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Deutsche Nihilistische Gesellschaft - Nihilismus, Traditionalismus, Pan-Nationalismus

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10. Oktober 2011

Optimismus als Mittel der Realitätsleugnung

Hang zu Hoffnung, Optimismus, Schwärmereien, Utopien - dem Menschen inhärente Wesenszüge, die keinen Maßstab für realistische Handlungen darstellen.

One reason optimists retain a positive outlook even in the face of evidence to the contrary has been discovered, say researchers.[...]

Scientists at University College London said about 80% of people were optimists, even if they would not label themselves as such.[...]

"And despite how sophisticated these neural networks are, it is illuminating to see how the brain sometimes comes up with wrong and overly optimistic answers despite the evidence."

Optimism seem to be good for your health. A study on nearly 100,000 women showed a lower risk of heart disease and lower death rate in optimists.

But as Dr Sharot points out: "The negative aspect is that we underestimate risks."

Quelle
Es ist verständlich, dass der Großteil der Menschen bemüht ist, Risiken und die schrecklichen Aspekte des Lebens auszublenden oder wenigstens mit einem lässigen Wink der Hand aus ihrem Fokus zu wischen, um Angesichts der schieren Masse an potentiellen Gefahrenquellen und Bildern des Horros, des Verfalls und des Elends noch halbwegs funktional zu bleiben. Die optimistische Manier resultiert vornehmlich aus einer Schwäche. Die mentalen Schultern der meisten Menschen sind schlicht insuffizient ausgebildet, ihr Herz unvorbereitet und ihr Gemüt zu leicht, um das Gewicht der Welt und des Schicksals ohne Krücken tragen zu können. Ohne Gehhilfe brächen sie an Ort und Stelle zusammen und verendeten elendig.

Ist diese Disposition, diese Inklination hin zur Illusion und Verfälschung (denn was ist es anderes ?) eine geeignete Vorraussetzung, um zu planen, pragmatisch, kühl, nüchtern und realistisch ? Ist es effizient und verantwortungsbewusst, die Welt blinden Auges mit der Losung "Es wird schon gut gehen" zu bewandern ?

Der Wahrheitsgehalt einer Aussage verhält sich antiproportional zu ihrer Popularität. Mit dieser simplen Wahrheit (und unpopulär wird sie sein) im Hinterkopf sollte sich gefragt werden, ob die moderne Annahme der gleichberechtigten M Ü N D I G K E I T im Sinne eines sog. Volkswillens, des Willens einer Masse an medial verschreckten Menschen furchtsam weit aufgerissenens Auges (80%), deren Realitätsverleugnung sie am Leben erhält, legitimer Ausgangspunkt für die Errichtung eines politischen Entscheidungssystems ist, dass genau diese aufgescheuchte Masse als Kriterium für ihr zukünftiges Handeln determiniert.

Entscheidungen müssen immer auf realistischer Grundlage getroffen werden, möchte man nicht im Ruin enden. Realität ist hart, grausam, unangenehm, übelriechend. Nicht jederman ist aus dem Holz geschnitzt und mit den Fähigkeiten ausgestattet, sie nicht nur zu ertragen, sondern sie zu meistern, die Kräfte, die da wirken, zu ordnen und des Windes Kraft zum Fortkommen des zivilisatorischen Segelbootes zu nutzen, anstatt es vom Wind auf die Klippen treiben zu lassen. Diese Menschen eines ungetrübten Hammerherzens, in Besitz dieser Fähigkeiten, die jenseits von Optimismus und Pessimismus ungerührt im Winde stehen und auf die simpelste und doch hohheitlichste Art ihr Boot durch das Schicksalsmeer manövrieren, diese Menschen allein sind in der Lage, eine Gesellschaft, eine Zivilisation mit behütender, unnachgiebiger Besonnenheit zu lenken.

Das Boot schaukelte kraftlos in den Wellen, das Meer schubste es vor sich hin wie einen Spielball, während die Passagiere blinzelnd in die Sonne schielten und die Wärme genossen. In der Ferne ragten kantig und scharf schwarze Felsen empor...

[...]By battle worn hunger torn awaitening
For the sun to break through the cold haze
And for the banners of Ebal to appear
On the hill in the suns first warm rays

The elder among the men looked deep into
The fire and spoke loud with pride
Tomorrow is a fine day to die

Now the morning advance from far east
Now the sun breaks through dustclouds and haze
Now a forest of spears appears on the hill
And steel shines bright in the suns first rays

Die
Die
Die
 Die 

~ Bathory - A Fine Day to die

leere
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13. Dezember 2010

Zu Nihilismus und Transzendenz

In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der »Weltgeschichte«; aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. -- F.W. Nietzsche - Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne

Nihilismus ist der Gedanke der völligen Nichtigkeit, der totalen Bedeutungslosigkeit jeglicher Emotionen, Wertschätzungen und fasst diese als allein dem subjektiven Verstand (und sonst nichts) inhärent auf - als mit der Materie vergängliches Empfinden. Als solches verneint der Nihilismus absolutistische Ansprüche einer allgemeinen, außerhalb des Selbst unbedingt gültigen Moral, er verneint die Fähigkeit, Wahrheit zu kennen, wahres Wissen zu besitzen und dieses kommunizieren zu können, er an-nihil-iert die Frage nach dem Sinn des Lebens und stellt der Existenz das Nichts entgegen.

Der Nihilismus ist das Versinken in einem eisigen See, in dessen Tiefe man nur Schwärze erkennt und die einzige Stimme die der eigenen im Kopf ist, er ist der Blick in den winterlichen Nachthimmel und das Gefühl, von der ewigen Weite des Universums verschluckt zu werden, ohne die Aussicht, jemals ein Ende oder einen Anfang erblicken zu können. Der Nihilismus ist der entomologische Blick auf die Erde, der die unpersönliche, zeitgleiche Wahrnehmung vom Leiden und den Freuden der Menschheit ermöglicht, in dessen Fokus die Geburt eines Kindes gleichsam unbedeutend mit seinem frühen Tod ist, in dem Grausamkeit gleich Zärtlichkeit ist und Blühte gleich Zerfall, denn Tragik, Drama, Glück, Freundschaft und Liebe sind in ihm alle nichts. Gut und Böse sind ihm menschliche Konzepte, er steht jenseits von Gut und Böse. Nihilismus ist die nackte Tatsache, Ursache und Effekt, Nihilismus erfasst das Ist eines erlebten Augenblicks und nichts darüber hinaus.

Die Wirkung des Nihilismus kann eine zersetzende sein, schwer wiegt seine Last. Dem wohlig-wärmenden Gefühl einer erkennbaren Sinnhaftigkeit, die sich außerhalb von uns gestaltet, entrissen, verzweifeln viele in Anbetracht der kosmischen Weiten, derer sie bislang nicht gewahr wurden und deren erdrückende Totalität ihnen den vitalen Funken in der Brust nimmt. In ihrer Not, gleichermaßen frei und doch dazu genötigt zu sein, selbst Sinn zu finden, klammern sie sich an das, was ihnen als einziges übrig geblieben, wahr erscheint und weisen den scheinbar wirklich existierenden, berührbaren Dingen eine absolute Dimension der Wertigkeit zu, dabei vergessend, dass das tangible Materielle - nackte Körper, die Bequemlichkeit, Luxus und gutes Essen - ebenso nichts weiter als sensorische Eindrücke sind - ein Trugbild. Doch die betäubende Illusion, dass die Materie die sinngebende Opposition zum Nichts sei, vermag es nicht, die Herzen der Menschen dauerhaft zu zähmen, denn das Schwelgen in sinnlichen Genüssen bietet nur kurzweilige Ablenkung. Man schreckt gelegentlich des Nachts auf, wenn das Fenster offen ist, eine kühle Brise hineinweht, der Kosmos seine Arme um einen schließt und man die Welt rauschen hört. In diesen Momenten nimmt man das Leben plötzlich als endlich wahr, man wird sich bewusst, dass sich die Welt auch ohne dich weiter dreht, dass man selbst únd alles, was einem wichtig ist, einen Tod zu sterben hat und diese Erkenntnis die einzige Gewissheit ist.

Indem wir nicht immer vom Tod sprechen können, ist unser ganzes Gerede trivial. -- Davila

Oh Horror, oh Gram, welche Trostlosigkeit. In dieser Tristesse, einzig auf uns selbst zurückgeworfen, als unser alleiniger, wahrer Gesprächspartner, wie ist in ihr noch Lebensfreude zu erhalten, was vermag den Menschen noch Seelenfrieden im Angesicht des Nichts zu geben ? Wie vermag er noch einen Sinn im Nichts zu finden ?

Die Kälte einer gleichgültigen, entmenschlichten Welt, die der Nihilismus erfühlen lässt, mag uns erschaudern lassen, doch ähnlich einer kalten Dusche setzt sie ungeahnte Energien frei. Als initiatischer Schock fungierend, platzen durch Einnahme der nihilistischen Perspekte subjektiv konstruierte Vorstellungen und Trugbilder von unserer Wahrnehmung: Es ist nichts mit der Moral, absolute Wahrheit ist nicht erkennbar, Gott ist tot und nur der Tod ist wahr.

Gott ist in der Tat tot und wir waren es, die ihn töteten, wie es sinngemäß in Nietzsches Metapher vom tollen Mensch heißt und es liegt an uns, das Feld mit seinem Kadaver zu düngen und es zu neuer Pracht zu bestellen. Akzeptieren wir kalten Blutes die Bedeutungslosigkeit des Seins. Objektive Wahrheit mag uns auf ewig verborgen bleiben, es mag uns nimmer gelingen, zu dem Ding an sich vorzudringen und eine absolute Bedeutung des (unseren) Lebens zu erkennen. Die bloße Unmöglichkeit jedoch, absolute Wahrheit zu kommunizieren, bedeutet nicht, dass wir keinen Sinn zu finden - oder vielmehr zu wählen - in der Lage wären.

If you seek the kernel, then you must break the shell. And likewise, if you would know the reality of Nature, you must destroy the appearance, and the farther you go beyond the appearance, the nearer you will be to the essence. -- Meister Johannes Eckhart

Nachdem der Schmerz abgeklungen ist, lässt sich erkennen, dass wir zwar keine absolute Wahrheit zu erfassen vermögen, aber eine Ableitung der wahren Essenz, unsere hiesige Realität miteinander teilen, dessen Wirkweisen und Grundstrukturen in unserer empirischen Wahrnehmung konsistent sind. Die Menschen, jeder Stoff und alle Materie an sich agieren gemeinsam in diesem Raum, der gemeinsame Nenner aller Existenz. Die Frage ist, was wir mit dieser Feststellung anfangen.

Idealismus nach dem "Cambridge Dictionary of Philosophy, Second Edition": The philosophical doctrine that reality is somehow mind-correlative or mind-coordinated -- that the real objects constituting the 'external world' are not independent of cognizing minds, but exist only as in some way correlative to mental operations.

Transzendenz ist mitnichten das Erkennen des Urgrunds, das Erblicken der Essenz, des Dinges an sich. Man mag subjektive Eingebungen für diese halten, doch letztendlich bleibt dieser Eindruck im Bereich des Glaubens. Für den aktiven Nihilisten hingegen ist dieses Bestreben irrelevant, er folgt einem kosmischen, integralen Idealismus: Die Schöpfung ist heilig und so ist das Nichts. Unsere Gedanken und Ideen sind mit unserer Welt korreliert und wir sind fähig, ihre Wirkweisen mit unserer Auffassung von Ästhetik und Präferenz zu koordinieren und in Harmonie zu bringen. Die Welt ist unsere Idee, Repräsentation unseres Willens zur Macht, Materie und Idee sind durch unsere Handlungen miteinander verbunden. Wie oben (in unserem Kopf), so sei es unten (auf Erden). Transzendenz in diesem Kontext ist das Entzünden und Pflegen einer Flamme, die das Materielle überdauert, indem sie durch ideeliche Meme - Werte; Prinzipien; geteilte Auffassungen der Dinge - und persönliche Hingabe fortgetragen wird und damit weder von materieller oder subjektiver, noch von "jenseitskonzeptioneller" Art ist. Die Flamme ist Ästhetik, das, was wir als hoch und heilig empfinden, das, was auch nach unserem Tod noch Bedeutung haben wird (falls sich die Idee nicht als völlig unrealistischer Schund erweisen sollte und wir uns selbst zerstören) und das Dunkel erhellt, weil eine Gruppe von Menschen ihr höchsteigenes, inhärentes Empfinden zu einer gemeinsamen Vorstellung von Bedeutung verbanden.

Nihilismus ist weder atheistischer Materialismus, der ignorant gegenüber der Möglichkeit von Dimensionen größer als der unsrigen ist, noch weilt er in abstrusen Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod, deren moralische Imperative mit den Mechanismen der Welt nicht kongruent sind und ihre Anhänger in die Verdammung führen. Die Menschheit kann sich weiterhin im Schlammpfuhl oberflächlicher Vergnügungen ersäufen, pathetisch, vor Angst kriechend, bis der würdevolle geistig aufrechte Gang ein Atavismus und der zerlumpte, nach Sex und Alkohol stinkende Hedonist das sozial erstrebenswerteste Lebensmodell ist. Wer jedoch Sehnsucht empfindet, wem die Schalheit modernen, oberflächlichen Lebens und die Befriedigung des Selbst nicht genug sind, wer dieses Leben als einmalige Chance auffasst, zu kreieren, wer es liebt und so voll wie möglich erfassen möchte, wer Ehrfurcht für diese Schöpfung, dessen Teil er ist, empfindet -- derjenige wird Nihilismus nicht als Last empfinden, sondern vielmehr als Öffner der Pforten zu einer Wahrnehmung der Existenz, die voller, reifer und ehrlicher ist, als all die zuckergetränkten Illusionen, die unsere Angst vor Tod und Bedeutungslosigkeit verbergen sollen. Plötzlich sind all die eitlen Spielchen der Menschen nicht länger von Belang.

Der Nihilist wird keine Gewissheit finden, aber auch keinen Grund, zu zürnen oder zu fürchten. Himmel und Hölle liegen auf Erden, es sind unsere Entscheidungen, die sie formen.

leere
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14. Oktober 2010

Der Nihilismus

Der Nihilismus

Es wurde schon viel über den Nihilismus geschrieben - hauptsächlich, weil man anscheinend für alles Gute im Leben auch etwas Schlechtes braucht, nämlich den Glauben an nichts: Dass nichts erstrebenswert ist, dass nichts jede Bedeutung annehmen kann, dass das Individuum und die Welt nichts sind. Dies bezeichne ich als Fatalismus, denn, ganz ehrlich, wenn jemand an nichts glaubt - nicht einmal an die Lebensfreude, die grundlegendste aller Freuden - dann ist der Tod ein Geschenk und eine Erlösung. Wenn dein Schicksal so schrecklich ist, dann begrüße ihn und stirb auf eine gute Weise! Vielleicht kannst du dich kurz aufraffen, eine Bombe um deinen Körper schnallen und dich inmitten einer kommerziellen Orgie, wie etwa einem Einkaufscenter während der Weihnachtszeit, in die Luft jagen - und so einige Menschen, die an einem etwas subtileren Fatalismus leiden, mit in den Tod reißen.

Meiner Meinung nach ist der Nihilismus die Beseitigung jeder Wertvorstellung, die wir von allen Dingen haben, außer das, was ich das Inhärente nennen und gleich definieren werde. Wenn Menschen über Satan, über den Krieg gegen Terrorismus, oder über das große Streben nach allgemeiner Gleichheit jammern, kann man sie direkt in die Augen schauen und sagen: "All diese Dinge haben keinen Wert außer den, den wir ihnen aufbürden." Wenn Menschen dir sagen, wie wichtig es ist, den neusten Film zu sehen, auf dieser exklusiven Feier zu gehen, oder einen schicken Wagen zu besitzen, kann man ihr Besorgnis nach dem gleichen Muster zurückweisen. Der Nihilismus ist die Beseitigung von allem, außer dem Inhärenten.

So wie ich es sehe, ist der Nihilismus eine Durchgangsphilosophie: Die anfängliche Erkenntnis auf dem Pfad des Lernens. In starkem Kontrast zu den Philosophien, die mit "Glauben" gleichgesetzt werden, bei denen alle, die in den Tempel gehen und ein Bekenntnis vortragen, Weisheit erhalten haben sollen, haben die Lebensphilosophien, die keine bloße Scharade sind, esoterische Auffassungen angenommen. Aus esoterischer Sicht erhält derjenige Weisheit, der nach ihr sucht, und nicht immer gleich viel; es gibt keine magische Schwelle, über die er schreiten kann, um ein heiliges Zeichen auf seiner Stirn malen und als weise gelten zu können. Stattdessen erwarten ihn endloses Lernen und gleichermaßen endlose potentielle Fallgruben. Wenn er die nihilistische Philosophie annimmt, hat er den ersten Schritt seiner Initiation genommen - die Beseitigung jeder externen Wertvorstellung leitet weitere Entdeckungen ein.

Die meisten Philosophien unserer Zeit propagieren entweder irgendeine absolute, universelle Weisheit als den einzig wahren Pfad zu Rechtschaffenheit und Macht, oder machen de facto das gleiche auf individueller Ebene, indem sie die Realität als "alles, was es deiner Meinung nach sein könnte", darstellen. Das sind keine richtigen Philosophien, sondern eher extreme Versuche, die ewige Frage ("Was ist real/wahr/bedeutungsvoll?") zu beantworten. Der Nihilismus bietet einen Ausweg aus diesem Paradoxon: Es bestätigt das Leben selbst als Antwort auf die Frage nach seinem Sinn: 'Was ist bedeutungsvoll?' wird zu 'Das Leben selbst ist bedeutungsvoll!' und lässt uns erkennen, dass das Leben ein fortlaufender Prozess ist, der nicht einfach zu einer Frage des 'Glaubens' reduziert werden kann, oder seine Bedeutung in begrenzten modernen Konzepten wie etwa 'Geld' finden kann. Ein gutes Leben verkörpert Schönheit, Wahrheit und Bedeutung.

Aber wie soll man ein solches gutes Leben definieren? Wenn wir nach dem Absoluten streben, wie etwa die bequemste Lebensweise, oder die meiste Macht, oder das meiste Geld, oder die größte Beliebtheit, erkennen wir, dass dies alles extern definierte Dinge sind, die einem nicht wirklich zufrieden machen können. Es ist sinnvoller, sich an den Ahnen zu orientieren und ein gutes Leben anders zu definieren, nämlich indem man sein Schicksal und damit seinen Platz im Inhärenten annimmt. Der Nihilismus beseitigt unsere Vorstellung, dass ein gutes Leben etwas sein kann, das außerhalb des Individuums definiert werden kann. Andererseits erkennt sie auch die Schwäche des Individuums: Keiner wird jemals immer nur die 'Wahrheit' (nämlich die Ursachen der Abläufe in der externen Realität) sehen können.

Das soll allerdings nicht den seichten 'Objektivismus' billigen, wie zum Beispiel den von Alissa Rosenbaum ("Ayn Road"). Für sie ist der Materialismus ein philosophisches Objekt, das in der Tradition steht, in der sie aufgewachsen ist - die des Judentums, das trotz seines dualistischen Glaubenssystems kein einziges Ideal über materielles Wohlbefinden (Macht, Reichtum, gesellschaftliche Stellung) stellt. Diese 'objektivistischen' Philosophien sind reine Parodien, denn sie haben den Sinn des Lebens mit den Mitteln zum Leben ersetzt und sind so der Frage nach seiner Bedeutung ausgewichen. Der Objektivismus des Nihilismus kommt dem der Naturwissenschaften oder dem der alten religiösen Traditionen des Vedas näher: Wir sind alle im gleichen Raum eingeschlossen, der einheitliche Regeln hat und auf uns allen, egal, ob wir es wahrnehmen, oder nicht, auf einer vorhersehbaren Weise wirkt.

Ein Beispiel: Wenn zwei Menschen einen Ball hin und her werfen, wird der Ball einen objektiven Kurs folgen, egal ob der Fänger diesen richtig eingeschätzt hat, oder nicht. Wenn der Werfer die Entfernung falsch eingeschätzt hat, wird der Ball weit vom Fänger landen. Dieser kann aber den Kurs des Balls erkennen und versuchen, den schlechten Wurf zu kompensieren. Von außen betrachtet ist dieser Bewegungsablauf 'objektiv' und die Gedanken der beiden Personen 'subjektiv' - beide Vorgänge müssen jedoch nicht zwangsläufig zueinander passen. Dieses Spiel hilft einem, auf eine spaßige Weise seine eigene Realitätswahrnehmung der externen Realität anzupassen, die, gemäß ihrer Struktur und ihren Mechanismen, vorhersehbar ist.

Mark Aurel gibt uns ein Teil des Puzzles:

Wie man sich bei Leckerbissen und anderen Speisen dieser Art vorstellen kann, daß es sich hier um den Kadaver eines Fisches handelt, um die Leiche eines Vogels oder Schweines, und weiter, daß der Falerner nur der Saft einer Traube und das Purpurgewand nur die Wolle eines Schafes ist, die mit dem Blut einer Schnecke getränkt wurde und daß bei der geschlechtlichen Vereinigung nur ein Reiben des Gliedes und eine Absonderung von Schleim verbunden mit gewissen Zuckungen stattfindet - wie man diese Vorstellungen gewinnt, die den Kern der Sache treffen und ihren eigentlichen Gehalt bewußt machen, sodass man sehen kann, um was es sich in Wirklichkeit handelt, so muß man es das ganze Leben lang tun, und wo einem die Dinge allzu seriös vorkommen, muß man sie entblößen, ihre Wertlosigkeit erkennen und ihr hohes Ansehen zerstören, auf dem ihre Wertschätzung beruht.
- Marcus Aurelius, Selbstbetrachtungen, VI, 13

Wenn man sich ausschließlich den rein physischen Aspekten des Lebens widmet, erkennt man zwar Anzeichen von Bedeutung, aber nicht Bedeutung selbst. Im eben beschriebenen Spiel ist nicht die Qualität des Balls und auch nicht die Sensation, ihn vorbeifliegen zu sehen, von Bedeutung, sondern die Fähigkeit, den Ball zu fangen, und somit die Bewegung des Werfers und die des Fängers zu vereinen. Ein Nihilist, der mit dem Wert des Nicht-Werts vertraut ist, erkennt so, dass weder das Objektive, noch das Subjektive bedeutungsvoll ist, sondern ihre Vereinigung im Inhärenten, die das Individuum in seiner Interaktion mit der physischen Welt stärker macht. Ähnlich verhält es sich mit symbolistischen Weltanschauungen: Sie entwerfen eine 'duale' Welt, in der Symbole wichtiger sind, als das Leben selbst. Ausschließlich auf das Physische oder Symbolische zu verharren, ist ein Irrtum des Verstandes (und entspricht in etwa das Judentum und das Christentum).

Diese Art zu denken überansprucht jedoch die meisten Menschen. Aus diesem Grund kritisieren so viele an dieser Seite, dass es nihilistisch ist, es aber trotzdem wagt, an mehr als puren Fatalismus zu glauben. Die Gebildeten unter dieser Masse sind die Russell-Wittgenstein Anhänger. Ihnen hat man gesagt, dass die Sprache fehlerhaft und infolgedessen falsch ist und dass sie sich gänzlich dem Subjektivismus hinwenden sollen, um so den objektiven Nachweis der Wahrheit der Unwahrheit zu führen. Die Zen-Philosophie hat eine gutmütigere Sichtweise - eine, die sich klugerweise nicht durch Sprache, sondern durch reines Erleben ausdrückt - denn manchmal muss der Schlag des Zen-Meisters bestätigen, dass die Realität in der Tat real ist.

Der Nihilismus ist eine Durchgangsphilosophie, deren Ziel die Erkenntnis des Inhärenten ist. Denkende Wesen, die sich in sich selbst isolieren, isolieren sich gegen ihre Intuition gleichzeitig von der Realität des Lebens. Die häufigsten Fehler, die sie begehen, sind als Fänger den Ball an einer falschen Stelle zu erwarten, oder als Werfer, der von der Sonne geblendet wird, ihn an die falsche Stelle zu werfen. Die Behauptung, dass der Ball an der falschen Stelle gelandet ist, ist weder eine logische Schlussfolgerung, noch kann sie moralisch beurteilt werden: Beide an diesem Spiel beteiligte Menschen täuschen sich selbst, indem sie glauben, dass ihre eigene Realitätswahrnehmung der externen Realität, die für Raum und Zeit und alle anderen natürlichen Tendenzen verantwortlich ist, die dieses Spiel erst möglich machen, überlegen ist. Das ist die Grundlage des Inhärenten.

Das Leben selbst kann man nicht definieren, außer wenn man die für eine Definition entscheidenden Faktoren sehr einschränkt. 'Existenz' ist vielleicht ein passenderer Begriff, doch letztendlich beruht die Existenz auf natürliche Gesetzmäßigkeiten und die 'Realität', die sogar auf einer Ebene niedriger als die rein physische bestehen kann. Dass es natürliche Gesetze gibt, die die Materie wahrnehmbar erscheinen lassen, oder dass es Regelmäßigkeiten oder logische Zusammenhänge gibt, bestätigt nur das Wesen der Materie. Was Aurel oben beschreibt, ist die Akzeptanz unserer Existenz, aber die Einsicht, dass sie keine Bedeutung, außer der, die wir ihr beimessen, hat: Sie ist eine Abstraktion, die auf das Inhärente basiert und die auch das Leben selbst beinhaltet.

Anders gesagt finden wir das Leben gut, wenn wir spüren, dass es eine Bedeutung hat, was wohl der größte Faktor eines gut geführten Lebens ist. Unsere Umwelt schenkt uns eine Existenz - entweder passen wir uns ihr an, oder wir driften in unsere eigenen Fantasiewelten ab. Wenn wir uns ihr anpassen, ziehen wir unser Vergnügen aus der Tatsache, dass wir die Tendenzen unser Existenz an ihr angleichen können - wie das Fangen eines Balls, das von einem anderen wahrnehmenden Wesen geworfen wurde und von den natürlichen Kräften durch Raum und Zeit in unsere Hand befördert wurde. Dies ist die Natur des Inhärenten und es gibt nichts, das höher oder niedriger einzustufen ist.

Um diese Stufe zu erreichen, muss man sich dem Reinigungsprozess des Nihilismus unterzíehen, indem man jede 'Bedeutung', die uns andere Menschen nahelegen, oder die uns aus physischen Gründen so 'erscheint', beseitigt. Sex gibt dem Leben keinen Sinn, sondern nur die gegenseitige Beziehung zweier Menschen, da das Vergnügen kurzlebig ist und Schmerz nicht verhindern kann (sogar der größte Kiffer kann dir sagen, dass sogar die absolute Glückseligkeit eines hervorragenden Rausches mit der Zeit ihren Reiz verliert, da der Ablauf immer der gleiche ist). Um dies aber wieder zu relativieren, ist auch nicht der Symbolismus der Liebe, der Reinheit, oder der Keuschheit real; es ist die geteilte Wahrnehmung des Inhärenten, aber nicht das Inhärente selbst. Nur das Inhärente hat eine Bedeutung und jeder von uns kann das, je nach unserer Begabung, erkennen.

Eine weitere Definition des Inhärenten ist das Transzendieren des Körper-Geist-Dualismus des Lebens; die meisten sehen entweder im Geist und den Abstraktionen, die wir 'gut' und 'böse' nennen, oder im Körper und seinen materiellen Bedürfnissen den höchsten Wert des Lebens. Es ist jedoch viel vernünftiger, einen mechanistischen Ansatz zur Analyse des Lebens zu vermeiden, und zu erkennen, dass der Wert des Inhärenten ein 'Wert des Ganzen und seiner Stellung im Ganzen' ist; wir können uns nicht vom Ganzen trennen, oder es als etwas von uns getrenntes betrachten. Es hat uns hervorgebracht und uns mit Kenntnissen ausgestattet - sogar im Nihilismus selbst erkennt man den Widerspruch zum Fatalismus: Wir sind die Agenten des Ganzen und unsere Taten beeinflussen, je nach unserer Begabung, die Zukunft.

So kommen wir zur 'schmerzhaftesten' Erkenntnis des Nihilismus: Nein, meine Freunde, wir sind nicht alle 'gleich', weder in einem kosmologischen Sinn, noch was unsere Begabung angeht. Manche sind schlauer, manche stärker, manche haben einen besseren Charakter - wenn man das erkennt, beseitigt man die große soziale Illusion, die den Nihilismus blockiert. Die große Menge, die das Inhärente nicht wahrnehmen kann, oder es wegen ihrer undifferenzierten Stellung innerhalb diesen leugnet, möchte gerne, dass wir nach dem Gleichheitsprinzip urteilen, sodass wir an einer devotionalen 'Wahrheit' teilhaben können und wir durch das Aufsagen von ein paar einfachen Worten auf eine Ebene der heiligen Erkenntnis gehoben werden. Die Natur ist real und in der Natur werden viele geboren, doch wenige überleben; das ist die sicherste Methode, um jede Generation eine bessere Version eines Organismus hervorzubringen - diejenigen, die in der Zukunft leben, werden ein besseres Leben haben.

Der Nihilismus ist ein Durchgang und der Versuch, es in einem sauberen Internetartikel zusammenzufassen, den man während der Mittagspause lesen kann, bevor man wieder zu stimulierenden Aufgaben wie Faxe schicken, Autos reparieren, Reden zu verfassen, oder Toiletten zu reinigen, zurückkehrt, ist unklug. Für diejenigen, denen Genauigkeit wichtig ist, ist die Philosophie eine esoterische Tätigkeit. Sie offenbart sich nur langsam - durch Erfahrung - und jeder Versuch, den Weg abzukürzen, ist devotionaler Egalitarismus und somit eine Illusion. Für diejenigen, denen die normale 'Bedeutung' des Lebens nichts gibt, soll dieser Artikel eine Einladung sein, diesen Durchgang zu wählen: Glaube an nichts, damit du das etwas, das wahre Bedeutung hat, finden kannst.

Dezember 15, 2004

Unser Dank an 1191.4814.5102 für diese Übersetzung

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09. Dezember 2009

Dunkelheit in der Tiefe

Trotz Unterhaltung, Sex und der Freiheit zwischen hunderten Möglichkeiten medialer Ablenkung zu entscheiden, haben wir über die Jahrzehnte in ihnen nicht so recht den Schlüssel zum Glück gefunden. Das Leben ist zwar einfacher, aber auch leerer geworden.

Figures obtained by the Liberal Democrats reveal that antidepressant prescription numbers are going through the roof – 36m scripts were handed out to patients in England last year, a rise of 2.1m on 2007. That's almost one for every adult. Lib Dem health spokesman Norman Lamb is right to describe the figures as "deeply disturbing".[...] These include building good relationships, lifelong learning, being kind to others and exercise – not rocket science, but somehow we seem to have forgotten them.[...] Quelle
Statt nach den Ursachen zu suchen, wird Chemie gegen Symptome verschrieben. Sensationalismus, ständige Reizüberflutung und immer präsenter Informationsfluss, eine schier endlose Auswahl an Optionen, Hektik und die Anonymität des Alltags lähmen unseren Geist durch einen Overkill der Eindrücke, so dass wir die immanenten Bedürfnisse, die an sich sehr schlicht und doch so elementar für unser Wohlbefinden sind, in den Irrungen unserer Gedanken nicht länger wahrnehmen und sie vernachlässigen. Wir haben sie einfach vergessen. Stattdessen suchen wir Surrogate und verfolgen nur das Angenehme, um trotz unserer inneren Taubheit noch irgendwoher einen Reiz zu entlocken.

Blicken dann manche in den Stunden ohne äußere Ablenkung nüchtern aus kosmischer Perspektive auf ihr Leben, wird ihnen der gewaltige Abgrund vor dem sie bislang unbemerkt standen und der ihr ganzes Leben umzieht, erst bewusst. Ergreift seine Dunkelheit in der Tiefe von ihnen Besitz, reagieren die Menschen unterschiedlich. Manche ignorieren den Abrund daraufhin noch stärker, leben neben ihm und glauben, dass keine Weg über ihn führt (Fatalismus). Einige vergessen ihn und werden irgendwie glücklich. Andere drehen sich um, lassen den Abrund im Rücken und begeben sich in sichere Gefilde, in denen sie nicht länger in seine Finsternis blicken müssen (Religiöse Absolutheitsansprüche). Wieder andere ertragen die stetige Gefahr der Tiefe nicht und stürzen in die Dunkelheit, um sich nicht länger quälen zu müssen. Aus der Beschränktheit, die ein Leben innerhalb des vom Abgrund umzogenen Gebiet ihnen in Aussicht stellt, sehen sie keinen andere Perspektive, die Schlucht scheint unüberwindbar und hinter ihnen laufen alle Wege unausweichlich wieder auf sie zu. Der Schatten wandert in ihre Köpfe, verlässt sie niemals (oder für lange Zeit nicht), bis sie keine Kraft mehr haben und aufgeben (gebrochene Menschen).

Die Mutigsten jedoch klettern in die Tiefen hinab, wandern eine Zeitlang am Boden entlang, um auf der entgegen liegenden Seite wieder hochzusteigen, gestärkt und furchtbefreit suchen sie in den Weiten der anderen Seite nach Antworten. Einmal aus ihrem Gefängnis entkommen ist die Erkundung des unendlichen Horizonts ihnen Sinn genug.

leere
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21. Oktober 2009

Die verlorene Romantik

Die fehlende Erkenntnis von Schönheit generiert einen materialistischen Lebenswandel. (mehr)

08. Mai 2008

Zur Leere des Nichts werden

TranszendenzZwei Freunde diskutieren das Wesen der Existenz und kommen zum Ergebnis, dass sie durch ihre Polarisierung den Kern verfehlt haben... (mehr)

22. Februar 2008

Was ist Transzendenz?

Vom Wesen der Transzendenz und auf welchem Weg man sie am Besten erreichen kann. (mehr)

10. Januar 2008

Ginnungagap

23. Sep. 2007Ginnungagap| Eine Gegenüberstellung von Zusammenhalt im Universum und der (europäischen) Bevölkerung. (mehr)

N e u e s

A u t o r e n



"Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun."
- J.W. Goethe


"Das Vieh stirbt und Freunde sterben, endlich stirbt man selbst:
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
wer guten sich gewann."
- Havamal



"Wenn die Menschen über Gott sprechen, denkt ein Nihilist an Gestalt und Struktur eines Waldes."
- Vijay Prozak



"Die Weisheit besteht nur darin, weder das Nichts, das der Mensch ist,
noch die Schönheit,
die manchmal in seinen Händen entsteht, jemals zu vergessen."
- N.G. Dávila