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Deutsche Nihilistische Gesellschaft - Nihilismus, Traditionalismus, Pan-Nationalismus

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Frederic Beigreder: 39,90

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Frederic Beigreder: 39,90

Von Freanan, 27. Sep. 2006

Neunundreisig neunzig ist ein Buch, das von der Allmacht der Werbung berichtet. Es erinnert an Fjodor Dostoyevski oder auch an das als Film bekannt gewordene Buch "Fight Club" von Chuck Palahniuk. Allerdings wird die Moderne hier nicht aus der Sicht eines gewöhnlichen Gesellschaftsmitglieds oder eines Aussteigers, der die Gesellschaft unterwandert, sondern aus der Sicht eines der unbekannten Drahtzieher hinter der Welt geschildert, aus der Sicht eines Kreativen in einer Werbeagentur. Aber wie in den beiden anderen genannten Büchern und vielen weiteren, sieht man auch hier ein Individuum, das an dem zugrunde geht, was aus der Welt geworden ist. In der Vergangenheit ging es nur den Beherrschten schlecht (und auch das wahrscheinlich nur körperlich), heute leidet jeder an einem geistigen Siechtum, wenn er nur mehr als drei Gehirnzellen hat und erkennen kann, wie die menschliche Welt wirklich funkioniert. Das Buch beschreibt das Leben von Octave Parango, der einer der Verführer und Vergifter des Geistes ist, die die Menschheit in der modernen Demokratie des Westens lenken und der gleichzeitig selbst vergiftet wird: Für einen wirksamen Werbespot erhält er Autos, exklusive Ferien, Yachten oder Luxusuhren - die er selbst nie gebraucht hätte, wenn er nicht ebenso wie alle anderen von seiner eigenen Branche manipuliert worden wäre.

Neunundreissig neunzig ist ein zynisches und realistisches Buch, kein romantisches: Die Krankheit und Dekadenz der Moderne wird schonungslos aufgedeckt, aber es wird keine bessere Lösung vorgeschlagen. Somit eignet es sich als "Augenöffner" für Menschen, die die bestehenden Probleme noch nicht erkannt haben. Für den Nihilisten ist das Buch höchstens eine Bestätigung von bereits gewusstem.

Ironisch ist die Tatsache, dass auch dieses Buch ein Produkt ist. Es verkauft uns ein Gefühl von Einsicht in die inneren Funktionsprinzipien der westlichen Welt, auch ein Gefühl von Überlegenheit über jene, die sich diese Erkentnis noch nicht gekauft haben. Dieses Problem hat wohl auch der Author erkannt, denn er schreibt, man werde ihn als Reaktion auf sein Buch (der tatsächlich Werbeprofi war) entweder entlassen oder befördern: Denn wir leben in einer Zeit, in der selbst Rebellion, solange sie sich verkaufen lässt und sie nicht wirklich etwas verändert, eine Form von Gehorsam ist. Das lässt sich aber wahrscheinlich nicht vermeiden, denn um seine Ansichten verbreiten zu können, musste der Author wohl ein Buch schreiben und es verkaufen. Dinge, die kostenlos sind, verbreiten sich schlecht. Der einzige Ausweg wäre gewesen, alternative Werte vorzuschlagen und dem Leser nicht nur Erkentnis von Problemen und das Schwelgen im Wissen über Schlechtheit, sondern auch bessere Lebensziele als die in der Werbung vorgestellten zu zeigen. Dies liegt aber jenseits der Ziele des Buchs.

Negativ fallen einige logische Inkonsequenzen, nicht in der Handlung, sondern in den Aussagen des Authors auf: Für den geistlosen, sinnentleerten, nach immer neuen Produkten suchenden Geisteszustand des modernen Menschen macht er einen Mangel an Egalitarismus verantwortlich. Ständig vergleicht er die Diktatur der Werbung mit faschistischen Ideologien - dabei handelt es sich hier um das Nonplusultra der Demokaratie, die Herrschaft des Mittelstandes, des Durchschnitts, ist es gerade Egalitarismus und Gefallsucht gegenüber den Massen, welche die Werber reich macht und die Köpfe leer werden lässt.

Wenn Neunundreissig neunzig für eben die Zustände, die im Buch anprangert werden, gefährlich sein kann, dann höchstens dadurch, dass es manche Menschen zur Suche nach besseren Werten anregen oder für diese empfänglicher machen könnte - was aber auch schon ein gewisser Verdienst wäre. Den meisten Menschen wird hier lediglich das Wissen über ihre eigene Produktabhängigkeit als neues Produkt verkauft. Manche aber könnten durch das Aufzeigen von Fehlern auch zur Suche nach Besserem angeregt werden - was zu hoffen wäre.


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