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17. Februar 2009

Gastartikel: Sonne der Kultur

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Sonne der Kultur


"Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten."
- Karl Kraus (1874 - 1936)

"Die guten alten Zeiten": Das ist mit Sicherheit ein Topos, der von jeder Generation früher
oder später verwendet wird. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es diesen angeprangerten
Verfall der Sitten, Normen, Werte und der hier angesprochenen Kultur nun wirklich gibt oder
eine gewisse trübsinnige Nostalgie Menschen dazu bewegt, Modernität in ihren
mannigfaltigen Ausprägungen zu kritisieren oder im schlimmsten Fall anzuprangern und zu
verdammen.
Vor allem in der Zwischenkriegszeit, also zu Karl Kraus Lebzeiten, rückte Kultur stark in den
Hintergrund. Die meisten Menschen mussten sich um andere Dinge und Probleme
kümmern: Den Wiederaufbau und die Folgen der Weltwirtschaftskrise, Inflation und
Arbeitslosigkeit. Da verwundert es nicht, dass man weniger Zeit und Muse hatte um sich der
Kunst zu widmen. Doch unabhängig davon ist auch in unserer heutigen Zeit ein absolut
tiefgreifender Verfall der Kultur und auch der Gesellschaft zu bemerken, den bereits der
katholische Pfarrer Hans Milch (1924 - 1984) kritisierte: "Es gibt kein finsteres Mittelalter,
aber es gibt sehr wohl das finstere, geistesfinstere 20. Jahrhundert. Das Nichtige,
Nichtssagende: Zeit, Mode, Mehrheit, Meinung, Masse, lauter Varianten und
Ausdrucksformen des Nichts!"
Seit circa dreißig Jahren pflegen sehr viele Menschen einen Lebenswandel zu haben, der
sehr wenig Substanz besitzt und höchstens an der Kruste der Oberflächlichkeit zu schaben
vermag. Traditionelle Werte wie Familie, Wissen und eine fundierte Ausbildung rücken
immer stärker in den Hintergrund, um Platz zu machen für den oberflächlichen und
perversen Konsumwahn, der von der Werbung vorgegeben und der breiten Masse der
farblosen Jünger mit einer unbeschreiblichen Gier, die gleichermaßen aus Dummheit und
Ignoranz resultiert, aufgenommen wird. Vernunft und Individualismus werden spätestens ab
dem Schuleintritt konsequent klein gehalten, um bereits Kinder und Jugendliche an ein
System anzupassen, dass von Fehlern durchsetzt ist wie ein an Geschwüren zugrunde
gehender Kettenhund, und trotzdem mit aller Macht am Leben erhalten wird.
Man muss ganz klar die verschiedenen Arten der Kultur benennen: Zum einen gibt es Kultur
im klassischen Sinn, wie zum Beispiel Oper, Theater, Literatur und darstellende Kunst, zum
anderen wären die schnelllebige Formen wie zeitgemäße Musik und gesellschaftliche
Subkulturen, deren schlimmste Auswüchse Jugendsubkulturen sind. Im zutiefst
menschlichen Bestreben, in einem System der krankhaften Einheit zumindest ein bisschen
Individualismus einzubringen, müssen diese Menschen mit aller Macht auffallen, was alles
nur noch zum Schlimmeren wendet. Denn eben diese Zurschaustellung des freien Willens
und der vermeintlichen Einzigartigkeit führt schlichte Gemüter dazu, diesem Trend wie
Lemminge zu folgen, ohne dabei eigene Überlegungen anzustellen. Menschen werden
immer abhängiger von Meinungen, die sie durch Medien und den Erhaltern des Systems in
den Mund gelegt bekommen. Und das schlimmste dabei ist, das es den meisten zu gefallen
scheint, klaren Anweisungen zu folgen anstatt sich eine eigene Meinung und ein eigenes
Urteil zu bilden, was die Grundlage für jede vernunftbedingte Selbstständigkeit darstellt.
Wie bitte sollen unter diesen Voraussetzungen Kunst und Kultur eine Blütezeit erleben? Nun,
die Lösung zu dieser Frage ist eine einfache: Indem beides absolut parallel zu den
gefährlichen gesellschaftlichen Entwicklungen läuft. Dies beweisen Kunstrichtungen, die sich
mit aller Macht von den klassischen abgrenzen müssen. Dass dabei oft weder eine
Überlegung noch ein Ziel oder gar ein Sinn vorhanden ist, wird mit dem tobenden Applaus
der Menge belohnt. In einer Zeit des moralischen Verfalls und der kulturellen Dekadenz
wirkt jeder noch so kleine Versuch, durch schnelllebige Kunstwerke die so hoch geschätzte
und angestrebte Unsterblichkeit zu erlangen, wie das Gesuch das Himmelreich mit dem
irdenen zu verbinden.
Natürlich ist Individualismus in der Kunst ein wichtiges Anliegen, muss und darf aber nicht
durch degenerierte Ausdrucksformen verdorben werden. Aber durch Globalisierung und
Völkeraustausch, so viele Vorteile diese zwei Dinge auch bringen sollten, wird die Kultur
eines Landes Stück für Stück zerstört und ihre Überreste in einen grauen Einheitsbrei
beigemengt, der irgendwann als Weltkultur enden wird, sofern man dies dann noch in
irgendeiner Weise Kultur nennen kann.

Für all diese Probleme gäbe es recht einfache Lösungen, die mit der Mithilfe von vielen von
uns einfach zu erreichen wären: Konzentration auf beständige Werte, die Erhaltung von Sitte
und Moral, ein rasches Abwenden vom krankhaften Konsumwahn und die Wahrung der
landesspezifischen Kultur, wobei fremde Ausprägungen selbstverständlich gelehrt, gelernt
und genossen werden, aber nicht in unsere Traditionen einfließen dürfen.

Thomas Weißenbacher


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es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun."
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"Das Vieh stirbt und Freunde sterben, endlich stirbt man selbst:
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