24. Mai 2009
Männlichkeit
Männlichkeit
Wir scheinen uns offensichtlich in einer Krise der Geschlechter zu befinden, wenn der politisch korrekte Tenor die Umstürzung der patriarchischen Gesellschaft sich zur Aufgabe genommen hat. Die "Vertreter" selbiger rekrutieren sich aus Unisexfrisuren mit rosa Polohemden, Fußballproletariern und Topmanagern (bei denen der adrette Auftritt im Businessdres auch nicht über die Tatsache hinwegtäuscht, dass die allmorgige Rasur mehr einer symbolischen Beschneidung ähnelt denn tatsächlich einer Rasur). Gender Mainstreaming erstürmt Bastionen ohne Verteidiger und hat sich das Ende der brutalen Männerherrschaft auf die Fahne geschrieben. Materialismus nagt am altehrwürdigen westlichen Wertesystem während fortschrittsgläubige Wirtschaftsroboter uns mit Rhetorik und Zahlen einlullen. Unsere Gesellschaft wird aufgrund dieser der ökonomischen, unempathischen und gewalttätigen Grausamkeiten als männliches Wurzel allen Übels typisiert. Ist unsere Zeit tatsächlich derart maskulin dominiert, wie behauptet wird, und ist die Konsequenz dessen tatsächlich ausweglos schwarz? Ich will im Folgenden begründen, warum ich das nicht so sehe.Wie erwähnt, ist das grundlegendste Problem der modernen Welt etwas, was als "Materialismus" bezeichnet werden kann. Das Wort "Materialismus" selber besteht aus lateinisch "mater", was eben nichts anderes als "Mutter" heißt und eine eindeutig weiblich-bemutternde Interpretation der Weltwirklichkeit impliziert. Angesichts dessen wäre es müßig zu behaupten, die Wertevorstellungen unserer Zeit wären tatsächlich patriarchisch-männlicher Art - selbst wenn unsere Gesellschaftsstruktur derart gestaltet ist, wurde sie das nur das über diese indirekte Kanalisierung. Im Gegenzug heißt dieser Umstand jedoch, dass männliche Wertevorstellungen in letzter Konsequenz immateriellen Couleurs sind, das heißt transzendent und nicht nur rein animalisch-biologisch. Und so haben es traditionale Gesellschaftsformen, die wesentlich erfolgreicher und beseelter waren, als die heutige, ebenfalls verstanden.
Entgegen landläufiger Meinung: Männlichkeit definiert sich nicht nur durch männliches Verhalten, männliche Optik, kurzum: Männliche Materie. Das sind die rein animalischen, physischen Bestandteile dieses Pols. Diese Bestandteile sind erst materielle Interpretationen von universellen, von transzendentenen Kräften. Wodurch zeichnet sich jetzt transzendente Männlichkeit aus? Ich möchte an dieser Stelle nicht zu tief auf allerlei individuellen Ausprägungen von geistiger Männlichkeit in z.B. indoeuropäischen Gesellschaften eingehen und einen Geschlechterdualismus en detail beschreiben, den namhafte Traditionalisten bereits vor mir beschrieben haben - vielmehr möchte ich mich auf einen Typus konzentrieren, der offensichtlich am Aussterben ist - das des europäischen Mannes, des Kriegers und des kultivierten Gentleman. Diese Typen sprechen die Sprache Europas - es ist eine Sprache, die die meisten Männer schon längst vergessen haben, die Sprache der Ehre, Aufopferung und des Verantwortunggefühls. Diese Männlichkeit definiert sich eben nicht nur über materielle Faktoren, auch wenn sie sich erst mithilfe dieser physisch manifestiert. Zu diesem Fehlschluss kam es erst, als der Mensch im Laufe der Zeit den spirituell irrationalen Bezug zu sich selbst verloren hat (nur weltpolitische Auslöser dafür zu verurteilen ist müßig, die Ursache selber ist eher kosmischer Natur). Für den alten Typus Mensch waren spirituelle Symbole genauso real wie die physische, optisch-sensorische "Realität" selbst. Der moderne, über-aufgeklärte Typus hält alles, was über ein mechanisch-materialistisches Verständnis hinausgeht für ein Märchen.
Ich bin der Meinung, dass bei männlichen Individuen, die sich mehr durch ihren Schein und ihre männliche Materie definieren, eine Abhängigkeit zur zufälligen Materie vorherrscht. Genau jene Typen entpuppen sich als Pantoffelhelden oder krampfhafte Beziehungsmenschen, die in dieser wilkürlichen Unterwürfigkeit aufzugehen scheinen. Natürlich ist es auch möglich, dass sich gerade durch diese niedriggesinnte Lebenseinstellung, diesen animalischwirkenden Typus wiederum ein gewisser Typus Frau angezogen fühlt - anzutreffen in wahrscheinlich eher unteren Schichten, die naturgemäß nicht Gegenstand unserer Betrachtungen sind. Zwar mögen darunter auch höchst dekorative Geschöpfe aufzufinden sein, mehr aber eben auch nicht. Spätestens in 30 Jahren wird die Dekorativität gewichen sein und durch ihr Fehlen ein Vakuum des Scheins hinterlassen, während die "Männlichkeit" im Unterhemd auf dem Sofa sitzt und biertrinkend Fußball guckt.
Zugegeben, wäre das alles, was der Feminismus am Mann zu kritisieren hat, hätten wir es wahrscheinlich unkomplizierter. Aber es werden schwerere Geschütze aufgefahren; von Kriegstreiberei bis hin zu Vergewaltigern und anderen Verbrechern, sie sind alle männlich. Und tatsächlich ist dem so, es ist eine Art naturgegebene Entropie. Genauso gut könnte man sich darüber beschweren, dass die Sonne jeden Abend untergeht oder der Winter hereinbricht - oder eine Naturkatastrophe eine Spezies auslöscht. Es ist müßig. Aus dieser Entropiefalle gerät man nur heraus, wenn man nicht die Realität zu ändern versucht, sondern Struktur und Geist (im Sinne von spiritus, nicht animus) in sie hineinbringt. Was nämlich vergessen wird, ist, dass es Männer sind, die auch die Gesetze schaffen, damit das Tier, das materiell-entropische (egal ob animalisch, menschlich oder kosmisch) nicht über sie herfällt.
Das Ideal der Männlichkeit findet sich nämlich immer ätherisch verwirklicht und idealerweise unabhängig von jeglicher materieller Einflussnahme. Das ist übrigens auch der Grund, warum etwaige namhafte Traditionalisten prinzipiell allem weiblichen, wechselhaften, eben eher Materiellem kritisch-dualistisch gegenüberstanden - an dieser Stelle muss ich jedoch eine Lanze für die Frauenwelt brechen und sagen, dass ich an vielen Stellen diese Einstellung zu fatal finde. Ihre Unzulänglichkeit, mit der Frauenwelt erfolgreich zu interagieren, überrascht mich nicht. Was könnten wir Männer schon ordnen, schaffen und was wüssten wir von der Schönheit in der Welt, von der Ästhetik, ohne Weibliches? Diese Ästhetik erschöpft sich nicht in reiner Dekorativität und ist jeglicher geistiger Homoerotik überzuordnen.
Ebenfalls als Traditionalist, aber auch als eine Art Avantgardist führe ich diese Aspekte dialektisch zusammen. Mich bringt nichts mehr zu zu politischen Zweckehen mit Minderjährigen oder archaischem Frauenraub zurück - dann doch viel lieber den Typus des mittelalterlichen Minnesängers. Auch schätze ich studierte Frauen, mit denen man sich bei einem guten Wein über Quantenphysik unterhalten kann - wann wäre das schon möglich gewesen? Mit "Modernität" im Sinne des pseudoemanzipierten Gendermainstreamings oder Sex And The City hat das dann natürlich nichts mehr zu tun - eher mit etwas, was man tatsächlich als traditionalisische Avantgarde bezeichnen kann.
Wigr

