Spawn Of Possession - Noctambulant
Spawn Of Possession – Noctambulant (Neurotic Records, 2006)
Von 1191.4814.5102, 8. May. 2007
Die technisch anspruchsvolle Spielweise einiger Bands spaltet die Anhängerschaft des Death Metal Genres in zwei Lager. Die einfach zu beeindruckende Mehrheit, unter ihnen zahlreiche Hobbygitarristen, ist mit ein wenig Fingerfertigkeit und musiktheoretisches Wissen relativ einfach zu begeistern. Ernstzunehmendere Beurteiler schlagen häufig in die andere Richtung aus und werfen solchen Bands fehlenden musikalischen Gehalt vor. Leider werden viele Bands durch die unkritische Schwärmerei der einen und die starrköpfige Voreingenommenheit der anderen falsch eingeschätzt. Die Schweden Spawn Of Possession beweisen jedoch, dass instrumentelle Begabung bei der Erschaffung origineller Musik ein durchaus entscheidender Faktor sein kann.
Diese in klassischer Gitarre ausgebildeten Musiker haben die aktuellen musikalischen Tendenzen dieses Genres genau studiert, sie von allen Ausschweifungen und Schnörkeln befreit und die in ihrer Konzeption und Umsetzung extremste und gewagteste Musik der letzten Jahre erschaffen.
Jedes dieser Lieder zeichnet sich dadurch aus, dass ein laufend wechselnder motivischer Schwerpunkt verarbeitet wird und von komplementären rhythmisch-melodischen Variationen zu einer refragmentierenden Rotation innerhalb einer semi-linearen strukturellen Progression getrieben wird, die das klassische Schema Einleitung, Verarbeitung, Klimax, und Reprise erkennen lässt, aber im Gegensatz zu dessen meist höchst einfallslosen und dilettantischen Verwendung durch andere Bands immer eine hohe Spannungskurve erzeugt. Die abwechslungsreiche, extrem flexible Palette an Techniken, die dieser Band zu Verfügung steht, ermöglicht es, um diesen strukturell vereinigenden Kern äußerst individuelle Stücke aufzubauen. Die fließende melodische Progression von ‚In My Own Greed’ und der kontrapunktische Aufbau von ‚Sour Flow’, der diese Technik so frei und ungezwungen wie noch nie in die Death Metal Ästhetik integriert, müssen besonders hervorgehoben werden.
Von den zahlreichen Schwächen des rhythmisch intensiven, aber künstlerisch wertlosen Vorgängers ist nur der irritierende, kadenzartige Gesang übriggeblieben. Dafür tragen jedoch auch die Soli, die in ihrer Essenz nichts weiter als technische Tonleiterübungen sind, wie mittlerweile leider so häufig in diesem Genre, nichts zum positiven Gesamteindruck dieser Veröffentlichung bei. Die in Anlehnung an Cynic geschmackvoll zusammengestellten instrumentellen Zwischenspiele sind letztenendes ebenfalls unnötig und ein gefundenes Fressen für die Kritiker, die dieser Band populistische Tendenzen vorwerfen.
Nichtsdestotrotz bleibt dieses Werk ein deutliches Beweis der noch zahlreich vorhandenen kreativen Möglichkeiten, die dieses Genre zu bieten hat, und dessen Brillanz jeden, der mit einem offenen Ohr zuhört, überzeugen wird.
Liedfolge:
1. Inception (1:58)
2. Lash By Lash (4:10)
3. Solemn They Await (3:26)
4. Render My Prey (3:56)
5. Eve of Contempt (4:13)
6. Sour Flow (5:54)
7. By A Thousand Deaths Fulfilled (4:07)
8. Dead & Grotesque (4:19)
9. In My Own Greed (5:25)
10. Scorched (4:02)
Totale Spielzeit: 41:30

