, seien es unsere Straßen, die so gebaut wurden, dass es die Entwickler erfreut und nicht um den Einwohnern zu dienen, oder unsere penibelst beschaffenen Häuser, bei denen es um sog. Profit Center geht und nicht darum, pragmatisch zu leben. Unsere Leben werden durch von Außen dargebrachte Emotionen manipuliert, die geschaffen wurden um jeden im Raum gleich zu befriedigen. Das macht uns zu Sklaven des schwächsten Glieds in der Kette, und nun muss man das feierliche Plastiklächeln aufsetzen um es zu verstecken. Da wundert es nicht, dass Weihnachten die Saison für Herzattacken, Selbstmorde, Scheidungen und Überdosen ist.
Meine Lösung ist, wie in den meisten Fällen, Verzweiflung mit Nihilismus zu umgehen. Man - oder eher das Wesen und die Empfindlichkeit der Natur - ist in Kontrolle und darum brauch man sich keine Gedanken machen. Tut, was vonnöten ist, aber nichts anderes. Aber am Wichtigstens ist es, diese unaufrichtigen Kommerz-Feiertage nicht in euer Herz zu lassen. Jul war ein richtiger Feiertag, eine Markierung dafür, dass man den Winter überlebt hat, aber Weihnachten ist schon immer die Zeit der Demut und Unterordnung zum jüdischen Prophet gewesen. Wieso? Gebt den Leuten im Büro den Schrott und verteilt den Müll den andere euch gegeben haben an die Bittsteller, welche sich nach einem Geschenk für ihren erwiesenen Dienst wünschen. Interessiert euch nicht dafür; beschwört den Nihilismus eurer Herzen und seht die Realität: Weihnachten ist nur ein weiterer Tag und ein Tag, an dem man das was man will tun kann, solange man nicht vom Hype durch die Masse getäuscht wird. Glücklich mögen jene sein, die Weihnachtsmusik hören, aber glücklicher sind solche, die vernehmen ohne zu hören und die Feiertage wahrnehmen ohne sie zu beachten. Zerschlagt Weihnachten, indem ihr euch seiner Sinnlosigkeit gewahr werdet. Ihr braucht nicht verzweifeln, wenn ihr das Ganze nicht ernst nehmt.
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