14. Februar 2009
Winter
Winter
Die meisten Menschen sind zu diesen Zeiten von ihrer geistigen Einstellung her Sommer - Menschen. Denn im Sommer ist es warm, man kann schwimmen gehen und leichtbekleidete Mädchen säumen die Straßen. Diese Leute haben meist eine Abneigung gegen die dunkle Jahreszeit Winter, sind die herrlichen Aspekte des Sommers doch nicht länger vorhanden oder sie sehen den Winter nur als Gelegenheit zum Wintersport mit anschließendem Après-Ski Hirntod an. Am liebsten hätten diese Menschen das ganze Jahr über Sommer und Sonnenschein. Schließlich macht jener das Leben einfach und angenehm und natürlich ist absolut nichts gegen einen schönen Sommer einzuwenden. Ein schöner Sommer wird jedoch nur durch einen kalten Winter zu etwas Wertvollem.Der Winter zeigt uns die raue Seite der Natur, es ist kalt, nass und das Wetter unerbittlich. Die Landschaft verwandelt sich, sowohl Natur als auch Menschengemachtes wird vom Winter eingenommen und unter einer dicken Schneeschicht begraben. Verschwinden die Straßen unter Schnee, sollte man einmal hinaus in Wälder wandern und die Eindrücke aufnehmen, die der Winter zu bieten hat. Anstelle einer freien, flachen Straße stapft man durch hohen Schnee, man friert und kommt nicht sonderlich schnell voran. Vieles Konturen verschwinden unter der weißen Schicht und erwecken den Eindruck, als wäre man im Nirgendwo. Ignoriert man seine persönlichen, kleinen Leiden tut sich eine Landschaft voller Schönheit auf.
Winter ist heute eine Jahreszeit, in der man noch ein wenig zu kämpfen hat und statt sich über die Kälte und Ungemütlichkeit zu beklagen, sollte man sich man die Gelegenheit wahrnehmen, seine Zähigkeit zu testen. Vergleichsweise ist es heute nur noch ein kleiner Kampf, eher ein Kampf mit der eigenen Bequemlichkeit, aber man sollte ihn nicht meiden. Geht raus in die Natur, friert, kriegt kalte Hände und Füße, spürt die durchdringende Kälte und genießt sie. Die Art der modernen Menschen, nur noch das Angenehme, Leichte, Warme, als erstrebungswürdig anzusehen, hat sie schwach gemacht. Als Folge sind sie nicht mehr fähig, Herausforderungen und Nöte als Teil des Lebens zu ertragen, sondern flüchten sich stattdessen in Illusionen und verweilen in ihrer neurotisch-sicheren Welt, stets auf Unterhaltung und Angenehmes bedacht.
Das Leben besteht eben nicht nur aus Gemütlichkeit und Frohsinn, es ist ein sich Überwinden, ein Ringen mit den Mächten, die das Schicksal auf uns richtet. Wachst an der Erfahrung, die im Hadern mit diesen Mächten erlangt wird, egal ob es nun ein Spaziergang in der Kälte oder harte Arbeit oder sonst was ist. Nicht der leichte, sondern der schwere Weg ist der Richtige. Der Winter ist zumindest eine kleine Erinnerung an den Kampf und an die kalte Realität, denen wir heute eigentlich noch täglich grimmig fröhlichen Mutes entgegen treten sollten. Die erlebte Erfahrung ist es, die das Leben wertvoll macht, im Winter, wie auch in allen anderen Bereichen des Lebens.
Leben ist Winter und Sommer, Dunkelheit und Licht...
leere

