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01. Januar 2008

Das Schiff der Narren

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Schiff der Narren

Es war einmal, als der Kapitän und die Besatzung eines Schiffes so eitel durch ihre Seemannskünste wurden, so voll von Selbstüberschätzung und von sich selber beeindruckt, dass sie wahnsinnig wurden.
Sie wendeten das Schiff gen Norden und segelten, bis sie auf Eisberge und gefährliche Strömungnen trafen, und sie segelten weiter nach Norden in gefährliches Gewässer, einzig um ihnen selber Gelegenheiten zu geben, ihre auf ewig brillianten Seemannskünste auszuüben.

Als das Schiff höher und höhere Breiten erreichte, wurden den Passagieren und den Mitgliedern
immer unbehaglicher. Sie begannen, sich untereinader zu streiten
und sich über die Bedingungen, unter welchen sie lebten, zu beschweren

"Donnerwetter", sagte ein guter Seemann, "wenn das nicht mal die
schlechteste Seereise ist, auf der ich je war. Auf dem Deck ist es glatteis; wenn
ich auf dem Ausguck bin, schneidet der Wind wie ein Messer durch meine Jacke; jedes mal,
wie ich das Segel raffe, friere ich beinah mir die Finger ab; und alles
was ich dafür kriege sind fünf Schilling im Monat!"

"Du denkst, du hättest es schlecht?", sagte eine Passagierin. "Ich kann
nachts wegen der Kälte nicht schlafen. Die Damen auf diesen Schiff kriegen nicht so viele Decken
wie die Männer. Das ist nicht gerecht!"

Ein mexikanischer Segler tönte ein: "¡Chingado! Ich nur kriege halb viel Lohn
von englisch Seemann. Wir brauchen viel Essen um warm zu halten uns in
diesem Klima, und ich kriege nicht Anteil; der Englische kriegt mehr. Und das schlimmste,
dass ich kriege nur Befehl in englisch und nicht spanisch"

"Ich habe mehr Gründe, mich zu beschweren als andere," sagte ein indianischer
Segler. "Hätten die Bleichgesichter nicht das Land meiner Vorfahren geraubt,
würde ich nichtmal auf diesem Schiff sein, hier bei Eisbergen und arktischen
Winden. Ich würde einfach nur mit dem Kanu auf einem netten, ruhigen See paddeln.
Ich verdiene Wiedergutmachung. Der Kapitän sollte mich zumindestens ein Würfelspiel
machen lassen damit ich etwas Geld verdienen kann.

Da sprach der Bootsmann: "Gestern nannte mich der erste Maat ein Früchtchen nur
weil ich Schwänze lutsche. Ich habe das Recht, Schwänze zu lutschen ohne
solche Namen dafür zu kriegen!"

"Es sind nicht nur Menschen, die auf diesem Schiff schlecht behandelt werden," warf eine
Tierfreundin unter die Passagiere, ihre Stimme zitterte vor Entrüstung.
"Deshalb, weil ich letzte Woche den zweiten Maat sah, wie er den Schiffshund zweimal trat!"

Einer der Passagiere war ein Professor. Seine Hände wringend rief er aus:
"Dies alles ist schrecklich! Es ist unmoralisch! Es ist Rassismus, Sexismus,
Speziesmus, Homophobie und Ausbeutung der Arbeiterklasse! Es ist Diskriminierung!
Wir müssen soziale Gerechtigkeit walten lassen, Wiedergutmachun für die Indianer,
genausoviel Decken für die Frauen, ein gewährleistetes Recht, Schwänze zu lutschen und keine
Hunde mehr zu treten!"

"Ja, Ja!" riefen die Passagiere. "Aye-aye!" rief die Crew. "Es ist Diskriminierung!
Wir müssen unsere Rechte fordern!" Der Kabinenjunge räusperte.

"Ähem. Ihr habt alle gute Gründe, euch zu beschweren. Aber es sieht für mich so aus,
dass das, was wir wirklich tun sollten, ist, das Schiff herumzudrehen und zurück nach Süden
zu segeln, denn würden wir weiter nach Norden fahren würden wir früher oder später auflaufen,
und dann ist euer Lohn, sind eure Decken, und eure Rechte Schwänze zu lutschen für nichts mehr gut,
weil wir alle ertrunken sind."

Aber keine beachtete ihn, da er nur der Kabinenjunge war.

Der Kapitän und die Matrosen hatten alles von ihrer Station am Hinterdeck
gehört und beobachtet.
Nun lächelten sie und zwinkerten sich gegenseitig an, und auf einen Wink
des Kapitäns kam der dritte Maat runter vom Hinterdeck, schlenderte
dort hinüber wo die Passagiere und Besatzung versammelt waren und schlug den
Weg unter sie ein. Er machte einen ernsten Gesichtsausdruck und sprach da:

"Wir Offiziere müssen zugeben, dass ein paar unentschuldbare Dinge
auf diesem Schiff passiert sind. Wir haben nicht erkannt, wie schlecht die Situation war
bis wir die Beschwerden vernahmen. Wir sind Männer mit gutem Willen und wollen
euch Gerechtes tun. Aber - nun ja - der Kapitän ist weniger konservativ und eingestellt
auf seine Methoden, und muss etwas angestubst werden bevor er ein paar dauerhafte Änderungen macht.
Meine persönliche Meinung ist, dass, falls ihr leidenschaftlich - aber immer friedvoll und ohne die
Schiffsregeln zu verletzen - protestiert, würdet ihr den Kapität aus seiner Trägheit schütteln
und ihn dazu zwingen, sich um die Probleme zu kümmern, über die ihr euch beschwert.

Als dies gesagt war, schlug der dritte Maat den Weg zurück zum Hinterdeck an.
Als er ging, riefen im die Passagiere und die Crew ihm "Gemäßigter! Reformist!
Gutmensch-Liberaler! Des Kapitäns Majonette!" hinterher, taten aber dennoch, wie er gesagt.
Sie sammelten sich vor dem Achterdeck und riefen
Beschimpfungen dem Offizier zu, und forderten ihre Rechte "Ich will höheren
Lohn und bessere Arbeitbedinungen" jammerte der fähige Seemann.

"Gleichviele Decken für Frauen," jammerte die Passagierin. "Ich möchte meine
Befehle in Spanisch erhalten," jammerte der Mexikaner. "Ich will das Recht,
Würfelspiele zu leiten," jammerte der indianische Segler. "Ich will nicht Früchtchen
genannt werden," jammerte der Bootsmann. "Kein Hundetreten mehr," jammerte die
Tierliebhaberin. "Revolution jetzt," jammerte der Professor.

Der Kapitän und die Matrosen drängten sich zusammen und berieten sich für
ein paar Minuten, zwinkernd, nickend und sich die ganze Zeit anlächelnd.
Dann trat der Kapitän vorne auf das Hinterdeck und, mit einer großen Wohlwollenseinlage,
kündigte er an, dass des Seemanns Lohn auf sechs Schilling im Monat erhoben
wird; der Lohn des mexikanischen Seglers würde auf 2/3 des Lohns des Englischsprachigen
Seemanns erhoben werden, und der Befehl das Segel zu raffen würde in Spanisch gegeben
werden; Passagierinnen würden eine Decke mehr erhalten; der indianische Segler dürfte
sein Würfelspiel Samstags laufen lassen; der Bootsmann wird nicht mehr Früchtchen genannt werden
wenn er sein Schwanzlutschen privat hält; und der Hund würde nicht getreten werden bis er etwas
wirklich schlimmes mach, wie Essen aus der Kantine stehlen.

Die Passagiere und die Crew feierten diese Zugeständnisse als großen Sieg,
aber am nächsten morgen fühlten sie sich wieder unbefriedigt.

"Sechs Schilling im Monat sind ein Hungerlohn, und ich frier mir immernoch
meine Finger ab wenn ich das Segel raffe," nörgelte der fähige Seemann.
"Ich kriege wieder nicht so viel Lohn wie die Englischsprachigen, oder genug
Essen für dieses Klima," sagte der mexikanische Segler. "Wir Frauen haben
immernoch nicht genug Decken um uns warm zu halten", sagte die Passagierin.
Die anderen Crewmitglieder und Passagiere stimmten mit ähnlichen Beschwerden ein,
und der Professor stachelte sie an.

Als sie fertig waren, fing der Kabinenjunge an zu sprechen - lauter, sodass
dieses mal die anderen ihn nicht so einfach ignorieren konnten.
"Es ist wirklich schrecklich, dass der Hund getreten wird, wenn er etwas Brot
aus der Kajüte stiehlt, und das Frauen nicht gleich viele Decken haben, und
das der fähige Seemann seine Finger abfriert; und ich weiß nicht wieso der
Bootsmann keine Schwänze lutschen sollte, wenn er will. Aber seht euch an,
wie dick die Eisberge nun sind, und wie der Wind härter und härter weht!
Wir müssen das Schiff zurück nach Süden bringen, denn wenn wir dabei bleiben,
nach Norden zu segeln, werden wir auflaufen und ertrinken."

"Oh ja," sagte der Bootsmann, "Es ist so schrecklich, dass wir weiter nach Norden
segeln. Aber wieso soll ich im Schrank Schwänze lutschen? Wieso sollte ich
Früchtchen genannt werden? Bin ich nicht genauso gut wie jeder andere?"

"Gen Norden zu segeln ist schrecklich," sagte die Passagierin. "Aber
siehst dus nicht? Das ist genau der Grund warum Frauen mehr
Decken brauchen um sich warm zu halten. Ich fordere gleichviele
Decken für Frauen jetzt!"

"Es ist stimmt ziemlich," sagte der Professor, "dass das Segeln gen Norden
uns große Mühsal auferlegt. Aber den Kurs gen Süden zu ändern wäre
unrealistisch. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Wir müssen einen
reifen Weg finden, mit der Situation umzugehen."

"Hört zu," sagte der Kabinenjunge, "wenn wir den vier Wahnsinnigen oben
auf dem Hinterdeck ihren Weg machen lassen, werden wir alle ertrinken.
Falls wir das Schiff je ausserhalb der Gefahr bringen, können wir uns über
die Arbeitsbedingungen beschweren, über die Decken für Frauen und das
Recht, Schwänze zu lutschen. Aber zuerst müssen wir das Schiff umdrehen.
Wenn ein paar von uns sich zusamentäten, um einen Plan zu machen und etwas Mut zu zeigen,
könnten wir uns selbst erretten. Es würde nicht viele brauchen, sechs oder acht würden es tun.
Wir könnten das Achterdeck stürmen, die Wahnsinnigen über Bord schmeissen und das
Schiff gen Süden führen."

Der Professor rümpfte seine Nase und sagte ernst, "Ich glaube nicht an Gewalt.
Es ist unmoralisch."

"Es ist immer unethisch, Gewalt anzuwenden," sagte der Bootsmann.

"Ich finde Gewalt schrecklich," sagte die Passagierin.

Der Kapitätn und die Matrosen hatten es die ganze Zeit beobachtet und zugehört.
Auf ein Signal des Kapitäns schritt der dritte Maat runter aufs Hauptdeck.
Er ging unter die Passagiere und die Crew und erzählte, dass es immernoch
viele Probleme auf dem Schiff gäbe.

"Wir haben viel Fortschritt erreicht," sagte er. "Aber es bleibt noch viel zu tun".
Die Arbeitsbedingungen für den fähigen Seemann sind immernoch hart,
der Mexikaner kriegt immernoch nicht den selben Lohn wie die Englischsprachigen,
die Frauen haben immernoch nicht soviele Decken wie die Männer, und das Würfelspiel
des Indianers Samstag Nachts ist eine dürftige Wiedergutmachung für seine verlorenen
Ländereien, es ist ungerecht, dass der Bootsmann weiterhin Schwänze im Schrank lutschen muss,
und der Hund wird immernoch ab und zu geschlagen.

"Ich glaube der Kapitän muss wieder wachgerüttelt werden. Es würde helfen,
wenn ihr alle einen weiteren Protest macht - solang er gewaltlos bleibt."

Als der dritte Maat zurück zum Heck ging, riefen die Passagiere und die Crew
ihm Beleidigungen hinterher, aber sie taten dennoch was er sagte
und sammelten sich vor dem Achterdeck für einen weiteren Protest.
Sie wetterten und tobten und schwangen ihre Fäuste, sie warfen sogar ein
faules Ei nach dem Kapitän (welchem er kunstvoll auswich).

Nachdem er ihre Beleidigungen gehört hatte, drängten sich der Kapitän und
die Matrosen für eine Konferenz zusammen, während welcher sie zwinkerten
und breit sich angrinsten. Dann schritt der Kapitän vors Achterdeck und verkündete,
dass dem fähigen Seemann Handschuhe gegeben werden sollen um seine Finger
warm zu halten, dass der mexikanische Seemann einen Lohn von 3/4 des Englischsprachigen
erhalten soll, dass die Frauen eine weitere Decke erhalten sollen, das der Bootsmann
öffentlich nach Sonnenuntergang Schwänze lutschen dürften, und keiner dürfte
den Hund ohne Erlaubnis des Kapitäns treten.

Die Passagiere und die Crew waren über diesen revolutionären Sieg ekstatisch,
aber am nächsten Morgen fühlten sie sich wieder unbefriedigt und begannen
über die alten Mühlsale sich zu beschweren.

Der Kabinenjunge wurde dieses Mal wütend.

"Ihr verfluchten Narren!" rief er. "Seht ihr nicht, was der Kapitän und
die Matrosen tun? Sie beschäftigen euch mit euren trivialen
Beschwerden über Decken und Löhne und das der Hund getreten wird
sodass ihr nicht darüber nachdenkt, was mit diesem Schiff wirklich nicht stimmt ---
dass es weiter und weiter in den Norden kommt und wir alle ertrinken werden.
Wenn nur ein paar von euch zur Vernunft kommen würden, zusammenkommen würden
und das Achterdeck stürmten, könnten wir das Schiff umdrehen und uns retten.
Aber alles was ihr tut, ist, euch über kleine Probleme wie Arbeitsbedingungen und das
Recht, Schwänze zu lutschen zu beschweren!

Die Passagiere und die Crew waren erbost.

"Klein!" schrie der Mexikaner, "Denkst du, dass es angemessen ist,
dass ich nur 3/4 des Lohns vom englischsprachigen Segler kriege? Ist das kleinlich?"

"Wie kannst du meinen Missstand trivial nenen?" rief der Bootsmann.
"Weisst du nicht wie erniedrigend es ist, Früchtchen genannt zu werden?"

"Den Hund zu treten ist kein kleines Problem" schrie die Tierfreundin.
"Es ist herzlos, grausam und brutal!"

"Nun gut," antwortete der Kabinenjunge. Diese Probleme sind alle nicht kleinlich und trivial.
Den Hund zu treten ist grausam und brutal und es ist erniedigend Früchtchen genannt
zu werden. Aber im Vergleich zu unserem wirklichen Problem - im Vergleich zu
der Tatsache, dass das Schiff immernoch nach Norden segelt - sind eure Missstände
winzig und trivial, weil wenn wir dieses Schiff nicht bald umdrehen, werden wir alle ertrinken."

"Faschist" sagte der Professor.

"Gegenrevolutionärer!" sagte die Passagierin. Und alle von den Passagieren und der
Crew stimmten nacheinander mit ein, den Kabinenjunge einen Faschisten und
Gegenrevolutionären zu nennen.

Sie drückten ihn weg und gingen wieder dazu hinüber, über Löhne zu nörgeln,
und über Decken für Frauen, und über das Recht Schwänze zu lutschen und wie
der Hund behandelt wird. Das Schiff segelte weiter nach Norden, und nach einer Weile
zerschellte es zwischen zwei Eisbergen und jeder ertrank.

by Ted Kaczynski
Übersetzt von Wigr

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