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Die Wirklichkeit als Materie und als Vorstellung

10 01 08 - 05:08

Die Wirklichkeit als Materie und als Vorstellung

Von Arntor, 20. Mar. 2007
1. Zur materiellen Existenz des Universums

Betrachtet man die physische Welt mit völlig aufgeklärtem, sachlichem, nüchternem Blick, so erscheinen weite Teile ihres Aufbaus erklärbar und durchschaubar. Die sich auf materielle Faktoren beziehenden Naturwissenschaften strukturieren die Realität in einen durch Physik, Chemie und Biologie gegliederten, zusammenhängenden Komplex.

Berücksichtigt der seine Existenz verstehen wollende Mensch zunächst einmal nur diese Faktoren, so begreift er sich bald als Produkt, Bestandteil und Akteur eines synergetischen Systems, in dem steter Fortschritt und die Wiederkehr immer gleich aufgebauter Prozesse nebeneinander und miteinander existieren.
Mikrokosmos, Makrokosmos, Natur, zusammenfassend somit die physische Realität als solche, müssen als etwas verstanden werden, das in seinem Dasein einer Art Ordnung folgt, die aus sich selbst heraus ihren Sinn bezieht, deren eigene Existenz, ihr eigenes Vorhandensein gleichzeitig auch ihr Ziel darstellen.

Sterne entstehen aus bloßer Materie, existieren Milliarden von Jahren, gehen unter und bieten sich neu bildenden Sternen Platz. Im Rahmen solcher physikalisch-chemischer Prozesse gehen Systeme aus Galaxien, Sternenhaufen und schließlich aus Planeten hervor, in denen sowohl logische Simplizität als auch höchste Komplexität zugleich erkennbar sind und die schließlich eine höhere Existenzebene, die der Biologie, ermöglichten.
Ein Baum nutzt die Nährstoffe bereits verfallener Organismen, um, sich nach dem scheinbar an Perfektion annähernden Konzept seiner geerbten und zu vererbenden Natur richtend, seine volle Größe zu erreichen, den Erhalt seiner genetischen Existenz, damit den Fortbestand sowie die Optimierung seiner Gattung zu sichern und später durch seine Überreste kommenden Generationen vielfältigster Organismen das Leben zu ermöglichen.

Zum einen lassen sich in derartigen Konzeptionen, in denen jedes einzelne Fragment seine unveräußerliche Funktion für das Gesamte besitzt, Prozesse erkennen, die gemäß der kreisförmigen Struktur des Ewig-Wiederkehrenden aufgebaut sind; der Untergang der einen Existenzform bedeutet immer auch das Emporsteigen einer anderen, wodurch der Kreislauf aus Werden, Sein, Enden und neu Entstehen stets fortgeführt wird.
Zum anderen sind Bedeutung und Realitätsanspruch der Materie, metaphysisch betrachtet, nicht durch ihr bloßes Vorhandensein definiert, sondern durch ihre Wirkung im Komplex aus Raum und Zeit sowie ihren "Willen" zum Dasein, nach dem die materielle Wirklichkeit danach strebt, existent zu werden.
Dieser "Wille" zeigt sich in der Biologie dadurch, dass sich simple Organismen, bedingt durch das heute als "darwinistisch" bekannte Konzept von Fortpflanzung, Selektion und der Fähigkeit zum Überlebenskampf, auch gegen andere Organismen gerichtet, zu hochkomplexen Lebensformen entwickelten und sich auch gegenwärtig noch weiterentwickeln.

Distanziert sich der verstehen wollende Mensch von einer etwaigen materialistisch-fatalistischen Weltanschauung, in der das Seiende bedeutungs- und letztenendes wirkungslos lediglich für sich selbst und vor sich hin existiert und dessen Nichtigkeit nach seinem Ende auf diese Weise auch zur Nichtigkeit während seines Bestehens wird, so ist im Kosmos mit all seinem Chaos und all seiner scheinbaren Zufälligkeit ein "System" zu erkennen.

2. Zum Zusammenhang zwischen Materie und Vorstellung

Das Erkennen eines solchen Systems setzt jedoch das "Erkennen" als solches voraus, namentlich die Fähigkeit des menschlichen Betrachters, die ihn ungebende und in ihm seiende Realität zu erfassen und zu verstehen.
Natürlich erscheint es logisch, dass das materielle Universum auch ohne die Existenz des Menschen als Betrachtenden und verstehen Wollenden die gleiche Form und den gleichen grundlegenden Aufbau besäße.
Wahrnehmbar, strukturierbar und analysierbar wird die Welt jedoch erst durch die Vorstellung des menschlichen Betrachters; nur innerhalb seines Geistes, seines Wissens und seines Verstehens werden der materiellen Wirklichkeit Wert, Sinn, Zweck und Ordnung zugewiesen. Erst die subjektive Idee des menschlichen Individuums lässt den Kosmos zu oben genanntem "System" werden.
Dies lässt sich dadurch begründen, dass die Möglichkeit, Begriffe wie "Wirklichkeit" und "Wahrheit" abstrakt zu formulieren und mittels Bezug zur äußeren Realität konkret werden zu lassen, erst in der Vorstellung des Menschen entsteht.
Um es prägnant zusammenzufassen: Die Wahrheit existiert nicht als etwas Objektives; sie kann nur individuell und subjektiv erfasst werden. Somit besitzt die Welt nur den Sinn, den wir ihr geben.

Gleichsam beruht das Sein des menschlichen Geistes und seiner Vorstellungskraft jedoch erst auf der biologischen Existenz der Gattung "Mensch". Durch diesen Rückbezug zur Analyse der physischen Wirklichkeit lässt sich hier der Kreis dieser Ausführung zunächst einmal schließen:
Der Geist des Menschen ist ein Produkt der darwinistischen Artenentwicklung. Das Konzept des biologischen Prozesses ließ die Komplexität der menschlichen Natur durch Anpassung und Selektion in derartige Höhen gelangen, dass exorbitante Fortschritte in Instinktvermögen, Sinneswahrnehmung und Überlebenswillen eine neue kognitive Ebene erreichten, auf der die mentale Existenz des Menschen real geworden ist.

Diese kurze anthropologische These ergibt in Verbindung mit obigem Ergebnis zur Frage nach dem Bezug zwischen Wahrheit und Vorstellung eine Wechselwirkung, durch die materielle und mentale Realität aufeinander aufbauen, voneinander abhängen und, im holistischen Sinne, in Verbindung zueinander betrachtet eine wesentlich höhere Signifikanz erhalten als separat aufgefasst.
Materie und Vorstellung stellen somit nicht etwa zwei unterschiedliche Formen der Wirklichkeit dar, sondern sind zwei Aspekte derselben Realität.

3. Zur weiterführenden Bedeutung des menschlichen Geistes

Den menschlichen Geist auf diese Wechselwirkung zu reduzieren, würde seiner Reichhaltigkeit jedoch kaum gerecht werden.
Zu beachten ist hierbei die Tatsache, dass sich der Mensch seit Anbeginn der Kulturgeschichte nicht ohne weiteres mit seiner ihm zugeteilten Rolle im Komplex der ihn umgebenden Natur zufrieden gibt, sondern die Fähigkeit erlangte, zu reflektieren und zu hinterfragen. Dies führte nicht nur zur Bildung der oben beschriebenen, vom Menschen aufgefassten Realität, die vom Bezug zwischen Materie und Vorstellung bzw. vom menschlichen Erkenntnis- und Verständnisvermögen abhängt, sondern gab der Wirklichkeit als solche neue Dimensionen:
Fragen nach den am tiefsten greifenden metaphysischen Hintergründen des Seins kamen auf, die durch theologische Hypothesen seit jeher beantwortet werden sollen. Indem der menschliche Geist versucht, sich von seinen materiellen Grundlagen loszusagen und Ursache sowie Sinn seiner Existenz außerhalb der universalen Wirklichkeit zu finden, entsteht eine Form der Transzendenz.
Diese Transzendenz strebt zwar danach, die physische Realität als Instanz der Wahrheit zu negieren und in eine rein mentale bzw. spirituelle Richtung gehend zu überbrücken, stellt jedoch letztenendes ebenfalls einen Aspekt der Welt als Materie und Vorstellung dar.

Der Wille des Menschen, die Materie zu überwinden und der Versuch, sich in einer höheren Existenzform wieder zu finden, erschaffen gewissermaßen eine höhere Potenzierung der Realität.
Diese höhere Potenzierung zeigt sich in Geisteswissenschaften jeder Art, in philosophischen Überlegungen, in theologischen Erklärungsversuchen sowie in Analysen der menschlichen Psyche. Auch wenn Geist und Materie oft als unabhängig voneinander aufgefasst werden, so ist ihre wechselseitige Abhängigkeit, wie oben erörtert, dennoch stets erkennbar.
Eine weitere Form dieser Potenzierung ist die Kunst: Durch sie versucht der menschliche Geist, nicht lediglich Gedanken, sondern tiefste Empfindungen auszudrücken, erreicht durch das Erschaffen von Idealbildern der Wirklichkeit eine höhere, zu erstrebende Ebene seines eigenen Daseins und lässt die in ihm ruhende, von der Natur gegebene bzw. übermittelte Schöpferkraft tätig werden.

Zwar bedeutet dies alles keine Entstehung einer neuen, höheren Realität; die durch die Vorstellung des Menschen bewirkte Potenzierung der Wirklichkeit führt jedoch zur Existenz eines weiteren Aspektes der Realität als Gesamtkomplex, die somit an Reichhaltigkeit, Tiefe, Aussage und Sinn gewinnt, dabei aber trotzdem nicht in ihrer Ganzheit aufgespalten wird.

4. Zur Bedeutung dieses Standpunktes für das Leben als solches

Insgesamt ist der in dieser Erörterung dargelegte Standpunkt für das Leben selbst zuträglich, auch wenn gewissen Punkten dieses Abschnittes ein utopischer Charakter nicht abzusprechen ist:

Zum einen distanziert sich der Mensch als Betrachtender und als verstehen Wollender von einem anthropozentrischen Weltbild und sieht sich als Bestandteil der allumfassenden, systematisch fungierenden Natur, was seine Achtung vor seiner Umwelt und seine Verbundenheit mit derselben erhöht. Besonders im modernen Zeitalter, in dem Technologiewahn und Industrialisierung durch den Menschen, der sich seiner Wurzeln nicht mehr bewusst ist, ernste Bedrohungen für das ökologische System darstellen, sind derartige Erkenntnisse dringend von Nöten.

Zum anderen werden physische und mentale Realität nicht weiter als getrennte und voneinander unabhängige Teilwahrheiten aufgefasst, sondern als aufeinander beruhende und wechselseitig zusammenhängende Aspekte derselben Wirklichkeit.
Dies befähigt den Menschen, anstatt Geistes- und Naturwissenschaften als separate Betrachtungsweisen unterschiedlicher Realitäten zu sehen, diese beiden Bereiche miteinander zu verknüpfen und auf die Wahrheit als Ganzes zu beziehen.
Besonders der Tatsache, dass Naturwissenschaften häufig ohne tiefere Überlegungen bezüglich Sinn und Bedeutung ihrer Forschungen und Errungenschaften für die menschliche Existenz als Gesamtes tätig sind sowie dem Umstand, dass sich Geisteswissenschaften oft von der Beziehung zwischen mentaler und physischer Realität loszulösen versuchen, kann damit entgegengewirkt werden.

Zum dritten wird die Reichhaltigkeit des menschlichen Geistes nicht auf seine bloße materielle Grundlage beschränkt; vielmehr wird erkannt, dass er mittels seiner Vorstellung wie bereits erläutert höhere Potenzierungen der Realität erreichen kann. Dies steigert die Bedeutung von Kunst und geisteswissenschaftlichen Tätigkeiten innerhalb der einzelnen Gesellschaften erheblich und schafft Betrachtungsweisen weit außerhalb von Fatalismus und Abstandnahme insbesondere vom Materialismus, auf dem viele Probleme westlicher Kulturkreise beruhen.
Desweiteren sucht das menschliche Individuum Sinn, Bedeutung und Ziel seiner Existenz nicht länger in außeruniversalen theistischen Theorien, die den Wert der diesseitigen Realität vermindern und die Aussicht auf eine höhere Daseinsform nach dem Tod der körperlichen Materie als Zweck des irdischen Lebens deklarieren. Stattdessen wird die Limitierung der Dauer physischer und mentaler Existenz erkannt, akzeptiert und als Weg betrachtet, die Realität als das zu schätzen, was sie tatsächlich ist.


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