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01. Dezember 2008

Realität und Irrealität aus traditionalistischer Sicht

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Realität und Irrealität aus traditionalistischer Sicht

“Was ist real?”, “Warum sind wir hier?” und “Was ist der Sinn des Lebens?” sind mit Sicherheit die meistgestellten Fragen in der Geschichte der Philosophie. Es ist offensichtlich, dass sie weder aus rein empirischer noch aus rein rationalistischer Sicht beantwortet werden können, da keine dieser beiden Betrachtungsweisen die beschränkte menschliche Existenz zu überwinden vermag (was aufgrund der Natur dieser Fragen allerdings absolut notwendig ist!).
Daher müssen wir uns einmal mehr der Tradition (im Sinne der Philosophia Perennis) zuwenden, um Antworten zu erhalten.

An diesem Punkt muss ich darauf aufmerksam machen, dass wir bei diesem Perspektivenwechsel neben der modernen Philosophie auch den gemeinen Nihilismus zurücklassen, und das Gebiet der Religion betreten. Dies mag vielen Lesern merkwürdig erscheinen, da wir als nihilistische Gruppierung simple Dogmen resolut zurückweisen. Hier muss gesagt werden, dass alles, was in diesem Artikel (und Anderen, die diesem ähneln) geschrieben wird, nicht bloße Fantasterei und Wunschträumerei ist, sondern metaphysische Realität, die von zahllosen Kulturen unabhängig voneinander genau beschrieben und die von jedem Menschen selbst erlebt werden kann, wenn er bereit ist, sein materialistisches Weltbild hinter sich zu lassen, und sich dieser Erfahrung zu öffnen.

Wir werden den Kern der traditionalistischen Doktrin über Realität und Irrealität in zwei Punkten kurz zusammenfassen:

1.) Die materielle Welt ist eine Illusion, nicht von Dauer, ohne Substanz.

Dieser Satz wird gewiss vielen Lesern schwer im Magen liegen, da er Vorstellungen von “Weltflucht” und “Hass auf das Leben” weckt. Dies mag auf einige moderne Religionsvorstellungen zutreffen, nicht aber auf die Perspektive der Tradition: Die Welt mag eine Illusion sein, das bedeutet aber nicht, dass sie wertlos ist. Vielmehr wird das materielle Leben als kurzer Abschnitt unseres Seins angesehen, der eine Gelegenheit ist, nach Höherem zu greifen, uns zu entwickeln und zu verbessern. Der Buddha selbst sagte, dass es ein “großes Privileg” sei, “als Mensch geboren zu sein”, da trotz der finsteren Ausgangslage das Potential zur Befreiung immens hoch ist. Hier wird die materielle Existenz nicht als Bestrafung, wie in einigen christlichen Auslegungen, sondern als Gelegenheit betrachtet.
Die Realisierung dieser Wahrheit hat auch eine befreiende Wirkung auf das Handeln des Menschen: Nichts, was uns in dieser Welt an Schlechtem (oder vermeintlich Gutem) widerfährt, kann unserem wahren Ich, dem Geist (und nicht dem vergängliche Ego), schaden. Krishna sagt in der Bhagavad Gita über ewige und illusiönare Dinge: “Es gibt kein Werden aus dem Nichts, noch wird zu Nichts das Seiende! Die Grenze beider ist erschaut von denen, die die Wahrheit schaun.” und weiter “Doch wisse, unvergänglich ist die Macht, durch die das All gewirkt! Des Ewigen Vernichtung kann bewirken niemand, wer’s auch sei.” Wenn kein Leid und kein materielles Glück von Dauer ist, sind wir frei zu handeln, ohne Rücksicht auf die Früchte dieses Handelns für uns zu nehmen. Dies ist wahrlich “selbstloses Handeln” (“wei wu wei”, “handeln ohne zu handeln”, in taoistischer Philosophie).

2.) Die höhere Welt ist ewig, unveränderlich, ohne Leid, jenseits von Leben und Tod.

Wenn wir unser materielles Dasein zu Ende gelebt haben und die Welt verlassen, wird das Ego aufgelöst, und nur das wahre, ewige, innere Selbst überlebt, um in die Ewigkeit, die Stadt der Götter, das Paradies etc., einzugehen.
Dies ist kein Moralismus; das Paradies ist keine Belohnung, die uns von einer Gottheit überreicht wird. Sie ist die logische Konsequenz der Selbstbefreiung, der Befreiung von der menschlichen Fleischwerdung. Auf sie folgen weitere Inkarnationen, die aber nichts mehr mit dem bereits ausgelöschten Ego zu tun haben (Evola vergleicht dieses Prinzip mit der biologischen Vererbung: Auch wenn ein Kind von seinen Eltern abstammt und deren Merkmale trägt, ist es nicht mit einem Elternteil identisch).
Wir dürfen uns hier nicht zu einer lebensverneinenden Todessehnsucht verleiten lassen: Das Leben hat einen Sinn, und zwar, uns selbst zu verbessern, zu überwinden und nach immer Höherem zu streben. Unsere Vorfahren wussten dies, und flohen daher nicht aus der Welt, sondern betrachteten es als eine Prüfung, ein Schlachtfeld (“vita est militia super terram”), auf dem wir uns beweisen müssen, welches wir überwinden müssen, um danach triumphal in die göttliche Heimat zurückzukehren. Dieses Leben ist ohne Furcht (da das einzige, was wirklich uns “gehört”, der ewige, unzerstörbare Geist ist), ohne Anhaftung und ohne Leid.

Dies ist nur eine kurze Zusammenfassung der indo-europäischen Doktrin von Realität und Irrealität. Wer hier weitere Nachforschungen anstellen möchte, möge sich insbesondere mit der Bhagavad Gita und den buddhistische Pali Texten auseinandersetzen, da diese Doktrin in jenen Schriften am besten erhalten geblieben ist.

Hrafn

drei Kommentare

"Die Welt mag eine Illusion sein, das bedeutet aber nicht, dass sie wertlos ist."

Ich bin ganz deiner Meinung. Denn auch Träume sind es wert, sie zu durchleben. In einer Zeit, in der Fleischeslust und Naturwissenschaft Denken und Seele ersetzen, in der Realität nur durch den Empirismus definiert ist, muss man immer wieder auf die mannigfaltig auftauchenden Widersprüche achten.
Naturwissenschaften, Religion und Religionsvernichter in einem, bauen auf dem Empirismus auf. Zugleich muss man aber, um die im Moment gültigen Lehrsätze in ein beschränktes System zwängen zu können, mit Dingen hantieren, die sich erst noch zur wagen Hypothese erheben müssen.
Aber zuerst die Frage der Fragen: Was ist Realität?? Wenn man damit die Dinge meint, die man hören, sehen, schmecken, fühlen oder riechen kann, so ist die Realität nichts anderes als elektrische Impulse, interpretiert von unserem Gehirn. Lässt sich unser gesamtes Sein auf willkürliche, chemische Ursache/Folge Prozesse reduzieren? Ist der Mensch wirklich nur eine Formel ohne Unbekannte oder Variable?
Es ist schlichtweg Hochmut, zu behaupten dass hinter unserer Wahrnehmung der dreidimensionalen Welt nicht noch mehr steckt. Und auch wenn man heutzutage wahrscheinlich nich sehr gut damit ankommt: Soll ich den SInn und Inhalt meines Lebens völlig in die Hände der Wissenschaft legen, jene Wissenschaft, die noch vor 300 Jahren behauptet hat es sei unmöglich zu fliegen?
Spiritualität und Religion werden oft bezichtigt, das Denken einzugrenzen. Aber sie halten uns eben jene Unbekannten und Variablen offen, die der Mensch zu lösen oder zu erkennen nie fähig sein wird.
an kann auch nicht glauben, dass nur das Leben nach dem Tod einen Sinn hat. Denn durch unser erdgebundenes Handeln müssen wir uns das "Paradies" überhaupt erst verdienen; und auch wenn es ein solches gar nicht geben sollte, so haben wir doch die Uridee davon geschaffen und es allein schon dadurch ins Leben gerufen.

Deo et amico, Thomas Weißenbacher
Thomas Weißenbacher () - 01 12 08 - 14:42

“Soll ich den SInn und Inhalt meines Lebens völlig in die Hände der Wissenschaft legen, jene Wissenschaft, die noch vor 300 Jahren behauptet hat es sei unmöglich zu fliegen?”

als wäre wissenschaft ein einheit!

das gehirn ist für mich ein wunderbar funktionnierendes organ dem es möglich ist bewusstsein zu erzeugen und das nicht nur bei menschen

sich in realitätsverneinende fantasien gedanklich zu wälzen mag für uns atraktiv sein (da es sprachlich sehr einfach ist)
jedoch entkommen wir der realität nicht
die uns selbst erschaffen hat

da hilft alles denken beten und sterben nicht
kafe - 28 06 10 - 06:52

Wer redet von Realitätsflucht ? Realität wird in diesem Text lediglich gedeutet, nicht verneint.
Im Übrigen bitte ich dich, mehr auf Rechtschreibung und Ausdruck zu achten, denn oftmals fällt es nicht leicht, deinen Sätzen den Inhalt zu entlocken.

Mit Besten
leere - 30 06 10 - 01:33


  
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