04. Januar 2009
Weltenseele
Weltenseele
Bereits von Kindesbeinen an spürte ich, offensichtlich im Gegensatz zum Gros der durchschnittlichen Menschen, deren leeres Herz und seichte Seele sie wohl nicht dazu befähigte, den tiefen Rythmus der Weltenseele. Doch ich empfing sie, selber auf einer ähnlichen Wellenlänge schwingend, nur schwach, undeutlich und verschwommen. Das war der Beginn einer latenten Existenzkrise, die sich von nun an fortwährend durch mein Leben zog. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen der Moderne durch ihre Technik, durch ihre Sicherheit und durch ihre Durchschnittlichkeit den Sinn und die Seele unseres Universums abgetötet haben und das, was man als beseelter Mensch noch empfinden vermag, traurige, agonische Überbleibsel des Göttlichen sind.Ich versuchte jedoch nicht, diese Leere künstlich zu überbrücken und sie in Genusssucht, Überfluss und Utopien zu ertränken. Vielmehr hielt ich stolz an dem fest, wodurch ich mich auszeichnete, was mir Sinn und Leben gab - mein Innerstes. Nostalgisch bewunderte ich die intakte Weltenseele vergangener Generationen, Hochkulturen und fernen Menschen und verachtete die industrielle, kosmopolitische Tristesse. Dieser schmerzliche, und doch wunderschöne Reifeprozess ließ mich dann meine Hoffnungslosigkeit und Leere überwinden, denn ich erkannte alsbald, dass die kosmische Weltenseele tatsächlich immernoch schwang wie eh und je, und ich begriff, dass meine Seele und die Weltenseele miteinander verbunden waren. Diese moderne Welt war jedoch kein Resonanzkörper für sie, und deswegen spürte man ihr sonnengleiches Brennen nicht in der neuesten Technik, hiesigen Religion oder unter den Menschen. Der großartige Rythmus kann nur empfunden werden, von denen, die auf einer ähnlichen Ebene schwingen. Der großartige Rythmus kann nur vernommen werden, wenn er Resonanzkörper hat, Dinge und Menschen, die Ausdruck ewiger, kosmischer Prinzipien sind.
Diese zutiefst aristokratische Erkentnis heilte meine Seele von modernistischen Lebens-sinnlosigkeit.
Wigr

