05. September 2008
Das neue Ego
Das neue Ego
Zweifelsohne ist im heutigen Zusammleben der Menschen die Masse, der Durchschnitt, der kleinste gemeinsame Nenner ausschlaggebend. Individualität, Charakter und Integrität werden aus diesen Gründen zurückgestellt. Individualismus, der Kult "aus Prinzip" um ein Individuum ist, als anderes Extrem, jedoch genauso gefährlich und morsch - Hedonismus, Egoismus und Selbstgefälligkeit werden dadurch hervorgerufen und gerechtfertigt.
Die meisten Menschen sind weniger an einer konstruktiven Lösung ihrer Probleme interessiert; sie sind nicht daran interessiert, sich für etwas Höheres einzusetzen. Sobald es ernst wird, oder Mühe erforderlich ist, ziehen diese Personen sprichwörtlich den Schwanz ein. Warum? Es geht ihnen nicht um das Erreichen von irgendetwas Positivem, es geht ihnen nur um die Selbstdarstellung oder andere persönliche, materielle Vorteile, um zum Beispiel um besonders angesagt bei Freunden zu sein. Für Personen dieses Couleurs gibt es eine gute Bezeichnung: Hipster.
Solche Personen sind nur eitel auf ihr Ego bedacht. Ein führender Grundgedanke von ihnen ist: Mein Werteschema, meine Meinung sollten verwirklicht werden - offiziell unter dem Banner von etwas "Höherem". Sie sind nicht zu Kompromissen bereit, glauben sich im Besitz einer absoluten Wahrheit. Ein Blick über den Tellerrand kann man von ihnen nicht erwarten. Dieses Verhalten nenne ich ignorant.
Zumeist sind derartig geartete Personen auch höchst träge, was ihre Motivation angeht. "Es soll mir direkt Vorteile bringen", "Ich bin nicht ganz sicher", "Ich will es nicht wissen" und andere Inkonsequenzen und Ausreden.
Es gibt auch Menschen, die ihre Meinung krampfhaft verkünden und aufzwingen müssen. Spätestens seit Platon wissen wir, dass Meinungen oberflächliche Sinneseindrücke von veränderbaren Erscheinungen sind. Aus diesem Grund funktioniert ein System wie die BRD-Demokratie, die nur auf Meinungen, oberflächlichen Bedürfnissen und Geisteszuständen von Massenemenschen gründet, die eben nur auf Meinungen aus sind. Wie können solche Menschen sich mit Politik, theoretischer Philosophie und Religion auseinandersetzen? Der Zeitgeist der Moderne ermutigt sie ja gerade dazu, ihre Meinung als wahrhaftig und notwendig anzusehen. Das Herunterziehen solcher Künste auf ein allzudurchschnittliches Niveau nenne ich respektlos und halte ich für fatal, da die Durchschnittlichkeit, Kleingeistigkeit für hohe Kunste unwürdig ist und unmöglich etwas produktives daraus erwachsen kann.
Man findet immer solche Menschen. Sie zur Vernunft bringen oder sie zu etwas konstruktivem motivieren zu wollen, ist höchst müßig - jemand, der seine persönliche Verantwortung auf äußere Umstände abwälzen will, helfen zu wollen, ist Zeitverschwendung. Inkonsequente Menschen lieben ihre Opferrollen und sollen in ihnen belassen werden, während wir uns persönlich entwickeln, ihren Fall belächeln und Ewiges anstreben.
Am geistreichsten wäre es, keinen großen Unterschied mehr zwischen Worte und Taten walten zu lassen. Das wäre nicht nur Merkmal eines gesunden, faustischen Menschens, sondern auch essentieller Bestandteil einer gesunden Gesellschaft.
Wigr

