11. April 2008
Inkonsequenzen und Ausreden
Inkonsequenzen, Ausreden und Entschuldigungen
Unser Zeitalter steht im Zeichen der Aufschiebung und Inkonsequenz. In einer Spaßgesellschaft ist es eben nicht "trendy" über das kurzfristige Vergnügen hinauszuschauen und Dinge zu tun, die wirklich konstruktiv sind. Faulheit und Indifferenz und im Gegensatz dazu der krasse Gegensatz der Karriere - ohne Leistung, keinen Effekt. Dieser Gegensatz von hedonistischer Spaßgesellschaft und mechanischer Leistungsgesellschaft erzeugt ein Ungleichgewicht.
"Die Konsequenz der Natur tröstet schön über die Inkonsequenz der Menschen." - Johann Wolfgang von Goethe
Ich habe es schon oft erlebt, dass intelligente Personen durchaus Missstände in ihrem Leben erkennen können und sogar eine Idee davon haben, wie man sie beheben kann. Sie kritisierten die Plastikgesellschaft, spirituelle und intellektuelle Seichtheit, Herdenmentalität, Korruption, Spaßgesellschaft, seelenlose Leistungsgesellschaft, Umweltverschmutzung und planten in nahezu jugendlichem Idealismus, Dinge anders zu handhaben - Auf 5 Parties pro Woche zu verzichten, mehr zu lesen, Schädliche Dinge sein zu lassen, sich für die Umwelt einzusetzen und und und. Dennoch ist das erste was sie tun, wenn sie wieder zuhause sind, den Fernseher anzuschalten und sich berieseln zu lassen. All die Dinge, der man sich gewahr wurde sind nun offensichtlich vergessen. Man ist zu faul, Ideen zu realisieren. Das Gewissen wird mit Pesimissmus beruhigt - "Ich kann daran eh nichts ändern." oder selbst das grausige "Ich fange morgen damit an". Wenn eine selbsterfüllende Prophezeiung dem heroischen, faustischen, indoeuropäischem Spirit entgegensteht sind in der Tat alle Stricke gerissen. Alles nur Ausreden!
"Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen" - Immanuel Kant
Welch unmündigen Menschen. Faulheit und Bequemlichkeit hindern sie daran, etwas sinnvolles zu tun - das Leiden unserer modernen Welt. Jemand sollte nach seinen Taten beurteilt werden, nicht nur nach seinen Worten. Leistung - Entweder man tut etwas konstruktives oder man bleibt auf der Strecke. Natürliche Auslese funktioniert nach dem selben Prinzip, der Kampf ums Überleben ist kein Spiel bei dem man etwas geschenkt kriegt. Da der Mensch bestrebt darauf ist, Natur und Leben zu seinen Gunsten zu ordnen, ist es erstaunlich, dass jede menschliche Kultur ebenfalls so funktioniert; Positives wurde erst durch "Leistung" und "Wille" hervorgerufen. Der Unterschied zu einer Leistungsgesellschaft liegt jedoch in der Qualität, nicht Quantität. Zahlen, Geld und Unterordnung auf der einen Seite und Kultur, Seelische Hochstimmung und Naturverbundenheit - diese spirituellen Zustände sind quantitativen Kriterien gewichen.
Als Editor habe ich auch interessante Erfahrung in dieser Richtung gemacht - viele Interessenten, viele "Nachahmer", aber wenig wirkliche Konsequenz. Manchmal höre ich Ausflüchte wie "Ich muss das erstmal mit meinem Gewissen ausmachen, bis in 2 Jahren dann." "Hab grad nicht so viel Zeit."; "Kann mich irgendwie nicht motivieren." oder auch gar nichts mehr. Wo ist das Problem?
Das Leben ist kein Spiel, warum winden sich Leute vor jeglicher konstruktiven Verantwortung? Das was wir hier machen ist kein "Hobby", es ist kein unterhaltsamer Zeitvertrieb der einem zum Nachäffen gereicht. Es ist die Realität. Wir sind alle Menschen mit Privatleben - manche mehr, manche weniger. Familien, Arbeit, Beziehungsprobleme, Finanznöte - all das ist Teil des modernen Lebens. Doch anstatt sich auf das Ewige und Gemeinsame im Leben zu konzentrieren, das was langfristig wirklich "wichtig" ist (und auch haargenau das, was unser nihilistisches Netzwerk proklamiert), mimen Leute die "Dramaqueen" indem sie Ausreden und Ausflüchte für ihr Tun und Lassen suchen. Damit fallen sie genau in die Modernitätsfalle, die sie ursprünglich zu umgehen versuchten - Aufschiebung, Spaßgesellschaft und Langeweile, 8 Parties pro Woche, Videospiele, Alkoholexzesse, Selbstmitleid und so weiter.
Ich glaube an die hier vertretenen Ideen, ich glaube "an unsere Sache" und halte sie für wichtig um den heutigen spirituellen, sozialen, psychologischen und ökologischen Bankrott zu transzendieren.
Es kann jeder Mensch anfangen, Dinge, die er will auch tatsächlich zu tun. Kann man sich nicht motivieren, reicht es meistens etwas Logik walten zu lassen und sich vor Augen zu führen, welchen unmittelbaren und langfristigen positiven Effekt die Bewerkstelligung der anstehenden Dinge hat - konträr zum Aufschieben und Verzögern. Leidet man an Entscheidungsschwierigkeiten, sollte man sich angewöhnen bei den kleinen Dingen im Leben die Entscheidungsfrist auf 3 Sekunden zu setzen und unmittelbar und entschlossen zu handeln. In einer vergänglichen und antriebsschwachen Welt dominieren diejenigen mit Willensstärke. Starrsinn und Engstirnigkeit sind jedoch unproduktiv.
"Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen." - Konfuzius
Kampf, immer voran.
Foto: Twm (cc)
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