Wochenend- und Spaßgesellschaft
Wochenend- und Spaßgesellschaft
By Wigr, 5. Jan. 2008
Eines Nachts war ich auf dem Heimweg von einem Freund. Angesichts der modernen, industriebedingten Infrastrukturen lässt sich nicht vermeiden, in Kontakt mit Großstädten und öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen. Unabhängig davon, dass Letztere nicht "absolut schlecht" sind, sondern ganz im Gegenteil durchaus ein wunderbares Reise- und Transportmittel darstellen, wird dieses Konzept von der Allgemeinheit jedoch nur als Möglichkeit verstanden, quasi als Mittel zum Zweck, die eigene graue Realität so schnell wie möglich hinter sich zu lassen.Von Menschen, die, nachdem sie fünf Tage mit sinnentleerten Drohnentätigkeiten verbracht, daraufhin eben zwei kathartische Tage für ihre Freiheit geschenkt bekommen haben. Welch wunderbare Form der Manipulation und der Gedankenkontrolle, die dann noch als großzügig wahrgenommen wird.
Im Widerschein der künstlichen, Tage verlängernden Lichter seh ich sie also, trunken, um ihr eigenes Elend nicht mehr ertragen zu müssen, nach vergänglichster Mode gekleidet, um wenigstes vorgeben können, etwas zu sein und über ihre Dinge redend, die weniger aus bedeutsamen Inhalten bestehen, sondern einfach nur sich selber als Zweck haben, um die Leere ihrer Existenzen mit hohlen Worten, wer am Meisten getrunken oder den schärfsten Idioten abgeschleppt hat, zu übertünchen.
Nachdem ich mich nicht recht entscheiden konnte, ob ich sie entweder mit Verachtung oder dann doch eher Mitleid bedenken soll, lasse ich mein Blick in den Sternenhimmel schweifen und meine Gedanken in jenem schweben. Dieser Moment hat mich das Dahinsiechen der Menschheit für einen kurzen Moment vergessen lassen.
Natürlich gab es schon immer Tendenzen des Menschen, zu zelebrieren und den Alltag abzuschütteln. Aber das ist nur natürlich, und wie ich meine, haargenau das, was Nietzsche unter dyonisisch versteht. Das neurotische Verhalten der Menschen heutzutage hat wenig damit zu tun. Demzufolge habe ich nichts gegen heitere Sozialisation, gemeinschaftlicher Unterhaltung und genussvollem, feierlichem Konsum pauschal. Diese Praktiken jedoch als "absolut" und als "das Ziel jeder Woche" zu setzen ist traurig und versinnbildlicht den Zeitgeist.
Ich brauche keine permanent verabreichten Sklavendrogen als Therapie, um mein Dasein mit geheuchelter Stoik zu übertünchen.

