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10. Januar 2008

Science Fiction

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Science Fiction

Von Freanan, 19. Oct. 2006

Kein Genre der modernen Literatur wird so sehr zu Unrecht als bloße Unterhaltung abgetan wie Science Fiction. Man hält diese Literatur für einen Tummelplatz von Phantasten oder gelangweilten Wissenschaftsjournalisten. Wenn überhaupt, wird ein gewisser wissenschaftlich-spekulativer Wert in der "Hard Science Fiction", also in den Büchern, die sich möglichst nah an die tatsächliche Wissenschaft halten, gesehen.

Der Gedanke der wahren Kunst, wie beispielsweise Schopenhauer sie sieht, die die transzendenten Wahrheiten unter der Oberfläche des menschlichen Daseins zum Ausdruck bringt, wird von vielen Werken des Genres bewusst oder unbewusst aufgegriffen und verwirklicht, aber meist ohne dass es jemand wahrnimmt.

Viele dieser Bücher beschäftigen sich mit den ewigen Problemen der Menschheit, die in beliebigen Zukunftsszenarien noch genauso aktuell sind wie in der heutigen Zeit oder in einer Isländersaga aus dem 13. Jahrhundert. Damit zeigen sie uns eine durch die Hand des Künstlers konzentrierte und sublimierte Sicht auf die Realität und auf die Welt und schaffen uns somit Schönheit, Unterhaltung und Nutzen.

Sie zeigen uns, dass unsere echten Probleme, die über medizinische Versorgung oder ein angenehmeres Leben hinausgehen, auch in einer technisch hoch entwickelten Welt weiterbestehen und dass zu ihrer Lösung eine Fortentwicklung der Menschheit selber viel mehr als nur ihrer Werkzeuge nötig ist.

Die heute anerkannte Literatur beschreibt in großem Detail die Midlife-Crisis westlicher Arbeitnehmer oder den Hungertod von Völkern in der dritten Welt und nennt dieses Schwelgen in Langeweile, Frustration, Sinnlosigkeit oder Elend ihren Realismus. Die Science Fiction-Literatur getraut sich hingegen durchaus, die Phantasie des Menschen in Anspruch zu nehmen und Geschichten zu erzählen, die unterhaltsamer sind als unser Alltag. Wie Homers Illias, das Nibelungenlied oder Shakepeares Dramen schildern sie Ereignisse, die die meisten Menschen nur aus Büchern, nicht aber aus ihrem täglichen Leben kennen, weil sie von Extremsituationen berichten, oder weil die Charaktere aus dem Leser fremden gesellschaftlichen Schichten stammen. Trotzdem kann jeder das Spektrum menschlicher Verhaltensweisen und Gefühle in den beschriebenen Situationen und Charakteren betrachten und findet sein eigenes Leben darin gespiegelt. Auch wenn die Wenigsten von uns schon bei der Belagerung einer Stadt oder bei einer Raumschlacht dabei waren, so kennen wir doch die menschlichen Gefühle und Konflikte, von denen berichtet wird.

Selbst wenn solche Bücher sich weit von den Forderungen auf technischen Realismus und Wahrscheinlichkeit der in den Zukunftsszenarien beschriebenen Technologie entfernen, wird ihr Wert nicht gemindert, denn ihr eigentlicher Wert besteht darin, das Menschliche Leben auch inmitten unglaublich leistungsfähiger Technologie so darzustellen, wie es ist und immer sein wird.

Weil auch wir in Zeiten schnellen technischen Fortschritts leben und die Wirkung neuer Möglichkeiten auf den Menschen direkt erleben und betrachten können, ist Science Fiction vielleicht sogar das Genre, das am besten zu unserer Zeit passt. Auch wenn die dort dargestellten Möglichkeiten die unseren weit übersteigen, ist die Situation prinzipiell die selbe. Hier wie dort stößt das Individuum auf neue Vergnügungen, neue Utopien und Dystopien, auf eine sich ständig verändernde Welt und auf immer gleiche Probleme im neuen Gewand.


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