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Fjoergyn: Ernte im Herbst

10 01 08 - 05:26

Fjoergyn: Ernte im Herbst

Von Arntor, 10. Dec. 2006

"Ernte Im Herbst" kann als Konzeptalbum betrachtet werden; inhaltliche Grundlage
dieses Werkes ist die pantheistische Vergöttlichung der Natur, wobei der
Mensch als dieser Natur fremdes und schädliches Wesen angesehen wird. Die so
definierte Misanthropie schließlich führt zum Kampf der Natur gegen den
dekadenten, der irdischen Schöpferkraft schadenden Menschen. Dieser Kampf
stellt den Hauptbestandteil des Konzeptes dar. Die Lyrik des Albums bewegt
sich auf einem sprachlich hohen Niveau und orientiert sich z.T. an
klassischer, z.T. an romantischer Dichtung. Das Wahrnehmen des Schönen,
Stolzen, jedoch auch der Natur in ihren destruktiven und bedrückenden
Facetten, leitet über zur Erkenntis des Wahren, was schließlich zum Verstehen
der Grundlagen des Seins und der Schöpferkraft führt. Zwar lassen sich an
diesen Gedankengänken Verbindungen zu jenem Pantheismus in beispielsweise
Goethes Werken vermuten - entscheidender Unterschied ist jedoch die
allgegenwärtige Misanthropie, die das menschliche Dasein von der göttlichen,
diesseitsimmanenten Schöpferkraft ausschließt. Tiefgreifendere
anthropologische Analysen entfallen daher.


Auffälligstes musikalisches Merkmal der Platte ist das ausgesprochen komplexe
Songwriting, das durch häufige Tempo-Variierungen, den steten Wechsel zwischen
harmonischen, melancholischen und aggressiven sowie zwischen metallischen,
instrumentalen und orchestralen Phasen eine enorme äußere Vielfalt erzeugt.
Die zunächst einmal erscheinende Zufallsbedingtheit der Struktur führt dem
Hörer die unbegreifbare Vielseitigkeit der Natur als Schöpferkraft, als
Antlitz des Wahren und Schönen, als grausame Destruktivität, als Ursache alles
Seins und aller Nichtigkeit, vor Augen. Erst nach einem kompletten Durchhören
des Albums zeigt sich eine Systematik der Struktur; die allmälig einsetzende
Regelmäßigkeit des Wechsels zwischen den verschiedenartigen Passagen sowie
häufige Rückbezüge zu bereits verwendeten Motiven drücken den Grundgedanken
des ewig Wiederkehrenden aus. So findet sich das Hauptmotiv vom "Monolog der
Natur" beispielsweise im Intro von "Des Winters Schmach" wieder. Die klare und
kraftvolle Produktion verleiht der Atmosphäre zusätzlich die in diesem Fall
obligatorische Dichte.



Die Gitarrenriffs sind druckvoll und variierend und ergeben zusammen mit dem
oft Blastbeats einsetzenden Schlagzeug eine Einheit, die das aggressive
Element der Komposition darstellt. Der Gesang orientiert sich teils an
klassischen Black Metal-Vocals; teilweise jedoch kommen klare und melodische
Chöre zum Einsatz, die sich eher auf die orchestralen Komponenten beziehen und
so für ein beachtliches Maß an Erhabenheit und Majestätik sorgen.



Jene Majestätik drückt auch das orchestrale Intro "Monolog der Natur" aus,
wobei an dieser Stelle bereits leichte Anzeichen von Pessimismus und - durch
an Kriegstrommeln erinnernde Paukenschläge - Kampfbereitschaft zu erkennen
sind. Das ebenfalls instrumentale Stück "Wenn Stürme ruhen" hingegen, das als
Interludium in der Mitte der Gesamtkomposition fungiert, nimmt durch seine
durchgehende und ungetrübte Harmonie eine antithetische Stellung zu den
atmosphärisch wechselhaften übrigen Liedern ein. Insgesamt vollzieht sich im
ersten Drittel der Platte eine allmählige Steigerung der musikalischen
Dramatik, die im letzten Teil des Albums seine Höhepunkte findet, sich
daraufhin entlädt und schließlich ein offenes Ende hinterlässt.



Besonders "Veritas Dolet" steigert die Dramatik mit Hilfe von mitreißenden,
melodischen Gitarrensoli in neue Höhen, die im Titelstück "Ernte im Herbst"
erneut aufgegriffen werden. Durch das auf beeindruckende Weise musikalisch
ausgedrückte Streben nach der tiefsten Erkenntis des Seins, durch Majestätik,
durch emotionale Höhepunkte und eine einnehmende Dichte des Klanges wird
schließlich die dramatische Perfektion erreicht.



Das 6-minütige Requiem (die folgenden 10 Minuten des Tracks sind leer, bevor
ein ca. 3 1/2-minütiges Outro einsetzt) baut die Dramatik der vorherigen
Stücke ab. Die melancholisch untermalte, aber überaus ästhetische Harmonie der
Komposition erreicht durch ein atmosphärisches Klavier-Intro und schließlich
durch die überwätigend inszenierte Verwendung des Hauptmotives der "Ode an die
Freude" aus Beethovens 9. Symphonie ("Freude, schöner Götterfunken") seine
emotionale Vollendung. Die dadurch ausgedrückte, auf melancholische Weise,
jedoch ohne Verbitterung realisierte Endlichkeit jeglicher Existenz beendet
dieses Gesamtkunstwerk.



Eine vollkommen antithetische Stellung nimmt das Industrial-artige, z.T.
elekronische, z.T. von Gitarren gespielte Outro an: Fernab von jeglicher
Harmonie und Ästhetik scheint dieses kurze, düstere und bedrückende Stück in
die Tiefen der menschlichen Seele zu führen, weshalb eine Verbindung zur
Gesamtaussage des Albums nicht erkennbar ist, jedoch der Weg in neue geistige
Dimensionen geebnet scheint.



Insgesamt ist "Ernte Im Herbst" ein einnehmendes Werk von hoher musikalischer
und inhaltlicher Qualität, das sein eigenes philosophisches Konzept zum
Ausdruck bringt und dabei bemerkenswerte geistige sowie virtuose Höhen
erreicht, auch wenn ein Vergleich mit den klassischen Vorbildern dieser
Schöpfung nach wie vor unmöglich bleibt.



Ursprünglich erschienen auf www.frostlohe.de


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