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10. Januar 2008

Existentialistisches Manifest

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Existentialistisches Manifest

Mit größter Wahrscheinlichkeit ist der Mensch nichts als eine Ansammlung von Zellen, von Kohlenstoffverbindungen, von Atomen und Elementarteilchen und von großen Raumanteilen Vakuum. Somit verhält er sich zumindest in seinen Teilen genauso wie der Rest des belebten oder unbelebten Universums nach unveränderlichen Naturgesetzen. Diese Ansicht erschreckt viele, fasziniert aber auch viele Menschen. Egal was man von ihr hält, ist sie doch die plausibelste und wahrscheinlichste von allen. Dies einzusehen hilft, die Welt und den Menschen realistisch und ohne vorgefertigte Wertungen zu betrachten.

Aber welchen Sinn hat das Leben, wenn alle Götter tot sind? Wie führt man sein Leben, wenn alle Werte relativ und jegliche Moral nichts als ein Werkzeug für das gesellschaftliche Zusammenleben ist? Wozu kämpfen wir, wonach streben wir, wenn alles was wir erreichen mit uns stirbt?

"Männer sterben und Vieh stirbt, aber eines weiss ich, das nicht stirbt: Der toten Männer Ehre", heißt es in der älteren Edda. Der Begriff der Ehre spielte eine wichtige Rolle nicht nur in der germanischen oder anderen indoeuropäischen Kulturen sondern in gesunden Gesellschaften auf der ganzen Welt. Vielleicht ist dieser Begriff ein Hinweis auf etwas, das nicht mit uns stirbt und dem Leben so den für viele verlorenen Sinn zurückgibt. Oft wurde er nur zur Propaganda oder zur Unterstützung politischer Ziele benutzt, weswegen er in heutiger Zeit als unzeitgemäß und verstaubt, für manche sogar als gefährlich gilt. Aber ist es nicht gerade die heutige Zeit, die nach einem Lebenssinn sucht, nachdem sie ihre Götter getötet und ihre Kultur verkauft hat? Dieser Text möchte an den alten Sinn des Begriffs der Ehre anknüpfen und so eine der möglichen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens geben.

Dazu ist zunächst eine genauere Definition des Begriffs der Ehre, wie er in diesem Text benutzt wird, nötig. Ehrenvoll verhält sich, wer sowohl seinen eigenen Werten als auch seinen Freunden und Verbündeten gegenüber treu und ehrlich ist. Hinzu kommt das Streben, auf dem eigenen Gebiet das beste zu erreichen und etwas zu schaffen, was nicht nur finanziell dem eigenen Wohl, sondern auch ideell der Menschheit oder vielleicht sogar dem Leben als ganzem nützlich sein könnte.

Dies hat in vielen Fällen einen rein praktischen Nutzen, sowohl für den der sich ehrenvoll verhält, als auch für eine Gesellschaft, deren Mitglieder nach Ehre streben. Der Einzelne erhält Respekt und Anerkennung, die Gemeinschaft profitiert von Ehrlichkeit und dem Streben nach guten Leistungen. Doch neben oder besser noch vor diesen schnell sichtbaren praktischen Vorteilen hat das Streben nach Ehre den Vorteil, dass sie einen Wert darstellt der auch nach dem Tod fortbesteht, unabhängig davon, ob man an Götter oder eine unsterbliche Seele glaubt oder nicht.

Der ideelle Reichtum, den man im Lauf seines Lebens in Form von Ehre anhäuft stirbt nicht, solange es denkende Wesen gibt, die sich an ihn erinnern und ihn respektiern, sich vielleicht sogar an ihm ausrichten können. Homer oder die Helden über die er schrieb sind physisch seit Tausenden von Jahren tot, aber in einer gewissen Weise sind sie auch unsterblich geworden. Doch Ehre ist kein rein kriegerischer Begriff. Das gleiche was für die besungenen Krieger in den verschiedensten Epen gilt, wird wahrscheinlich auch für Shakespeare, für Beethoven, für Einstein oder auch für Jesus und etliche andere gelten, die bereit waren, für ihre ideale zu sterben, zu kämpfen oder zumindest hart zu arbeiten ohne unmittelbar einen Proft zu erkennen. Von Ehre können allerdings nicht nur jene profitieren, die es schaffen, ihren Namen und ihre Persönlichkeit dadurch unsterblich zu machen. Vor dem "Gott" der Ehre ist zwar vielleicht nicht jeder gleich, aber zumindest hat jeder die Chance, Ehrenhaft zu leben und davon zu profitieren: Auch für den, der nicht die ganze Welt verändert und in die Geschichte eingeht, ist es möglich, andere durch Ehrenhaftes Verhalten vom eigenen Wertsystem zu überzeugen und es so durch eine Art der geistigen Fortpflanzung weiterleben zu lassen.

Und selbst rein materialistisch betrachtet ist Fortpflanzung, sei es nun körperliche Fortpflanzung oder die von Ideen, offenbar ein Urtrieb des Menschen und anderer Tiere. Mit der Ehre findet ethisches Verhalten also eine Grundlage, die zwar prinzipiell ein rein ideeller Wert ist, die sich aber mit der materialistischen Natur der Welt und des Menschen erklären lässt und die eine Entsprechung in den Grundbedürfnissen der meisten lebenden Organismen findet.

Jeder Versuch, den Tod abzuwenden ist eitel. Was uns bleibt, ist das Wissen den eigenen Werten entsprechend gelebt zu haben, ist der Respekt derer, die man positiv beeinflusst hat, ist das Ewige das man vielleicht geschaffen hat.


sechs Kommentare

Wie heißt es doch so schön
“Jeder ist seines Glückes Schmied”
Irmin - 09 03 08 - 12:40

Oha, ist das also Nihilismus? Ich gebe offen zu, dass ich mich bisher damit noch nicht beschäftigt habe, aber dieser Text rät mir auch dringend davon ab.

Warum sollte ich einem frei gewähltem Ideal folgen oder besser gesagt, ist es nicht schädlich, wenn alle Menschen das tun würden. Vernunft oder Argumente spielen dort ja anscheinend eine untergeordnete Rolle, da man der Ehre (oder wohl besser den Ruhm) folgen soll und die natürlich im eigenen Handeln liegt und nicht im dem der anderen. Natürlich kann man nun sagen, dass es ehrvoll wäre das Richtige zu erkennen und danach zu Handeln oder ähnlichem, aber dann sind wir ja wieder bei der Tugendethik und die hat schon mehrfach versagt.

Ich kann diesem Text nichts Gutes abgewinnen, aber vielleicht möchte ihn ja jemand verteidigen. Was genau macht den dieses Ideal besser als irgend ein anderes (wie zB irgendeiner beliebigen Religion) und warum sollte man nicht lieber ein etwas begründeteren Anspruch (zB. Kants kategorischem Imperativ) folgen?
Selandriel - 31 08 08 - 16:13

Um den Artikel zu verstehen solltest du dir dieser 3 Punkte gewahr werden:

1) Es geht nicht um ein universell gültiges Ideal, das als Dogma gilt, sondern um etwas, was man konstruktiv aus seinem Leben macht und etwas das darüber hinaus wirkt.

2) Ehre bedeutet charakterliche Integrität, die nach Aussen projiziert wird und damit Gutes bewirkt. Der kategorische Imperativ ist auch charakterliche Integrität, Gerechtigkeit, Vernunft. Was meinst du, wieviel Ehr sich der gute alte Kant damit gemacht hat?

3) Existentialismus. Wir werden alle sterben und womöglich vergessen werden – aber, wofür lebt man dann überhaupt? Erst nachdem man sich diese Frage beantwortet hat, kann man den Artikel verstehen. Ich tue dies zB nicht, um mich mit Medien vollrieseln zu lassen, 13 Partys pro Woche zu feiern oder 3 Sportwagen zu fahren. Sondern aus den selben Gründen, warum die Griechen ihre Epen und Philosophien verfasst haben, warum Bach seine Musik komponiert hat und wofür Faust gelitten hat.

Unsere Aufgabe ist es nicht, es jedem recht machen zu wollen – auch wenn jeder zu meinen scheint, er müsse irgendetwas von uns verlangen oder er müsse uns seine Maßstäbe aufdrücken, auch wenn er sich 10-15 Minuten mit uns beschäftigt und die Quintessenz nicht mal Ansatzweise verstanden hat. Wir wollen eher Individuuen, die nicht krampfhaft auf ihr Universitäts-Ego aus sind sondern, wie Platon es so schön sagte, wahre Freunde der Weisheit und Wissenschaft sind, die Gelegenheit geben, in der morschen Moderne nicht zu verzweifeln sondern sie als Chance zu sehen, stärker zu werden, um sie schlußendlich zu transzendieren.

Ob das mit deiner Vorstellung von Nihilismus oder etwaigen daraus resultierenden Vorstellungen konform geht, ist wie du sicher nun weißt, völlig egal. Vielleicht aber hast du aber auch jetzt eine genauere Vorstellung davon, worum es uns geht. Deine Kritik schießt jedenfalls meilenweit daran vorbei.
Wigr - 01 09 08 - 07:38

Und die Ewigkeit "denkender, sich erinnernder" Menschen ist so kurz wie jede menschliche Lebensspanne. Mag man sich alten Schriften auch noch so sehr hingeben, so ist der Gedanke, dass auch Ehre einst ein Ende haben wird, kein unmöglicher.

Nihilismus mit Zweck und Ziel, schön.

Und am Ende stirbt das All doch ganz unbeeinflusst und steht ebenso wieder auf.
Herr - 13 09 08 - 17:44

Ich finde den Artikel sehr gehaltvoll und fühle mich angesprochen, eine Schlussfolgerung, die ich auch in anderen Artikeln auf dieser Seite finde, verstehe ich jedoch nicht:
Wenn es eitel ist und nicht möglich, den Tod abzuwenden, wieso dann Unsterblichkeit ueber ehrenvolles Verhalten erlangen? Wieso versuchen über Menschen, Taten oder Kinder vortzubestehen? Welche Motivation steckt dahinter? Welche Befriedigung kann das geben, wenn man fortbesteht?
fragende - 17 04 09 - 03:47

Nun, fragende,
es scheint als Paradoxon, jedoch fällt mir auf, dass diese Diskussion allein auf der Frage basiert welchen Sinn man verfolgen soll und was es einem bringt.Es gibt aber keinen Sinn!
Es gilt einfach sein Dasein zu fristen, und sich dabei möglichst gut zu fühlen!!!
Egal unter welchen Bedingungen.Um dies zu erreichen, muss man sich an seiner sozialen Domäne bedienen…Fakt:Menschen brauchen Menschen.Hilfst du Menschen, werden sie dich ehren.Bringst du sie vorran, werden sie dich nicht zurücklassen.Auch wenn man das von dieser ach so schlechten Gesellschaft erwartet.Das ist die Ehre von der gesprochen wird.
Um so mehr du auf die Menschen wirkst, desto mehr Resonanz bekommst du.Dir kann es nur gut gehen wenn es den Menschen in deiner Umgebung auch gut geht!Als Nihilist hat man jedoch ein der Norm abweichendes Denken, was dazu führt, dass dich andere Dinge glücklich machen, als die der Anderen.In dem Falle kannst du nicht zur Sonne wachsen, weil der Wind deinen Stil bricht.Lebst du jedoch um etwas für das deinige Leben(was automatisch das deiner sozialen Domäne bedeutet, weil du auch nur ein sinnloser Teil des Ganzen bist) positives zu erreichen(Fortschritt), dann werden sie deinen Stil kräftigen, und du wirst Samen fallen lassen, oder sie werden deine “Ehre” wie Blütenstaub weitertragen.
Ist dies nicht ein Schritt zum Übermenschen?Eine langsame Prozedur der Gewöhnung anderer an sich und die eigenen Werte?Sie werden merken, dass es ihnen gut tu, jenseits des Konsums, und werden es dir gleich tun.So wird dein Sinn den Anderen einen zu geben.
Völlig eigennützig, aber trotzdem ehrvoll.
Ich hoffe ich habe nicht all zu viel Stuss geschrieben mit meinen 18 unerfahrenen Lebensjahren…
Anonymous () - 25 09 09 - 08:44


  
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es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun."
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Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
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