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23. April 2008

Walpurgis/Beltane

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Der erste Mai ist ein wohlbekanntes Datum in Europa. Egal ob es das gälisch-keltische Beltane oder die okkult anmutende Walpurgisnacht ist; der erste Mai scheint in unseren Kulturen einen magischen Stellenwert einzunehmen, dessen Essenz bis heute überlebt hat.

Beltane historisch

Historisch gesehen ist Beltane das gaelische Fruchtbarkeitsfest. Gefeiert in der Nacht auf den ersten Mai, kündet es von der Heiterkeit und dem Glück, den Winter überstanden zu haben, vom Frühling und vom Werden der Natur. Demzufolge ist Beltane ein ausgelassenes, fröhliches Fest, ein Ausdruck dyonisischer Lebensfreude.
Andere Inselkelten kannten oder kennen ein ähnliches Fest, nur unter anderen Namen. Das die Festlandkelten Beltane auch kannten ist wegen der gemeinsamen Kultur zwar naheliegend, schriftlich aber nicht gesichert. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die naturreligiöse, heidnische Essenz Beltanes bis heute erhalten hat; die Preisung der lichtbringenden, lebensspendenden Natur und dem ewigen Kreislauf von Sterben und Werden. Damit ist es neben Samhain, welches den Sieg des Todes über das Leben bzw des Winters über den Sommer repräsentiert, eins der wichtigsten Feste im gälischen Kulturkreis - eventuell sogar darüber hinaus.

Walpurgis historisch

Assoziiert wird die Walpurgisnacht eher mit Hexen, Dämonen und Okkultismus. Der Name der Walpurgisnacht stammt ursprünglich von Walpurgis, einer heidnischen Frühlingsgöttin ab. Nach der Christianisierung wurde das Fest beibehalten, da die Göttin Walpurgis kurzerhand mit der heiligen Walburga (710-779) assoziiert und somit verklärt wurde. Das alles hat mit dem angedichteten, okkulten Charakter der Walpurgisnacht jedoch nichts zu tun; im 16. Jahrhundert haben vereinzelte Frauen in Hexenprozessen wahrscheinlich nicht ganz freiwillig gestanden, in der Walpurgisnacht auf den Harzer Brocken geflogen und dort okkulten Trieben nachgegangen zu sein. Erst damit kam die Konnotierung von Hexenkult mit Walpurgisnacht auf, die sich bis heute erhalten hat.
Wie bereits erwähnt, ist es wahrscheinlich, das dieses Fest heidnischen und naturreligiösen Ursprungs ist und erst nachträglich von der katholischen Kirche eine unheilige Note angedichtet wurde. Das Wort Hexe beispielsweise stammt vom althochdeutschen Hagazissa ab, was wörtlich übersetzt Zaungeist heißt und eventuell Wesen waren, die die physische Realität mit esoterischer Spiritualität transzendierten. Alte germanische Sagen, besonders aus dem skandinavischem Raum berichten uns von weisen, alten Frauen die ausgezeichnete Heilfähigkeiten besitzen, eine Assoziierung mit "Hexen" ist naheliegend. Unterstützen würde diese These der mittelalterliche Hexenwahn und die Verfolgung von kräuter- und heilkundigen Frauen, die eventuell in ein post-heidnisches Schema passten.

Unabhängig von der ganzen Hexendichtung gab es auch noch einen Volksbrauch in der Walpurgisnacht, der durchaus vergleichsbar mit dem gälischen Beltane war. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die Walpurgisnacht mit Beltane gleichzusetzen ist; das eine ist gälischen, das andere germanischen Ursprungs. Augenscheinlich ist jedoch, dass beide Feste die Begrüssung des Frühlings und die heitere Lebensfreude zur Thematik haben. Die Zelebration erfolgt ähnlich ausgelassen.
Der wohl am Häufigsten mit der Walpurgisnacht/1. Mai assoziierte Brauch ist das Aufstellen von Maibäumen. Diese Brauch unterscheidet sich regional, ist im kultischen und symbolischen Wesenszug jedoch immer identisch. Der Maibaum ist ein Phallussymbol, ein Symbol der Fruchtbarkeit. Der erste Mai war der Tag, an dem Wotan und Frigg sich verheirateten, es war der Tag, an dem Himmel und Erde eine fruchtbare Einheit eingegangen sind.

IrminsulWir finden in alten germanischen Sagen und Geschichten immer wieder heilige Bäume erwähnt. Sei es die Donareiche, die von Bonifatius gefällt, oder die Irminsul, ihres Zeichens ein altsächsisches Heiligtum, das vom Christen Karl den Großen zerstört wurde, als er die Sachsen unterworfen hatte. Die Wikinger stellten in der Nacht auf den ersten Mai den Thorsbaum auf. Thor ist zuständig für Fruchtbarkeit und dürfte somit einen enormen Stellenwert für die Landbevölkerung eingenommen haben. Dieser Tage findet man noch den Mittsommerbaum in Skandinavien, der zwar im Juni aufgestellt wird, jedoch fast genauso hergerichtet ist wie ein bayrischer Maibaum.
Der bayrische Maibaum ist ein massiver, entrindeter und oft weiß-blau bemalter Stamm. Geschmückt ist er mit Schildern, auf denen Alltagssituationen und Berufe abgebildet werden. Aufgestellt auf dem Marktplatz ist er das feierliche Zentrum der Maifeiern. Bevor es jedoch zum Feiern kommt, wird der Baum in einer feierlichen und mühseligen Prozession von jungen Burschen gefällt, herangeschafft und aufgestellt. Was folgt ist feierliches Musizieren, Singen und Tanzen um den Frühling zu begrüßen. Es gibt den Brauch, in benachbarten Dörfern des Nachts den Maibaum zu "stehlen" und selber in seinem Dorf aufzustellen, was aber in aller Freundschaft abläuft.

Maibaum in Bayern

Auch im Rheinland und im Schwabenland begegnen uns unzählige Brauchtümer rund um den Maibaum und den ersten Mai, die sich von Dorf zu Dorf unterscheiden. Hier wird jedoch nur ein verhältnismäßig kleiner, frischer Birkenstamm als Maibaum verwendet. Jener dient, im Gegensatz zu den bayrischen Maibäumen, jedoch nicht als allgemeines Zentrum für das Feiern. Vielmehr findet man sie vor der Haustür einer jungen Frau, dorthin gebracht durch den Eifer eines Verehrers. Sie gilt als persönlicher und doch öffentlicher Liebesbeweis und ist ein starkes Kompliment für die Frau. Geschmückt wird dieser Maibaum mit bunten Bändern und Kränzen. Um peinlichen Verwechslungen vorzubeugen wird der Name der Angebeteten auf ein am Baum befestigtes Herz graviert. Wie der bayrische Baum läuft auch dieser Gefahr, von männlichen Konkurrenten gestohlen zu werden. Der Baum bleibt den ganzen Mai über stehen und wird danach vom Verehrer wieder abgeholt - eventuell mit einer Einladung zum Essen. In Schaltjahren obliegt es jedoch den Damen, die Bäume aufzustellen.

Eine moderne Perspekte

Es ist verwunderlich und erquickend zugleich, dass sich ein augenscheinlich naturreligiöser Brauch so lange und der Christianisierung zum Trotz erhalten hat. Die Mentalität der modernen Welt verleitet jedoch oft dazu, den Hintergrundgedanken von Festen gern zu vergessen. Das ist beim kommerzialisierten Weihnachten genauso der Fall wie bei dem Maifest. Letzteres wird nur noch als Gelegenheit verstanden, Alkohol zu konsumieren und "Spaß" zu haben. Das war historisch immer schon Teil davon, aber ist nicht der Zweck dieser Veranstaltung. Die Begrüssung des Frühlings, des Lichts sind kaum noch Teil in unserer industrialisierten, übertechnologisierten Gesellschaft. Doch gerade deswegen ist es erfrischend, junge Menschen zu sehen, die sich noch nicht im Wust von globaler Gleichmachung verloren haben, sondern den Sturm und Drang ihrer Jugend genießen und ihm gerecht werden während sie dankbar ihr Leben verwirklichen.

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