Zu Furcht und Idealismus Teil I
Ein Weg, sowohl sein Leben und sein Selbstwertgefühl, als auch seinen Horizont zu bereichern ist es, Herausforderungen anzunehmen und Risiken einzugehen, um an ihnen zu wachsen. Viele schrecken davor jedoch zurück, sei es aus Angst oder aus Bequemlichkeit. Zählt das Gefühl der Angst zum Instinkt beinahe jedes Lebewesens, lässt sich Bequemlichkeit wohl eher auf einen Mangel an Disziplin, Training oder Ehrgeiz zurückführen und ist somit eine geistige Einstellung. Beide Hemmungen lassen sich jedoch überwinden, fragt man sich, was man eigentlich durch das Eingehen des Risikos oder Überwinden der Passivität erreichen könnte, sei es im Kleinen oder im Großen.
Angst gehört wohl zu den elementarsten Gefühlen der Menschheit, fest in unserem Instinkt verwurzelt und damals notwendig, um das Gehirn auszuschalten, wenn es hieß schnell sein und nicht denken. In diesem Artikel ist allerdings die Angst vor der Zukunft, des Versagens, also inbesondere vor dem Kontrollverlust und den Folgen seines Handelns die Rede. Zunächst einmal: Ohnehin lässt sich nichts vollkommen kontrollieren, egal, wie gut wir in etwas sind oder etwas geplant haben, wir können nur die Wahrscheinlichkeit des Erfolges steigern.
Hat man nun einmal die Erkenntnis der Nichtexistenz absoluter Werte und Wahrheiten, sowie seines beinahe unbedeutenden Platzes im Kosmos erkannt und verfällt nicht dem Fatalismus, stellt sich die Frage wonach man sein Leben richten und was man mit diesem Leben anfangen möchte - man sucht ein Ziel, ein Ideal, wonach man strebt, etwas das höher und ewiger ist, als nur das eigene Wohlbefinden oder die Befriedigung seiner Wünsche. Das Ziel ist nicht unbedingt singulärer Natur, sondern setzt sich aus vielen Einzelfaktoren zusammen, die unser Handeln leiten und somit das Ideal Wirklichkeit werden lassen. Die Umsetzung des Ideals fängt also zunächst bei sich selber an, erfordert Selbstkontrolle und ein tägliches Streben nach diesem Ideal - kurz, es erfordert den Umschwung von Passivität zur Aktivität. Die Rede ist hier nicht von der sofortigen Umsetzung seiner Wunschgesellschaft, sondern vielmehr von Selbstüberwindung - und beherrschung. Ein Teil dessen ist die Beherrschung seiner Angst, im Kleinen, wie im Großen.
Natürlicherweise gelangt man eben durch eine aktive Teilnahme am Leben in neue Situationen, die man so noch nicht erlebt hat und - vielleicht sogar ohne nachvollziehbaren Grund und durch den bloßen Gedanken daran - Nervosität auslösen können. Hieran scheitern die meisten bereits und wagen den ersten Schritt erst gar nicht.
Furcht lähmt und hindert uns zu handeln, etwas zu errichten, was zwar schwierig und von Schmerzen begleitet in die Tat umzusetzen sein mag, aber von längerfristiger Dauer und auch Zufriedenheit geprägt ist, als die momentane Gemütlichkeit in unseren (allzu) sicheren Häusern. Die meisten Dinge im Leben, die es wert sind zu haben, sind eben nicht leicht zu erreichen. Sie beschneidet unser Leben immens, falls wir es zulassen uns von ihr und nicht von unseren Idealen leiten zu lassen, bleiben passiv und handlungsunfähig. Wie Grashalme im Wind sind wir bieg - und furchtsam, lassen wir uns von den äußeren Umständen diktieren, ordnen uns aus Furcht vor den Konsequenzen (vom Alltäglichen - Peinlichkeit, Ablehnung, der große Hund des Nachbarn - bis zum heroischen Tod) unter und entziehen unserer Existenz jeden Sinn.
Lässt man sich von seiner Angst zurückhalten, generiert dies ein Gefühl der Impotenz und der Machtlosigkeit, dessen man sich evtl. nichteinmal bewusst ist, jedoch seinen Ausdruck in anderen Auswüchsen findet. Wut, Depression, der Drang sich zu amüsieren und der wochenendlichen Intoxikation hinzugeben. Entropie, nichts ist von Bedeutung.(Ein Zustand, der übrigens auch von unseren Babysitter - Regierungen angestrebt wird.)
Eine passende Metapher für Unbekanntes ist ein tiefer, dunkler Wald bei Nacht. Man weiß nicht, mit was für Kräften man sich messen muss, dennoch sollte man es wagen, einzutreten.
Idealismus ist uns moralische Stütze in Situationen, welche uns ängstigen.
Fortsetzung folgt
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