Archiv


XML



Free Blog Counter


Suche


© 2008 G.N.U.S.

29. August 2009

Eine Wanderung II

« Ethnischer Gruppenkon… | Home | Zu Furcht und Idealis… »

Eine einsame Wanderung durch lichte Höhn' und Wälder, vorbei an Flüßen und Seen, durch verwünschte Dörfer und verfallenden Ruinen, durch unberührte Natur und in Blickkontakt die wilden Tiere des Waldes. So geht der Wanderer langsam den Berg hinauf, höher und höher steigt er, neben ihm der Abgrund des Pfades, der ihn an die Spitze des Berges treibt. Die Blumen blühen am Rande des Weges auf, der Frühling erhält Einzug und vertreibt die schwere und dunkle Zeit des harten Winters.

eht es in den tiefen Wald hinein, der sobald wieder lichter wird und den Blick auf den Berg frei macht. Es geht vorbei an den Überbleibseln einer Feuerstelle, wer mag hier gespeist und geruht haben? So geht es weiter hinauf, Meter um Meter steigt der Wanderer höher, bleibt oftmals stehen um die Aussicht zu genießen und den zurückgelegten Weg zu betrachten. Erreicht sobald eine schöne Lichtung und rastet. Entpackt das Brot und den frischen Apfel, den er heute Morgen kurz nach Sonnenaufgang aus seinem Garten pflückte. Legt sich kurz zur Ruh', in Gedanken den zu bezwingenden Berg. Die Vögel zwitschern im Schein der Sonne und wecken den Wanderer, so steht er auf, packt seine Sachen, wirft sich den Rucksack wieder um und stiefelt weiter durch die Natur, den Berg zu bezwingen. Schon verändert sich die Luft, wird klarer und sauberer, die Bäume werden kleiner, verschwinden bald fast und machen blühenden Wiesen Platz.

Der Wanderer steigt weiter hinauf, wie weit mag es noch sein bis zum Gipfel? Noch zwei Stunden? Die Knochen schmerzen schon ein wenig, doch der Geist treibt den Körper weiter, höher hinauf, bald ist es geschafft. So fängt der Wanderer glücklich ein Lied an und es schallt durch die Stille des Berges. Bald nun hat der Mensch den Gipfel erreicht, der Weg wird nun steinig, voller Gefahren und der Möglichkeit tief in den Abgrund zu stürzen, doch starren Blickes läuft der Wanderer den Weg entlang, schert sich nicht um die Gefahren und um die Höhe, genießt stattdessen die herrliche Leere, Stille und Aussicht um ihn herum.

So dann erreicht er den Gipfel, die letzten Schritte sind es, die er tut und so steht er dann am höchsten Punkt. Überblick die Welt und den bezwungenen Berg. Welch ein Hochgefühl! Welch Weg es war um hier nun zu stehen, glücklich über die schöne Aussicht und das Gefühl sich selbst bezwungen zu haben, sich selbst trotz müder Knochen den Berg hinaufgetrieben zu haben. So setzt sich unser Wanderer bedächtig auf einen Stein und atmet die frische Luft tief ein, denkt an sein Heim und an seine Frau samt Kinder, die im Tal auf ihn warten. Öffnet noch einmal seinen Rucksack und isst bedächtig und in Ruhe sein letztes Brot. Hach, wie schön es wäre hier zu leben. Hoch auf dem Gipfel in himmlischer Ruh' und fast unberührter Natur, weit weg vom Tal und den Pflichten die ihm auferlegt wurden, doch oh weh, der Wanderer muss nun bald wieder heim, so soll er doch vor Sonnenuntergang wieder daheim sein, seine Frau könnte sich sonst Sorgen machen.

Nun packt er also seine sieben Sachen, atmet noch einmal tief ein und ja, es wäre wahrlich schön seinen Lebensabend hier zu verbringen. Er steigt den Gipfel wieder hinab, dreht sich noch einmal um, genießt den Ausblick, atmet noch einmal die herrliche saubere Luft des Berges ein und beginnt seinen Abstieg gen Tal. Er kommt denselben Weg entlang den er bezwang, die Farben scheinen nicht mehr so prächtig, wie zuvor, der Klang der Vögel schallt nicht mehr über die Lichtung auf der er rastete. Der Wanderer spürt die Veränderung der Luft, sie schmeckt so, ja wie? Anders. So geht er weiter, der Weg scheint ihm nun sehr schwer und anstrengend, der Blick zurück gen Gipfel erscheint ihm einen Tagesmarsch entfernt. Er geht weiter entlang der Strecke, die Blümlein am Rande sind nun eingegangen, die herrlichen Gerüche und Farben der Wiesen und Wälder nicht mehr so prägnant wie zuvor. Vorbei an der Feuerstelle, die nun an einer dunklen Stelle im Walde ist. Der Wanderer wird unruhig, singt kein Lied mehr wie beim Aufstieg, will nun den Weg schnell hinter sich bringen, geht schneller, achtet nicht mehr auf die Aussicht, die durch das dämmerige Licht sehr schlecht geworden ist. Die Flüße und Seen an denen er vorbei kommt sind nicht mehr so strahlend klar und blau wie sie es zum Anfang waren, nein, sie kommen ihm trüb und dreckig vor, die baldige Ruine gleicht einem Gespensterhaus, dunkel, gefährlich und gar nicht mehr schön, so wie am Anfang. Unser Wandersmann kommt an eine Abzweigung. Der Weg links ist schneller als der Weg rechts, woher er kam. Da die Sonne schon tief steht, der Wald immer bedrohlicher wirkt entscheidet sich der Wanderer für den linken Weg, steigt den steilen Abstieg hinab, muss sich oftmals an Sträuchern und Büschen festhalten, da er das Gleichgewicht verlor.

Da vorne, da muss es sein: Das Ende des Weges. Und tatsächlich die Bäume weichen zur Seite, werden lichter. Noch einmal ein steiler Abstieg und schon ist er aus dem Walde heraus, hinaus auf einer der Schnellstraßen, die vor Jahren durch den Wald gebaut wurden, um den Autos und Lastkraftwagen eine Umrundung des Waldes samt Berg zu ersparen. Vieles musste dafür weichen, selbst durch einen Berg geht die Straße. Unser Wandersmann muss nun Obacht geben, schnelle Autos preschen an ihm vorbei, rasen der Zeit hinterher, die sie nicht einholen können. Entlang der Schnellstraße muss der Wanderer dem Müll ausweichen, den Pfützen voller Öl und Benzin, so geht er denn weiter ins Tal, erreicht sobald den Ortseingang und findet sich in seiner Heimat wieder, einer jener Superstädten die in letzter Zeit überall aus dem Boden schießen und dem Menschen ein besseres Leben bescheren sollen. Langsam und vorsichtig überquert er die Straße. Aufpassen! Fast wäre es passiert, ein schnelles Motorrad übersehen und schon kommt es zu einer brenzligen Situation. Nochmal links, recht schauen und dann schnell hinüber, es könnte schon der nächste Lastzug mit einer enormen Geschwindigkeit angerauscht kommen. Noch zehn Minuten, dann ist er zuhause, bei seiner Frau und seinen Kindern. In Gedanken versunken geht unser Wanderer durch die Stadt, sieht nicht die überfüllten Geschäfte und die abgehetzten Leute, die ihn, aufgrund seiner Aufmachung anstarren. Kinder kichern ihm hinter: schau mal dort ein Wanderer in Tracht. Durch die überfüllten Straßen, voller Lärm und Dreck geht es für ihn ein Stück weit hinaus und dort ist es schon, von weitem sieht er sein Haus, sieht das rote Auto, dass seine Frau erst vor kurzem gekauft hat, um besser in die Stadt zu kommen, langsam geht er die Auffahrt entlang, bleibt stehen und schaut noch einmal zum Gipfel des Berges.

 

Im Dunst der Autoabgasen und der Dampfwolken der nahegelegenden Fabrik ist es kaum möglich den Berg auch nur zu erahnen. Der Nachbar tritt aus der Tür, schaut unseren Wanderer verwundert an und fragt, wohin unser Freund schaue. Ich dachte nur gerade nach entgegnet ihm unser Wanderer. Wäre ja auch blöde einfach so in die Luft zu schauen, da ist ja nichts, ich muss nun los, meine Arbeit wartet. Der Nachbar steigt in sein Auto, fährt davon und lässt den Wanderer stehen, dieser dreht sich um, schließt die Tür auf und murmelt: Was für eine Welt....

Imperium

Noch kein Kommentar

  
Persönliche Informationen speichern?

/ Textile

Auf dieser Seite werden die Kommentare moderiert.
Das bedeutet, dass die Kommentare erst veröffentlicht werden, nachdem sie durch den Moderator freigeschaltet wurden.

  (Benutzer registrieren, Anmeldung)

Benachrichtigung:
E-Mail verbergen:

Alle HTML-Tags außer <b> und <i> werden aus Deinem Kommentar entfernt.
URLs oder E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.

Neues



"Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun."
- J.W. Goethe


"Das Vieh stirbt und Freunde sterben, endlich stirbt man selbst:
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
wer guten sich gewann."
- Havamal