Strict Standards: mktime(): You should be using the time() function instead in /home/kontinual/web/anus.com/tribes/gnus/pivot/modules/module_debug.php on line 95
Deutsche Nihilistische Gesellschaft - Nihilismus, Traditionalismus, Pan-Nationalismus

Archiv


XML



Free Blog Counter


Suche


© 2011 G.N.U.S.

« News: Überwachungsent… | Home | Amor Fati I »

Amor Fati I

27 01 10 - 14:04

Im All vernimmt man das Wehklagen der Welt. Menschen leiden unter Profanem: zu harte Arbeit, verlorene Liebe, widerfahrene Ungerechtigkeiten oder was sie dafür halten, Finanzkrise, nervenaufreibende Nachbarn. Sie leiden weiterhin unter dem Verlust geliebter Menschen, Existenzbedrohung, Angst vor dem Unsichtbaren und der Zukunft, Krieg, Naturkatastrophen und schlicht vor dem Tod. Leid ist allumfassend präsent, in unterschiedlichen Graden. Schicksal ist der Begriff für das, was uns trifft, ohne dass sich die Möglichkeit geboten hätte, auf den Verlauf des Geschehens Einfluss zu nehmen. Schicksal hat somit zunächst keine Bewertung des Erlebten inne, es steht ihm neutral gegenüber. Ob glücklicher oder tragischer Ausgang, beides liegt jenseits unserer Wirkungsweisen. Dennoch ist der Begriff des Fatum üblicherweise negativ konnotiert, während man für erfreuliche Ereignisse gemeinhin lieber "Wunder" oder "Glück" verwendet, obwohl beide Bezeichnungen auf die Beschreibung einer Unwahrscheinlichkeit hinauslaufen und beide schon allein statistisch gesehen normalverteilt, sowie rein zufällig gestreut sind.

In glücklichen Umständen erscheint uns der Zweck hinter der unerwartet widerfahrenen Gunst nicht bloß als nicht erfragenswert, er kommt uns kaum in den Sinn. "Glück gehabt! - Das ist halt so! - Danken wir dem Herrn." Licht scheint in diesen Momenten auf uns und vermag zunächst nicht getrübt zu werden. Seltsamerweise hinterfragen die meisten Menschen die Ursachen eines Effekts stets nur dann, wenn es sie hart getroffen hat oder die Situation eher unerfreulich ist. Warum reagieren Menschen mit der gleichen Akzeptanz nicht auch im Angesicht der Dunkelheit ? Im Geiste ordnen sie die Geschehnisse, je nach Ausgang, bösen oder guten Intentionen einer höheren Macht zu, ausgehend von der Annahme, diese "Macht" teile ihre Vorstellungen von "Gut & Böse". Ihr Ego wehrt sich dagegen, Opfer, nicht Nutznießer dieser Effekte zu sein, welche nicht kontrollierbar sind und gleichzeitig als schmerzhaft empfunden werden. Der Glaube an die geistige Entscheidungsouveränität des Menschen verbietet es ihnen, aus der Rolle des Beeinflussenden zu treten, was sie wiederum binäre Wertekategorien bilden lässt, geschieht ihnen Unangenehmes, ergo "Böses", doch ausschließlich gegen ihren "freien, persönlichen Willen" und muss ausgemerzt werden.

Wieviele von uns haben in der Begegnung mit dem Unkontrollierbaren dennoch, trotz ihrer Aufgeklärtheit, schon zum Himmel hochgeschaut, flehend oder die Faust ballend und sich fragend:" Warum ?". Oder noch öfter: "Warum gerade ich ? ". Ihr in Verfluchung des Schicksals deutlich gemachter Unmut ist bezeichnend für die Suche nach Sinn oder einer höheren Ordnung. Zum Zwecke der Orientierung unseres Wandels auf Erden sehnen sich die Menschen, heute wie damals, nach Erklärungen und Methoden, welche das Absurde, Entsetzliche und Gewaltätige, das Rätselhafte der Existenz ertragbarer machen sollen - oder sie suchen nach Ablenkung und Vergessen, denn aus den Augen bzw. Kopf und somit auch -- aus der Welt ? Oder ? Definieren wir für diesen Artikel den Begriff des Schicksals als Synonym für negative Erlebnisse -- Leid, Konflikt, Verlust usw. .

Generell gibt es wohl drei Kategorien, in denen sich die Methoden im Umgang mit den (zunächst) persönlich als destruktiv empfundenen Kräften und seinen Manifestationen in unserer Sinneswirklichkeit einordnen lassen.

1. Man kann sie aus seinem Empfinden verbannen, sei es durch Abhärtung oder Betäubung. Betrachten wir zwei Beispiele dieser Taktik:

Der Kynismus lehrt eine vollkommene Bedürfnislosigkeit und Gleichgültigkeit dem Schicksal gegenüber, auch gegen menschlichen "Affekten" wie Liebe, Ehre, Leidenschaft, Furcht und Schmerzen. Die Umschreibung "Fels in der Brandung" lässt sich vermutlich auf die eiserne Kälte und Unbeweglichkeit dieser Geisteshaltung zurückführen. Einziges Ziel des Lebens sei das individuelle Glück, welches sich lediglich durch ein tugendhaftes Leben erreichen lässt, Tugend hier wage durch ein Leben "gemäß der Natur" charakterisiert. Zum Zwecke der Bedürfnislosigkeit werden Moral, Kunst und Emotionen bis hin zur Verachtung abgelehnt. Wozu das ganze ? Indem jegliche Sensibilität gegenüber den äußeren Umständen schlicht verneint und eine Hingabe an profane Dinge vermeidet wird, erzeugt man zwar einen geistigen Panzer, welche uns vor Unannehmlichkeiten schützt und das Leben ertragen lässt, gleichzeitig vollzieht sich jedoch auch eine Tötung des Willens und der Ehrfurcht vor allem Schönen und Ewigem. Leidenschaft (Leiden schafft) als unbedingte Voraussetzung zum aktiven Streben und als treibendes Wesen allen Schaffensdrangs kauert betäubt im Inneren des Kynikers.

Der Rückzug in sich Selbst ist verbindendes Prinzip von Kynismus und der aktuellen Konsumgesellschaft, nur statt der Bildung eines Hautpanzers der Bedürfnislosigkeit treibt man es in entgegengesetzter Richtung in die Extreme -- mediale Heraufbeschwörung einer Masse an synthetischen Bedürfnissen. Doch badet man zu lange in seiner Begierde, wird die Haut weich und lässt Hiebe tiefer als üblich eindringen. Mit aller Macht ist man daher bemüht, Konflikt und Leid durch diesen glänzend funkelnden Vorhang der schnellen Befriedigungen zu verschleiern, welcher Konsum heißt. Gespickt mit einem immensen Schmuckmuster aus vielen leuchtenden (Glas-)Diamanten fällt es schwer, nachdem einmal die Sensation des Augenblicks vorüber ist, nicht wieder den Blick auf einem der anderen schnell entdeckten Funkeleien zu verlieren, denn der nächste Schein verleitet schon zu ausschweifender Betrachtung. Jeder erneute Blick ist eine Zeit lang das erhoffte Glück, doch liegt hierhin der Trugschluss. Es ist nur oberflächlicher Glanz, zweidimensional, ohne Substanz, leer, ein dünner Film, der Vorhang, der die Welt vor den Menschen verbirgt. Gelockt von Künstlichkeit zu Künstlichkeit vergessen die Menschen die Tiefe der Landschaft hinter dem Vorhang, deren Sturm hier nur als Flüstern erscheint, jedoch allzuleicht die Oberflächlichkeit des Vorhang wegzureißen vermag, auf gaffende Kreaturen mit blinzelnden, leeren Augen treffend.

Die Methode Hedonismus, diese materialistische Weltauffassung, die von ihrer Natur her lediglich das Tangible als wertvoll ansieht und daher den Konsum fassbarer, schnell erreichbarer Güter und Sinnesgenüsse propagiert, eignet sich nur zu gut, um die Aufmerksamkeit der Menschen sich und ihrer Umgebung gegenüber bis zur Abstumpfung hin zu betäuben. Somit wäre das Ziel erreicht, das eigene Schicksal wird nicht wahrgenommen, verborgen durch angenehme Illusionen zwar, doch wird mit ihnen kein tieferer Sinn der Existenz, keine tiefere Erfahrung erlebt aus der dauerhaftes Glück wachsen könnte, verweilen die Menschen letztendlich weiterhin HINTER ihrem sicheren Vorhang und kratzen nur an der Hülle des Lebens. Weil Leid universell als verdammungswert angesehen wird, gilt die Aufmerksamkeit der Menschen ausschließlich der Verfolgung dessen, was "Glück" verspricht. Jedoch verlieren die Menschen dadurch die Fähigkeit zu ertragen, auszuharren, während im Gegenzug das Freudenmoment der Befriedigung immer kürzer wird und trifft sie das Schicksal doch einmal, dann trifft es sie um so härter. Befreit der Kyniker sein Innerstes von jeglicher Begierde, macht sich innen leer und außen hart, so füllt sich der Hedonist stattdessen mit Begierde, bis er die äußere Welt aus seiner Kiste des Selbst heraus nur noch dumpf vernimmt.

"Und also sprach Zarathustra zum Volke:

Es ist an der Zeit, dass der Mensch sich sein Ziel stecke. Es ist an der Zeit, dass der Mensch den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze.

Noch ist sein Boden dazu reich genug. Aber dieser Boden wird einst arm und zahm sein, und kein hoher Baum wird mehr aus ihm wachsen können.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr den Pfeil seiner Sehnsucht über den Menschen hinaus wirft, und die Sehne seines Bogens verlernt hat, zu schwirren!

Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.

Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.

Seht! Ich zeige euch den l e t z t e n M e n s c h e n.

„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?“ - so fragt der letzte Mensch und blinzelt.

Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.

„Wir haben das Glück erfunden“ - sagen die letzten Menschen und blinzeln."

- Nietzsche

Welche Philosophien der Menschen weiter heranzieht, um die Macht des Schicksals handzuhaben, wird im zweiten Teil erläutert...

leere

Noch kein Kommentar


  
Persönliche Informationen speichern?

/ Textile

Auf dieser Seite werden die Kommentare moderiert.
Das bedeutet, dass die Kommentare erst veröffentlicht werden, nachdem sie durch den Moderator freigeschaltet wurden.

  (Benutzer registrieren, Anmeldung)

Benachrichtigung:
E-Mail verbergen:

Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt.
URLs oder E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
 

N e u e s

A u t o r e n



"Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun."
- J.W. Goethe


"Das Vieh stirbt und Freunde sterben, endlich stirbt man selbst:
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
wer guten sich gewann."
- Havamal



"Wenn die Menschen über Gott sprechen, denkt ein Nihilist an Gestalt und Struktur eines Waldes."
- Vijay Prozak



"Die Weisheit besteht nur darin, weder das Nichts, das der Mensch ist,
noch die Schönheit,
die manchmal in seinen Händen entsteht, jemals zu vergessen."
- N.G. Dávila