Archiv


XML



Free Blog Counter


Suche


© 2008 G.N.U.S.

15. Februar 2009

Auswahl aus der Mailingliste

« Winter | Home | Sterbende Emotionswel… »

Auswahl aus der Maillingliste

Es sei zu bedenken, dass der Inhalt nicht zwangsläufig offizielle GNUS-Agenda ist. Vielmehr werden nur die verschiedenen Gedanken der Beiwohner unkommentiert zitiert, aufdass sie einem selber Denkanstöße liefern.

Auch Interesse daran, mitzudiskutieren und über neueste Aktualisierungen in der Welt und auf GNUS informiert zu werden? Meldet euch doch auch bei der Liste an:

Zur Anmeldung
Das Anmeldeverfahren dürfte selbsterklärend sein.

Inhalt:
Werbung, GNUS-Shirts und Zielrichtung
Zeitgeist Addendum
Kommune
Kochstudio Nihil
Netzsicherheit
Ausstieg
Pilgerreise
Wunderbare Stellungnahme
Brechen muss der schwarze Bann (Video)
Freiheit




Werbung, GNUS-Shirts und Zielrichtung

Wenn wir unsere Verbreitung ausschließlich auf die richtigen Personen beschränken, werden wir aber nur sehr schwer wachsen. Sicherlich hilft es, intelligente Personen für unsere Sache zu gewinnen, die Auswahl der Personen kann aber nur effektiv über Mund zu Mund Propaganda bzw im direkten Gespräch geschehen. Man muss auch mal ein paar Schrotschüsse abgeben, sozusagen. Manche werden bleiben, andere werden wieder "Nazis" schreien.
Dazu mal dies http://www.anus.com/zine/articles/prozak/act/ und das http://www.anus.com/zine/articles/alexis/infoterrorism/ . Dürfte aber bekannt sein. Nützlich sind wie gesagt meiner Meinung nach Flyer, ich halte eine Kombination von zwei Arten für sinnvoll: Zunächst die große Algiz Rune mit den Hauptschlagwörtern als Eyecatcher, natürlich mit den Verweisen auf die relevanten Webaddressen. "Anti - Capitalism - Anti - Globalisation" fangen sowohl Nationalisten als auch die linken Gutmenschen und normale Studenten. Desweiteren sollte noch ein provokanter Flyer von dieser Seite http://www.anus.com/etc/fliers/ hinzugefügt werden. Tagging ist sicherlich nicht sehr seriös, ist dennoch ein bleibender Verweis und wird von vielen gesehen. Erhält zudem einen rebellischen Charakter, der ebenfalls viele anlocken könnte. Eben nur bei Gelegenheiten, falls man mal eine öffentliche Toilette oder ähnliches besucht, nicht als Hauptverbreitungsmethode.
Was die Shirts angeht, machen jene ohne einen Verweis auf die Seiten keinen Sinn. Das wäre dann nur ein weiteres Fanshirt mit einem schicken Spruch drauf. Sicherlich auch ok, zur Verbreitung allerdings ungeeignet. Die Leute sehen das Shirt, merken sich den Spruch für ein paar Minuten und das wars. Entweder verstehen sie ihn nicht oder er ist nicht provokant genug, der Spruch alleine reicht jedenfalls nicht. Ansonsten fände ich das Bild zu Wigrs Artikel "Der Tod Balders" recht schön, etwas strahlend und erhaben.

>>> Antwort

In diesem Kontext unsere grundlegende Orientierung

Unterschied zwischen Corrupt und Xnus:

Corrupt:
Exoterisch
Pragmatisch
Medienorientiert
Parallelistisch
Konzentriert auf aktuelle Begebenheiten

Xnus:
Esoterisch
Analytisch
Ewig gültig
Metapolitisch

Unsere Richtung ist also eher eine, die nicht auf Massenakzeptanz aus ist -
wir bieten eine Plattform für die deutschen "Brahmanen". Die Schweden und
Amerikaner lassen die Stile gerne stark miteinander vermischen und ein
konkreter praktischer Bezug (News, Zeitgeist) hat sich auch für uns als sehr
nützlich erwiesen, der deutsche Tribe wird jedoch klarer den einen Pfad
gehen. Ein Corrupt Germany habe ich bereits geplant, wird auch realisiert,
wenn GNUS eine gewisse Unterstützerzahl aufweist, als "elitäre" Plattform
aufgrund eines gemeinsamen Nenners funktioniert und auch eine gewisse
Eigendynamik entwickelt hat, die selbstständig und kreativ Inhalte bringt
und auch nach Außen projiziert - wir sind auf den besten Weg dorthin.

Darum halte ich Masseninformationen für schlichtweg unnötig - diejenigen,
die uns wirklich hold sind, erreichen wir so nicht eher als durch
geschicktere Mittel. Von Toilettentagging möchte ich insbesondere Abstand
nehmen, aber allein nur des Stils wegen.

Flugblätter, "Infoterror" können auch nützlich sein, wenn man sich einer
gewissen Zielgruppe versichert hat.
Es wäre gut, wenn jemand deutsche Versionen von den Fliern und Bildern
machen könnte. Vielleicht sogar komplett neue! Die "What if" Serie und die
Super-Nihilism Sachen fand ich genial, vom blasphemischen Zeug möchte ich
jedoch definitiv Abstand nehmen.

Die Sache mit dem Shirt: Halte ich für gute Idee, sehe jetzt aber keinen
akuten Bedarf. Den PR-Wert halte ich für prinzipiell eher nicht so hoch;
eine gute Optik, ein prägnanter und
treffender Spruch und die Addresse von GNUS (welche an sich nicht sehr
prägnant ist, www.gnus.de wäre definitiv ergiebiger) dürften zwar einen
gewissen Vermittlungswert besitzen, überschätzen würde ich ihn jedoch nicht.
Wenn, dann schon eher als persönliches "Flagge zeigen", als stolzes Zeichen
dafür, Unterstützer und Mitglied zu sein. Wenn sich jemand um die
technischen Details wie Design und Produktion kümmern kann, wäre das sehr
praktisch, bevor wir jedoch über Sprüche abstimmen, die da drauf sollen,
würde ich die Sache eher hinten anstellen.

Der Weg, den ich mit GNUS eingeschlagen, ist der richtige, und ich werde ihn
weiter beschreiten. Dank euch blüht GNUS auf wie nie zuvor und gewinnen fast
täglich mehr Macht - das Momentum ist auf unserer Seite. Weiter so!




Zeitgeist Addendum

> Die Fortsetzung von "Zeitgeist (2007)". Wer den Film noch
> nicht gesehen hat, sollte dies nachholen. Die Qualität auf
> google.video ist nicht die allerbeste, was jedoch keinen
> Abbruch tut.
> http://video.google.com/videoplay?docid=7065205277695921912

Ich halte die Zeitgeistreihe zwar für interessant, teilweise aber auch für überbewertet. Gut, es ist mittlerweile eine "Marke" die einfach viele kennen und durch die gute Darstellung und kostenlose Präsentation bei google-Video erreicht ist alles in allem viele Menschen und regt vielleicht deren kritischen Geist an. Wie ich das erlebt habe, ist aber ein anderer Vorgang üblicher. Die Menschen sehen diesen Film, nehmen ihn als Argumentationsbasis auf und legen das Thema ansonsten ad acta. Das ist aber falsch. Man muss am Ball bleiben, weil man nur durch Zeitgeist keine ausreichende Argumenation und Einsicht bekommt. Ein nahezu gravierender Teil des ersten Teiles ist mit einem anderen Wort als "falsch" einfach nicht zu umschreiben. Hier hat man versucht das Thema materialistisch zu sehen, in eine Schublade zu packen und das ausgedachte Muster diversen Anderheiten einfach auszudrängen, was jedem Astrologie- und Mythologieinteressierten auch schnell auffällt.
Ansonsten aber natürlich sehr interessant. Aber ich habe eh immer was zu meckern. ;-)





Kommune (gekürzt)

>Ich habe jetzt schon öfters gehört, daß es mehr Menschen gibt, die auch weg
>von der Zivilisation wollen. Ich denke, es ist selbstverständlich, daß man
>in einer Kommune sich mehr gegenseitig unter die arme greifen könnte und
>das Leben sich so erleichtern könnte. Meinungen?

Das ist in der Tat anzunehmen - geht man davon aus, dass in der Kommune ein
gewisser Konsens herrscht. "Früher" war der Konsens kultureller, ethnischer
und familiärer Art - mit seiner Sippe und seinem Stamm war man freilich sehr
verbunden, man hing voneinander ab. Wie das heute funktioniert, wenn man auf
einen Punkt konzentriert Menschen zusammenschweisst, die nichts miteinander
zu tun haben, wäre ein interessantes Experiment.

Es wird in diesem Fall 2 Ausgangsmöglichkeiten geben:

- Beschränkung des Umgangs auf grundlegende Dinge während man seine eigenen
Interessen pflegt (wäre dann in der Praxis so wie ein anonymes,
nachbarschaftliches Großstadtleben)

- Einigung auf einen Konsens (Was ihr alle wollt, glaubt, denkt;
Spezialisierungen; ja selbst Phänotyp wäre denkbar)

Gerade die letzte Hypothese finde ich sehr interessant, das sollte man
definitiv weiter beobachten. Diese mikrokosmische "Kulturbildung" kann
sicher zur Erklärung von historischen Kulturbildungen (auf der Basis eines
Konsens) herangezogen werden, viel wichtiger find ich jedoch die
Aussagekraft für mögliche post-demokratische, post-industrielle - kurzum
postmoderne - Staatssysteme (nationalisierter/tribalisierter etc. Art).




Kochstudio Nihil

Nach meinem Verständnis ist die nihilistische Küche lebensfroh,
praktisch, gesund und billig - und nebenbei natürlich vegetarisch und
wohlschmeckend. Indien ist daher ein lohnendes Ziel für Exkursionen,
auch und gerade in kulinarischer Hinsicht. Das folgende preiswerte,
einfache, Familen-, Studenten-, WG- und partytaugliche Gericht habe ich
heute Abend gekocht.

Kichererbsencurry, Basmatireis und Mango Lassi
Für 2 Personen (reichlich)

Unter einem Curry versteht man in Asien etwas anderes als die gelbe,
für den Export hergestellte Gewürzmischung, die man hierzulande unter
diesem Namen im Gewürzregal findet. Vielmehr handelt es sich um deftig
gewürzte Eintöpfe, zu denen Reis gereicht wird. Vielleicht haben ja die
Hyperboreer die Gewürze vom Nordpol mit nach Indien gebracht -- sie
duften und schmecken jedenfalls göttlich, und beim Kochen erfüllt der
appetitanregende Geruch sofort den ganzen Raum. Achtung: Die Speise ist
für den Geschmackssinn kaukasischer Rassen verhältnismäßig scharf.

Zutaten für das Curry:
6EL Speiseöl
2 Zwiebeln, in Ringe geschnitten
1TL Koriander, gemahlen
1TL Chili, gemahlen
1TL Ingwer, gemahlen
1TL Kreuzkümmel, gemahlen
2 grüne Chilis, kleingeschnitten
2 Knoblauchzehen, zerdrückt
150ml Wasser
400g Kichererbsen aus der Dose, abgetropft
1 große Kartoffel, in kleine Würfel geschnitten
4TL frisches Korianderkraut
1EL Zitronensaft
1-2 Tassen Basmati-Reis

Frische Chilis, Chilipulver, Korianderkraut und Mangomus gibt's im
Zweifelsfall im asiatischen Markt. Richtiges Chilipulver besteht nur
aus Chili und ist staubfein gemahlen, bei Supermarktware ggf. auf die
Liste der Zutaten achten.

Zutaten für Mango Lassi:
250ml Joghurt
250ml Wasser
100ml Mangomus
1TL Zitronensaft

Lassi ist ein Joghurtgetränk, das nachher ausgezeichnet die Schärfe des
Currys löschen wird. Das Wort stammt aus dem Hindi, einer
indoeuropäischen Sprache -- die Verwandtschaft zu Lact-, Latte usw. ist
nicht zu übersehen. Für das Lassi Joghurt, Wasser, Mangomus und
Zitronensaft verquirlen und kalt stellen.

Den Basmatireis kocht man wie folgt: Im Verhältnis zum Reis die etwa
1,4-fache Menge nur ganz leicht gesalzenes Wasser zum kochen bringen,
Reis dazugeben, Hitze zurücknehmen, zugedeckt köcheln lassen, dabei
gelegentlich umrühren. Hitze immer weiter zurücknehmen, schließlich
nicht mehr umrühren, Herd nun auf kleinste Stufe stellen oder
ausschalten und den Reis noch ca. 5-10 Minuten auf der heißen
Herdplatte garen lassen.

Für das Curry Zwiebelringe unter Rühren einige Minuten in Öl glasig
braten. Die Hitze zurücknehmen, die Gewürzpulver, Chili und Knoblauch
zugeben und 2 Minuten unter Rühren mitbraten. Wasser angießen,
Kichererbsen und Kartoffeln zugeben, zugedeckt 5-7 Minuten unter
gelegentlichem Umrühren köcheln lassen. Gegen Ende Korianderkraut
darüberstreuen oder untermischen. Vor dem Servieren mit Zitronensaft
beträufeln.




"Netzsicherheit - Anonym Surfen"

1) Manche modernen Browser sollen einen Modus zum anonymen Surfen haben.
Das heißt aber nur, dass das Programm keine Cookies und Referrer
herausrückt. Wenn man so etwas hat, sollte man es einschalten, aber das
reicht natürlich nicht.

2) Am ehesten solltest du einen Anonymous Web Proxy finden, dem du
vertraust.

3) Tor ist zwar ein interessantes Konzept, soll aber langsam und nervig
sein -- probier's aus. Ich vermute, das Problem ist, dass das zwar alle
liebend gerne als Client nutzen, aber kaum jemand bereit ist, sich als
Server zur Verfügung zu stellen -- der Betreiber des Servers hat den
schwarzen Peter, denn die Hausdurchsuchung findet dann eben dort statt.

4) Es sind auch Bastellösungen denkbar wie mittels einem kommerziellen
Shell-Server und SSH-Forwarding, dann können alle möglichen Dienste
verwendet werden. Aber das dürfte für die meisten Leute viel zu
kompliziert sein. Wenn es jemanden interessiert, kann ich versuchen,
eine Anleitung zu schreiben. Aber zunächst braucht man natürlich wieder
einen Shell-Provider, dem man abnimmt, dass er nicht beim zweitbesten
Anruf die IP-Nummern der Verbindungen herausrückt.

Eine gewisse zusätzliche Verschleierung sollte bei Shell-Servern daher
rühren, dass Verbindungen von vielen Nutzern von derselben IP-Nummer
gleichzeitig ausgehen -- damit ist nicht leicht ersichtlich, welcher
Nutzer genau die Information abgerufen hat, selbst wenn die
Verbindungsdaten herausgerückt werden.

5) Die Endstufe der Anonymisierung ist, dass man (evtl. zusammen mit
ein paar Freunden) immer eine Handvoll gekaperte Maschinen im Netz hat,
um seine Verbindungen über mehrere Stufen durch Tunnel zu leiten. Da
kommt man kaum hinterher. Aber dabei kompromittiert man Dritte, und
diese Methode habe ich zwar bei Bekannten beobachtet, beherrsche ich
aber selbst nicht und kann sie nicht empfehlen.

>>> Antwort

> 4) Es sind auch Bastellösungen denkbar wie mittels einem kommerziellen
> Shell-Server und SSH-Forwarding, dann können alle möglichen Dienste
> verwendet werden. Aber das dürfte für die meisten Leute viel zu
> kompliziert sein. Wenn es jemanden interessiert, kann ich versuchen,
> eine Anleitung zu schreiben. Aber zunächst braucht man natürlich wieder
> einen Shell-Provider, dem man abnimmt, dass er nicht beim zweitbesten
> Anruf die IP-Nummern der Verbindungen herausrückt.
>
> Eine gewisse zusätzliche Verschleierung sollte bei Shell-Servern daher
> rühren, dass Verbindungen von vielen Nutzern von derselben IP-Nummer
> gleichzeitig ausgehen -- damit ist nicht leicht ersichtlich, welcher
> Nutzer genau die Information abgerufen hat, selbst wenn die
> Verbindungsdaten herausgerückt werden.

Dies habe ich noch gefunden, "Shell Server" war wohl nicht so gut als
Suchbegriff, "Shell Provider" ist besser:

http://www.egghelp.org/shellhtml/12345-a-012-123.htm

Wenn ich mich anonymisieren wollte, würde ich wohl die Provider auf
solchen Listen abklappern, bis ich einen oder auch zwei habe, die in
einem mir genehmen Land angesiedelt sind und bei denen ich mich
wohlfühle. Dann würde ich dort via Shell-Account einen
leichtgewichtigen HTTP-Proxy starten und zum Surfen ein Port-Forwarding
dorthin machen. Wenn man den HTTP-Proxy an Port 6666 gebunden
bekommt, könnte die Kommandozeile dann etwa so aussehen:

# ssh -L 6666:127.0.0.1:6666 ich@shell-provider.com

Man trägt dann bei sich im Browser den lokalen Serverport (in diesem
Fall localhost, Port 6666) als Proxy ein. Fertig. Aber unter Windows
stelle ich mir das schon ein wenig tüftelig vor, unter MacOS X und
Linux ist es leichter, weil die Tools schon installiert sind. Die
Shell-Accounts laufen in den Regel unter Linux, ein wenig muss man sich
damit auskennen.



Pilgerreise

Mein Plan oder Reaktion, aus vielerlei Gründen, ist es, im Sommer auf Pilgerreise zu gehen und zwar nicht die leichte Version, sondern die schwere. Mit leeren Taschen aus dem haus gehen und sehen, wohin man getragen wird, obwohl ein paar Ziele schon angestrebt werden. Ernährt wird sich von den Dingen, die einem die Natur und die Mitmenschen freiwillig geben, wie als Krishna mit Arjuna auf Pilgerreise geht: www.erberinnern.com
Ein geplantes Ziel wäre auf jeden Fall ein Besuch beim guten Öff-Öff zwecks Diskussion. Dieser will sich, wenn die Welt nicht zum größten teil sich seinen Idealen anschließt, in den nächsten Jahren zu Tode hungern. Vorher will ich ihn nochmal treffen und mit ihm über das reden, was er denkt und glaubt. http://www.die-schenker.net/Off_Off_/off_off_.html
Weitere Besuche, die leider Geld benötigen würden, wären Personen in Wien, Helsinki und Athen (die ich kenne, und wo man auch mal kurz bleiben könnte), was man mit den billigsten Mitteln erreichen würde. Darüberhinaus wäre auch Indien toll, was aber ein größeres Problem darstellt.
Es ist natürlich erleuchtender, das mit mehren Personen durchzuführen.
Diebstahl, Gewalt etc. sind verboten.
Eure Meinungen?

>>> Antwort

Das hört sich nach einer wahnsinnig guten Idee an. Abstand von der Gesellschaft ist das, wonach ich mich im Moment am meisten sehne.
Wie steht es aber um den zeitlichen Umfang der Reise, da Ziele wie Athen oder Helsinki nicht in ein Paar Tagen abzuhandeln sind? Ich bin in der glücklichen Lage, dass mein kommender Sommer 4 Monate Freizeit bietet (Juli- Oktober).
Für die Schenker- Bewegung kann ich keine Sympathie aufbringen: ist nicht genau dieser christliche Nächstenlieben-Anthropozentrismus das, was GNUS als großen Fehler der Menscheit analysiert hat (siehe "Grundgedankliche Schlagworte kurz angerissen")? Kann man die Welt mit einer "'Globalisierung der Verantwortlichkeit'" und einer "'große[n] Metamorphose der Menschheit'" vor Überpopulation des Menschen und Umweltverschmutzung schützen?

Was schließt "etc." alles ein? Zählen dazu jegliche Gesetzesverstöße, oder um welche Dogmen geht es?

>>> Antwort

>Das hört sich nach einer wahnsinnig guten Idee an. Abstand von der
> Gesellschaft ist das, wonach ich mich im Moment am meisten sehne.
> Wie steht es aber um den zeitlichen Umfang der Reise, da Ziele wie
> Athen oder Helsinki nicht in ein Paar Tagen abzuhandeln sind? Ich bin
> in der glücklichen Lage, dass mein kommender Sommer 4 Monate Freizeit
> bietet (Juli- Oktober).
> Für die Schenker- Bewegung kann ich keine Sympathie aufbringen: ist
> nicht genau dieser christliche Nächstenlieben-Anthropozentrismus das,
> was GNUS als großen Fehler der Menscheit analysiert hat (siehe "
> Grundgedankliche Schlagworte kurz angerissen")? Kann man die Welt mit
> einer "'Globalisierung der Verantwortlichkeit'" und einer "'große[n]
> Metamorphose der Menschheit'" vor Überpopulation des Menschen und
> Umweltverschmutzung schützen?
>
> Was schließt "etc." alles ein? Zählen dazu jegliche Gesetzesverstöße,
> oder um welche Dogmen geht es?


Grüß dich.
Verstehe mich nicht falsch. Die Schenker sind auch nicht so meins, aber ich denke schon, daß ein Gespräch mot ÖffÖff interessant wäre.
Askese und Nihilismus wären auf einer Pilgerreise schon sehr wichtig.
Ich wäre auch dafür, im Sommer zu pilgern, denn dann kann man auch mal draußen schlafen.




Ausstieg

Wie ihr merkt, lässt mich das Thema nicht los.
Ich bin quasi drauf und dran, aber mir geht es sicherlich wie vielen. Ich bin ein Freund von gutem Essen, von Wein, von Kultur, von Lesestoff und einer guten Pfeife hier und da. Das sind einfach alles Dinge, die nach dem Ausstieg in dieser Form nichtmehr oder kaum noch möglich sind.
Momentan habe ich hier 2 Möglichkeiten.

1. Bauwagen
Ich gebe einmal meinen ganzen Verdienst für einen Bauwagen aus, lebe dann darin und baue hier auf dem Hof mein Gemüse an. Ein sehr großes Gewächshaus steht mir zur Verfügung und bezahlen würde ich den Platz, den ich brauche, indem ich einen Monat im Jahr arbeiten gehe. Dieses Geld würde dann auch noch für andere Dinge benutzt, denn über 30? im Jahr wird der Stellplatz für einen Bauwagen hier sicherlich nicht kosten.

2. Öffi
Ja, ich weiß. Viele hier halten seine Idee nicht für so toll und ich bin auch kein Freund von "universeller Liebe". Wie man auf seiner Seite lesen kann, möchte er aber nur den kleinstmöglichen Nenner erreichen. Ich schreibe mir momentan mit ihm und werde ihn auch mal persönlich fragen, inwiefern man diesen kleinstmöglichen Nenner dehnen oder drücken kann.

Inwiefern denkt ihr über den Ausstieg nach? Tut ihr das überhaupt?

>>> Antwort

Wie weit soll denn dein Ausstieg reichen ? Schlichtweg bis zur Nahrungsunabhängigkeit ohne Geldnöte oder komplette Isolation von der Moderne ? Verstehe auch nicht so ganz, warum ein gutes Buch, gutes Essen und eine Pfeife nicht mehr möglich sein sollten.
Zur Idee selber:
Ja, ab und an geht vermutlich jedem dieser Gedanke durch den Kopf, aber es ist nicht alles schlecht an Deutschland, wenn auch das meiste. Desweiteren: Was erreicht man durch diese Flucht ? Sollten nicht die verbleibenden, wacheren Menschen versuchen, das System zu verändern, anstatt sich von ihm zu entfernen ? Dies betreffend war auch meine Frage gemeint, wie weit denn dein Ausstieg reichen würde, schließlich brauchen wir jeden Mann. Persönlich werde ich nicht "aussteigen", obwohl ich in Zukunft ein abgeschiedenes Plätzchen gerne mein Eigen nennen würde. Ein Ausstieg hat seine Verlockungen, sicherlich, aber ich versuche mein Leben trotz der Verrottung dieser Gesellschaft bestmöglichst in ihr zu leben und das Beste draus zu machen. Wie Wigr es in "Weltenseele" auch schon geschrieben hat, übe ich mich darin, mich auf mein Innerstes zu konzentrieren, was die umliegende Welt in letzter Zeit auch halbwegs ertragbar machte.
Wie wäre es denn mit einem zeitlich begrenzten Ausstieg ?

>>> Antwort

Ist die Frage, was man unter Ausstieg versteht. Kurzum: Einen total
radikalen Ausstieg im Sinne Öff Öffs oder Kaczynskis halte ich hier und
jetzt für mich (noch) nicht ergiebig. Wie ich darüber in 10 Jahren denke,
steht auf einem anderen Blatt. Fest steht jedoch, dass ich auch so irgendwo
eine Art Ausstieg betreibe - wie die meisten von uns eben. Mehr physische
Abschottung und selbstversorgende Autonomie wird aber spätestens dann
wichtig werden, wenn es um die Existenzgründung geht, die nach höheren
Prinzipien ablaufen soll, als es die Gesellschaft vorgibt - vorallem, was
eine Familiengründung angeht. Ich würde meine Kinder unter keinen Umständen
in einer Umgebung wie einer Durchschnittsstadt aufziehen, genausowenig würde
ich sie auf eine öffentliche Schule schicken wollen. Und ein wenig
Grund-Aristokratie würde ich ihnen auch mitgeben wollen, so wie ich sie von
meinen Eltern erhalten habe. Das geht nicht ohne Materie, und die muss auch
irgendwo erworben werden. Musik und Literatur halte ich für essentiell,
meinetwegen auch irgendwo das Internet. Es hängt davon ab, wie man das
Werkzeug nutzt.
Klar hab ich auch so mehr als genug von dem, was um mich herum passiert und
würde jederzeit in ein kontemplativeres Umfeld wechseln, sei es der Wald
oder eine herzlichere, tiefere Gesellschaft. Im Großen und Ganzen stehe ich
jedoch in der Blüte meiner Jahre und versuche dies, auch kriegerisch
irgendwo zu nutzen. Es wäre doch gelacht, wenn ich nicht gegen Missstände
spirituell ankäme. Sicher wäre ein indogermanischer Männerbund weitaus
ergiebiger und gesünder, aber das lässt sich heutzutage nur noch etwas
abgeschwächt verwirklichen.
Also, Ausstieg, ja gerne, wie auch immer geartet. Dabei jedoch
berücksichtigen, ob eine materielle Abschottung notwendig ist.
Ich denke, dass wir uns alle in der Blüte unserer Jahre befinden, und das
sollten wir auch nutzen und uns nicht aufgesetzt materiell isolieren. Noch
ist nichts verloren und der Versuch zählt - im Nachhinein können wir dann
schließlich immernoch sagen "Hey, wir haben unser Bestes gegeben!". Das ist
schließlich auch die Quintessenz des Heroismus und Idealismus. Mir fällt ein
Zitat aus der Bhagavad Gita ein, frei übersetzt:
"Stirbst du, gewinnst du den Himmel. Siegst du, gewinnst du die Erde."




Wunderbare Stellungnahme... oder auch: Mehr Licht!

" [...] Brüder und Schwestern, begreift die Stunde und laßt in den Kellern verrotten, wer dort verweilen möchte, Junkies und lichtscheues Pack, Vampire, Zauberer, Nachtschattenzöglinge und Kellergewächse, Gruftrosen und Psychopathen der Finsternis und alle, die das Licht am Ende des Tunnels nie zu sehen vermochten.
Laß sie liegen. Keine Selbstmordlyriken mehr. Der Selbstmord ist nun Sache der turmhaft stolzen Oberflächenbeherrscher - keine weiteren Themen mehr des Zerfalls, wenn dieser ein schmutziger Schnee von gestern nur noch ist, mit Blutspritzern darauf und grauer Asche darüber. Keinen menschlichen Dreck mehr weiter beschreiben, kein Lesen mehr in Eingeweiden, kein Zerkauen mehr von Fäkalwortgehalten.
Raus aus den Kellern und dann mitten ins Leben, das nach neuem Aufbau verlangt, nach Erbauern ruft, nach Architekten des Lichts.

Keine Lagerhallen mehr, die uns als Tanzboden dienen, deren Dächer Sargdeckel sind. Kein Ambiente mehr von Legebatterien, mit der lieblosen, improvisierten Ausstattung einer Independent-Culture, deren skurrile Stilistik sich längst schon selber überholt und erbrochen hat und auch nur noch aus ihren eigenen Abfällen schöpft. Keine ehemaligen Schlachthäuser mehr, mit eingebauten Bars, einer bunt getünchten Bimsstein-Schnellbaukultur. Keine Kohlenkeller und Luftschutzbehausungen mehr, keinen weiteren Schritt mehr in Richtung einer lieblos- lichtlosen abendländischen Untergrundkultur ohne Ausblick auf Schönheit. Keinen Schritt mehr weiter zwischen poppig bepinseltem Beton und Stahlträgern verblaßter Werktätigkeiten.
Ich will auch das geräucherte Fleisch nicht mehr schmecken, das statt Salz nur noch Nikotin und Trockeneisnebel mit sich trägt. Lockt mich nicht weiter mit schwarzer Gewandung in kontrastloses Finster - will keinen Nebel mehr sehen, niemandes Qualm in meinen Augen brennen fühlen, kein Mehr an Gothic, zuviel Skurrilität, zu wenig Stil und nur selten noch Chic.

Laß uns Ballhäuser entwerfen, in Marmor, in weißem, roten Stoffen und lichtem Kristall. Lichtdurchflutete Tanzpaläste, kein totes Neonlicht - kristallenes Funkeln, gleißendes, klares, strahlendes Licht. Kein Nebel, kein Rauch, kein Nikotin.
Draußen bleiben die Sadomaso-Schweine, in ihren Folterkellern sollen sie sich den Rest geben, in ihren Dunkelkammern dem Irrtum bis zum Erbrechen erliegen, daß Erotik auf niederster, finsterer Stufe etwas erhebend Befreiendes sei.
Der Sex-Appeal unserer Welten ist der des gebrochenen Lichtes im Regenbogenprisma des reinen Kristalls, und das stolze Tragen einer perlenden Haut, die sich nicht vor die Säue wirft und unverfälschtes Salz absondert, in der Hitze einer Tanznacht, die erleuchtet sein möchte - illuminiert von Stern- und Götterglänzen. Ich bin meiner Welt nicht zu weit voraus - ihr seid meinen Vorstellungen zu weit zurück.[...]"
- Joseph Maria Klumb




VT - Brechen muss der schwarze Bann
http://www.youtube.com/watch?v=pZjDZ9z8yR4




Freiheit
Da ja zur Zeit eine Stagnation herrscht, dachte ich, ich starte mal eine
Diskussion unter dem oben genannten Thema Freiheit:

Denkt ihr, der Mensch handelt frei, kann überhaupt frei handeln, oder
ist Sklave seines eigenen Gehirns?

Ich weiß, dass Millisekunden, bevor unser Gehrin überhaupt eine
Entscheidung getroffen hat, diese im vorderen Tei ldes Hirns(hinter der
Stirn direkt, bin mir da aber nicht so sicher) genau dieselbe
Gedankenmuster aufweist, wie die, die nach der gefällten Entscheidung
auftreten.

Ist der Mensch nun also nur ein vorprogrammierter Roboter, der glaubt,
frei zu handeln i nseienn vorprogrammierten Bahnen, oder können wir
unser Verhalten und unsere Reaktion steuern, wie es uns beliebt und sind
somit WIRKLICH frei?

Würde mich interessieren, was Ihr denkt.

>>> Antwort

Die Frage nach dem freien Willen ist eine der interessantesten Fragen überhaupt. Ich glaube, dass der Mensch mit der Anlage zum freien Willen geboren wird und ihn ausprägen kann - doch es bedarf erstens der Kultivierung und des Trainings, zweitens der Rückkopplung durch Artgenossen bei der Willensbildung und drittens einer materiellen Wechselwirkung bei der Manifestierung dieses Willens, weil er sonst virtuell bleibt und sich der Möglichkeit zur Betrachtung entzieht. In gewissem Sinne muss dem Willen also Erfolg bei der eigenen Umsetzung beschieden sein, damit man ihn überhaupt als Begriff dingfest machen kann. Auf die Gefahr, die diese Denkweise nach sich zieht, nämlich der rückwirkenden Euphemisierung dessen, was sowieso eingetreten wäre, muss nicht gesondert hingewiesen werden. Daneben gibt es eine grundsätzliche Schwierigkeit bei der Besprechung von Themen, die mit Begriffen umgehen wie Wille, Bewusstsein und Intelligenz: Man kann nur mit seinen eigenen Beobachtungen arbeiten, sie schildern und versuchen, beim Rezipienten Zustimmung oder Ablehnung zu erwirken, um so in einem iterativen Prozess zu einem sich verfestigenden Bild zu gelangen - welches man gemeinhin nur als Meinung, d.h. als partikulare oder mögliche Wahrheit (in dem Sinne, dass sie im eigenen Denkgehäuse durch äußere Einflüsse unwiderlegbar ist) bezeichnen kann. Denn man wird niemals von einem hochentwickelten Roboter einen untrüglichen Beweis erhalten, dass er Intelligenz entwickelt hat oder umgekehrt von einem weniger intelligenten Artgenossen, dass er nicht bloß ein automatenhaftes Produkt seiner Anlagen und Erziehung ist.

Vor ein paar Jahren hätte ich mir und jedem anderen Menschen einen freien Willen rundweg und ausnahmslos abgesprochen, aber langsam mehren sich für mich wieder die Anzeichen, dass es doch einen nicht schicksalhaften, nicht programmierten oder anderweitig determinierten Auswahlprozess geben muss, der letzten Endes zu freien Handlungsanweisungen führt. Die Wechselwirkungen mit den Mitmenschen des Willensbildenden, die insbesondere in seiner Sprachlichkeit begründet sind, rückten dabei jüngst in den Mittelpunkt dieser Überlegungen. Freier Wille, sofern es ihn gibt, hat aber auf jeden Fall mit Spontaneität und Zufälligkeit zu tun. Sein Wesen ist es gerade, eine physikalisch-materielle Determiniertheit zu durchbrechen, und das allein macht ihn einer Beweisführung im erkenntnistheoretisch-positivistischen Sinne schwer zugänglich, zumindest aktuell. Es wird zwar von Naturwissenschaftlern (mit Roger Penrose als prominentestem Vertreter) der Versuch unternommen, quantenmechanische Effekte als mögliche Quelle für Unvorhersehbarkeiten bei Bewusstseinsprozessen zu benennen, aber die Reaktionen auf diesen Vorschlag blieben verhalten.

Das Ereignis, das zu meiner früheren Haltung führte, war dies: Ich las einen englischsprachigen Cartoon und ertappte mich plötzlich dabei, dass ich lauthals lachte, obwohl ich den Witz noch nicht verstanden hatte. Einen kurzen Augenblick später, vielleicht nach einer halben Sekunde, hatte ich ihn verstanden und fand ihn tatsächlich zum lachen. Der Witz war ein eher belangloses Wortspiel, das jedenfalls nur im Englischen funktionierte. Der Eindruck, den dieses verzögerte Gewahrwerden auf mich hinterließ, war nachhaltig: Verschiedenartig spezialisierte Hirnbereiche arbeiteten offensichtlich parallel, und ein wie auch immer geartetes Sprachzentrum war nicht nur schon mit dem Dechiffrieren der Fremdsprache fertig, sondern es überging das Bewusstsein mit dem Verstehen und löste auch gleich selbst eine emotionale Reaktion aus. Was wäre gewesen, wenn ich in diesem Augenblick z.B. durch einen Telefonanruf abgelenkt worden wäre? Ich hätte über einen Witz gelacht, der nie bei mir im Bewusstsein angekommen wäre. Damit hätte ich alle Anforderungen an einen Automaten erfüllt, aber nicht bloß anderen gegenüber (was wenig überraschend wäre), sondern gerade mir selbst gegenüber (was mich tief beeindruckte).

Anzeichen ähnlicher Natur gibt es zuhauf. Geistesarbeiter mancher Berufe verfallen phasenweise in einen Zustand, den sie "Autopilot" oder "Flow" nennen; üblicherweise tritt er ein, wenn Probleme großer Komplexität unter Zeitdruck zu lösen sind. Das Gehirn scheint dabei auf Hochtouren zu arbeiten, doch sind sämtliche Leistungsreserven anderen Aufgaben zugeordnet als dem Bewusstsein, welches sich mehr oder weniger schlafen legt - man bekommt nichts mit, verspürt keine Müdigkeit und geht doch erschöpft aus diesem Zustand hervor. Verallgemeinernd zog ich daher den Schluss, dass die meisten meiner Entscheidungen nicht im Bewusstsein gefällt, sondern dort nur quittiert werden könnten - und dies stets in der Retrospektive. Mein Bewusstsein führte somit höchstens eine Art Qualitätssicherung durch oder es griffen maximal ein paar aktuelle Ausnahmeverordnungen, die wie auf gelben Haftzetteln am Monitorrand des Bewusstseins klebten und vielleicht zu einem gelegentlichen Innehalten oder Veto führten. Die Denkarbeit fände unbewusst in Fachabteilungen des Oberstübchens statt, und die allermeisten der daraus resultierenden Entscheidungen spiegelten passend den Charakter des jeweiligen Menschen wieder, da sie die Zensur meistens ungehindert passierten und durchaus bekannten Mustern und Denkweisen seiner Persönlichkeit entsprächen. Das wiederum würde bedeuten, dass man sehr gut funktionieren kann, wenn man des Bewusstseins und erst recht eines freien Willens beraubt ist. Dadurch ergibt sich für jemanden, der nach dem Prinzip der Denkökonomie und Ockhams Rasiermesser zu denken und zu argumentieren gelernt hat, eine großartige Verlockung: Warum sollte man sich überhaupt noch mit Begriffen wie Bewusstsein, Intelligenz und freiem Willen abmühen? Gebietet es die Denkökonomie nicht geradezu, sich dieser selbstreferenziellen Konzepte rückstandlos zu entledigen, wenn sie augenscheinlich zu keiner Vereinfachung und widerspruchsfreien Einordnung beobachtbarer Phänomene beitragen?

Neue Erkenntnisse ergeben sich mitunter dadurch, dass sich an der Lebenssituation etwas ändert. In den letzten Jahren sehe ich mich mit langfristigen, strategischen, persönlichen und geschäftlichen Fragen konfrontiert, für die ich keine Musterlösungen mehr in den Schubladen vorfinde, und die ich tatsächlich nicht mehr alleine zu meiner Zufriedenheit beantworten kann oder möchte. Hier zum ersten Mal habe ich den Eindruck, dass nur der freie Meinungsaustausch mit vertrauten und gleichgestellten Artgenossen (z.B. mit der Lebenspartnerin oder den Geschäftspartnern) zu etwas führt, was ich auch nach meinem aktuellen Erkenntnisstand als Willensbildung zu bezeichnen nicht umhin komme - als Prozess, dem die Vorherbestimmtheit entzogen ist. Denn wenn eine Meinung, ein Wille und daraus resultierend eine Handlungsanweisung nicht nur über Jahre hinweg in den Gängen des eigenen Schädels schmoren, hat man eine Lösung für das besprochene Zufälligkeitsproblem: Das Zusammentreffen von Individuen zu irgendwelchen Zeiten und Gelegenheiten, der unterschiedliche Grad ihrer Konzentriertheit oder Abgelenktheit, das Hin- und herwogen von tiefgründigen Argumenten, Platitüden und scherzhaften Eingaben: das ist der Quell, aus dem sich Unbestimmtheit und letztlich die Freiheit des Willens zu speisen vermögen. Nur diese Art der Willensbildung, wie sie aufgrund ihrer Sprachlichkeit als wahrhaft menschliche Eigenschaft in Erscheinung tritt, und die so nur in der Wechselwirkung mit den Artgenossen erfolgen kann, ist vom Verdacht der Vorherbestimmtheit und der nachgeschalteten Selbsttäuschung freigesprochen. Zugleich eröffnet die Teamleistung einen offensichtlichen Ausweg aus dem Dilemma der Nichtbeweisbarkeit. Natürlich kann man sich auch in der Gruppe selbst täuschen, doch wie in der Quantenmechanik bricht die Kohärenz fantasierter Kausalitäten bei zunehmender Größe des Systems mit zunehmender Wahrscheinlichkeit.

Ein Bild, das mir in diesem Zusammenhang in den Sinn kommt, ist dies: Ein Navigator und ein Rudersklave auf einem Schiff haben einen gleichermaßen freien Willen. Der freie Wille des Navigators befähigt jenen, dass er sich mit dem Kapitän und dem Steuermann um die Wahl des richtigen Kurses bemühen kann, was ihm vielleicht zu Reichtümern verhilft, ihm aber wenigstens seine unversehrte Heimkehr oder das Überleben sichern sollte. Die Wahl eines riskanten, weniger bekannten Kurses auch gegen die Vorbehalte der anderen sind dabei das Ergebnis eines gemeinschaftlichen Willensbildungsprozesses, der eine Handlungsanweisung und ein im positiven Falle überprüfbares Ergebnis zur Folge hat. Wenn das Schiff auf Grund läuft und die Besatzung absäuft, kann die Nachwelt behaupten, dass die Crew wohl betrunken oder anderweitig verwirrt gewesen sein muss - im Erfolgsfall aber hat man die greifbare Manifestation eines freien Willens vor Augen. Der Rudersklave hat einen anderen Horizont: Er kann rudern oder das Rudern einstellen. Setzt er den Willen, nicht mehr zu rudern, in die Tat um, wird er bestraft und schließlich über Bord geworfen - wodurch ein freie Wille nicht fassbar wird. Spricht er sich dagegen mit seinen Leidensgenossen ab, kann er einen Aufstand anzetteln und die Kontrolle über das Schiff übernehmen, was aber auch nur dann der Nachwelt überliefert bleiben wird, wenn die Revolte den Navigator schont und sich seiner Gewogenheit versichert. Mit anderen Worten, ein freier Wille wird mit höherer Wahrscheinlichkeit und größerer Klarheit beim Freien offenbar. Ihn gilt es zu beobachten oder als Vorbild für den eigenen Lebensweg zu verwenden: Strebt man danach, die Anzahl der persönlichen Freiheitsgrade zu maximieren, drängen sich schließlich von selbst Fragen auf, auf die sich keine vorgefertigten Antworten mehr in den Katechismen auffinden lassen. Wenn man dann Berater auf Augenhöhe zur Seite hat (und nur dann), kann freier Wille zu Tage treten.

>>> Antwort

"Der amerikanische Physiologe Benjamin Libet will experimentell festgestellt
haben, dass sich bei Probanden vor dem Entschluss, einen Finger oder die
ganze Hand zu bewegen, im Gehirn bereits ein "Bereitschaftspotential"
aufbaute. Daraus schloss er, das Gehirn habe entschieden, bevor das
Bewusstsein davon etwas ahnte, folglich existiere kein freier Wille.
Freuen wir uns, erstens, dass Michelangelos Gehirn unwillentlich ein
Bereitschaftspotential zur Ausmalung der Sixtinischen Kapelle aufgebaut hat,
bis sein Bewusstsein die Detailfragen entschied.
Wundern wir uns, zweitens, dass in Hitlers Hirn das Bereitschaftspotential
zum Selbstmord erst dann entstand, als die Russen seinen Bunker so gut wie
erreicht hatten."
- Michael Klonovsky. Besser hätte man es nicht sagen können.

Meiner Erfahrung nach sucht jemand, der
ernsthaft den Willen aus dem Schicksal auszublenden versucht nur nach
Ausreden und Entschuldigungen, um keine Verantwortung für sein Handeln
übernehmen zu müssen. Natürlich kann man sich davon mitreißen lassen und
allemöglichen "hätte", "könnte" und anderen Abstraktionen wortenreich
auszumalen - sinnvoller halte ich es jedoch, seinen Willen nicht von rein
akademischen Eventualitäten absorbieren zu lassen. Hitler und Michelangelo
hätten auch anders handeln können, genauso wie ich auch etwas völlig anderes
machen könnte als mich um Transzendenz zu kümmern - das es nicht so ist, ist
in erster Linie spirituell zu begründen, und nicht mit irgendwelchen
Autopiloten, die sich materialistische Hirnforscher (die das Ich im Gehirn
suchten und, nachdem sie es nicht fanden, für nicht existent erklärten)
hinzudachten. In Zeiten wo hochintelligente, beseelte und stolze Menschen
in der sprichwörtlichen Gosse landen, während sie in früheren Zeiten ohne
Frage noch die sein konnten, die sie sind (vgl. Nietzsche: "Werde der, der
du bist.") kann man eben nicht sagen, dass es nicht anders hätte kommen
können. Das einzige, was in diesem Zusammenhang den Ausschlag macht und
durch tagtägliche Erfahrung bestätigt wird, ist Wille. Nicht freier oder
unfreier, eher starker oder schwacher. Das ist der Hauptdreh- und Angelpunkt
in dieser Thematik. Nur mit diesem kann man das Zufällige kultivieren. Mit
den Karten, die man bekommen hat, versucht man, so gut wie möglich zu
spielen - die Betonung liegt auf "versucht", der Wille ist wichtig und sorgt
bereits für definitive Richtigkeit.

>>> Antwort

Meiner Meinung nach wird der Mensch als Kind frei geboren ,was man nicht
nur an den völlig freien Interpretationsschemen der Umwelt erkennen
kann, sondern auch an der Bereitschaft, in jedeRrichtugn zu lernen, in
kürzester zeit umdenken zu können und das bekanntliche "leere Gefäß" zu
sein ,das befüllt wird.
Erst durch die Befüllung durch Gesellschaft, Moral, Werten, Normen etc.
wird der Mensch unfrei und agiert in ihm von Kindesbeinen an vorgelebten
und eingetrichterten Normen und Richtilinen, aus denen es nur schwer
ist, auszubrechen, wenn überhaupt.
Ich muss Timm recht geben, dass es einige Momente gibt, an denen
Klarheit besteht, die dann auch oft Wendepunkte darstellen im ganzen
Leben, jedoch wiederum 90% von diesen schon sehr wenigen wieder in alte
Schemata zurückfallen und einen Großteil der Normen sowieso nie
abgeworfen haben ,weil dies, wenn nicht durch jahrelanges Training, und
selbst dann bezweifel ich es, unmöglich ist.

Deswegen denke ich, dass eigentlich nur Kinder frei sind, diese Freiheit
aber durch notwendige Bezugspersonen im Keim erstickt wird.
Die präpositioneirte Unfreiheit, die ich zu Beginn der Diskussion
angesprochen habe, vertrete ich auch nicht wirklich, denke jedoch dass
diese Mechanismen genau in dieser Entwicklungsperiode entwickelt werden,
in denen Kinder auch beginnen sich selbst zu verstehen, und somit auch
über ihr Verhalten nachdenken und der Gerhin Schutzmechanismen durch
Beobachtung entwickelt, die, je älter man wird, festgefahrener und
grundlegender werden, bis zu dem Punkt, wo es, wenn nciht früh genug
dagegen angekämpft werden kann, wirklich eine präpositioneirte
Unfreiheit wird.
Also ist meiner Meinung nach die Unfreiheit eine spirituelle, der auch
nur durch solches Training entgegenzuwirken ist.

>>> Antwort

Also ich denke, dass es eine tatsächliche beziehungsweise absolute Freiheit nicht geben kann aus den nachfolgenden Gründen...

Ein Kind wird nicht frei geboren, sondern ist existenziell von seinen „Versorgern“ abhängig auf grundlegendes wie Nahrung, aber auch in Bezug auf das Lernen. Es ist abhängig und somit unfrei.

Ein Kind ist kein „leeres Gefäß“, sondern bringt selbst schon eine Menge an angeborenen Verhalten mit. Zum Beispiel das „Engelslächeln“ eines 2 Wochen alten Säuglings ect.

Erst durch das Lernen und Reflektieren, welches unter anderem auch von den mitgebrachten geistigen Fähigkeiten abhängig ist, wird das Kind immer selbstständiger, unabhängiger und somit immer freier. Es wird „freier“ von den „Versorgern“ aber auch vom angeborenen Verhalten und der Prägung.

Ich finde es interessant, dass ihr als Beispiele Adolf Hitler und Michelangelo ausgesucht habt.

Das Gute ( Michelangelo – sixtinische Kapelle) und das Böse (Adolf Hitler)

Ich finde das insofern interessant, da ich glaube, dass gerade durch das Schaffen von Gut und Böse, der Mensch versucht hat frei zu werden. Erst durch ein Gut und Böse gibt es eine Entscheidungsmöglichkeit und damit zumindest die Vorstellung eines „freien“ Willens.

Aber das heißt auch, dass je mehr der Mensch dazulernt, sich entwickelt, desto freier wird er und das widerspricht der These nur ein Kind sei „frei“.

Lustig finde ich die Vorstellung des „Trainierens der Freiheit“, wer soll da wen „trainieren“? Vielleicht der Einäugige den Blinden? :))…. (Würde mich aber als Versuchskaninchen (Blinde) zu Verfügung stellen…)

Ich denke, wir Menschen entwickeln uns, lernen immer mehr dazu, werden immer freier… so schaut es jedenfalls im Moment aus, jedoch kann sich die menschliche Entwicklung ebenso in ganz andere Richtungen bewegen. Menschliche Entwicklung, Evolution haben wir sie in der Hand, oder sie uns?

>>> Antwort

> Lustig finde ich die Vorstellung des "Trainierens der Freiheit",
> wer soll da wen "trainieren"? Vielleicht der Einäugige den Blinden? :))....
> (Würde mich aber als Versuchskaninchen (Blinde) zu Verfügung stellen...)

Ich bin am Ende indirekt wieder darauf zurückgekommen, habe es aber
versäumt, näher darauf einzugehen. Ich denke, dass man als Kind mit der
Anlage zur freien Willensbildung geboren ist, aber nicht als freier
Mensch. Im Gegenteil, man ist vollkommen abhängig von seiner Umwelt und
kann dieser Abhängigkeit im Laufe des Lebens entwachsen. Genau wie ein
Hund in einem Zwinger zwar frei ist, seine Kreise links oder rechts
herum zu drehen, sich schlafen zu legen oder zu bellen, ist ein Kind
frei, sich in seiner Umwelt zu bewegen. Aber es lässt sich daraus nach
meiner Argumentation kein freier Wille ableiten. Insofern stimme ich diesem Punkt nicht zu.

Wichtig ist außerdem die Erziehung, und dass man von seinen Eltern und
seiner unmittelbaren Umgebung einen freiheitlichen Geist mitbekommt,
sonst hat man es schwerer, diesen selbst auszubilden. Diese Mühsal
während der Kindheit, Pubertät und im späteren Leben ist das Training,
von dem ich sprach. Vielleicht mag man vorher schon von einem aus der
Prägung und Erziehung herrührenden "Willen" zur Erlangung dieser
Freiheit sprechen, doch erst müssen alle Fesseln abgestreift sein und
echte Freiheitsgrade vorliegen, bevor man von einem "freiem Willen"
sprechen kann.


Neues



"Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun."
- J.W. Goethe


"Das Vieh stirbt und Freunde sterben, endlich stirbt man selbst:
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
wer guten sich gewann."
- Havamal