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Deutsche Nihilistische Gesellschaft - Nihilismus, Traditionalismus, Pan-Nationalismus

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20. November 2011

Realität und Sentimentalität

Nur ein Kind pro Familie, das ist in China Gesetz. Wer dagegen verstößt, den bestraft die Volksrepublik drakonisch. Nun regt sich Widerstand: Ein Vater kämpft für seine zweite Tochter, selbst einheimische Medien feiern ihn - und eine Abtreibungsärztin spricht öffentlich über ihre grausame Arbeit.[...]Im Schnitt, sagt sie, habe sie zehn Abtreibungen pro Tag vorgenommen, damals Anfang der achtziger Jahre, als sie im Krankenhaus arbeitete. Manchmal kam sie auch auf 16 tote Föten am Tag. "Und das", sagt sie, "war ja nur, was ich selbst tat." Sie erzählt leise, ausdruckslos, wie sie die Auszeichnung bekam "Kein Unfall während 1000 Operationen" und den Bonus von 50 Yuan für ihre gute Arbeit. Wie die Frauen nach der Injektion ins Badezimmer liefen und erst zu spät merkten, dass das, was sie die Toilette hinuntergespült hatten, ihr eigenes Kind gewesen war. Wie diese kleinen Körper in der Abfallgrube hinter der Klinik landeten und Nachbarskinder mit Stöcken in der Grube stocherten. Vier, fünf, sechs, manchmal auch sieben Monate waren die Föten alt, die Wu tötete. Sie sagt: "Wir waren gleichgültig. Wir hatten keinen Respekt vor dem Leben." Auch die Frauen, die zu ihnen auf die Station gebracht wurden, seien so still gewesen, stumpf. "Wie eine Kuh, die darauf wartet, geschlachtet zu werden." Quelle
Die Wirklichkeit ist unbarmherzig. Sie nimmt keinerlei Rücksicht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, auf Lebenspläne, sie schert sich nicht um Sentimentalitäten oder Wünsche. Kühl vollzieht sie, was nach ihren Gesetzen vollzogen werden muss und zwingt uns, bereit und besonnen auf sie zu reagieren - oder unterzugehen. Wir werden genötigt, Realität zu erkennen, sie zu bewerten, unsere Reaktionen zu prüfen und abzuwägen. Jemand schlägt eine Strategie vor, wie auf die Realität am besten zu reagieren sei, doch ihr Diktum gefällt vielen nicht, impliziert es doch das Ertragen von Unannehmlichkeiten. In unserer Ignoranz verteufeln wir diejenigen, die sich in der Verantwortung fühlen, uns stets die Konsequenzen unseres Handelns vor Augen zu führen.

Der Beruf einer Abtreibungsärztin gehört wahrscheinlich zu den scheußlichsten Arbeiten, die ein Mensch verrichten muss und ist gerade damit ein plakatives Beispiel dafür, was passiert, wenn wir unbedacht und nachlässig handeln. Denn was macht die Existenz dieses Berufes überhaupt notwendig ? Ist der Grund seiner Existenz die Unmenschlichkeit eines riesigen bürokratischen Staatsapparates, seine berechnende und pragmatische Distanz, sein Wunsch, die Staatskosten aufzubessern ? Ist er es, der Frauen schwängert ? Oder sind es vielleicht Unkeuschheit, Nachlässigkeit, Unvorsichtigkeit, fehlende Triebbeherrschung derjenigen, deren Föten den Weg in die Kanalisation finden ? Lassen wir diese Frage spaßeshalber offen...

China ist mit rund 1,3 Mrd. Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde, und viele seiner Regionen gehören zu den am dichtesten besiedelten der Welt. In der Geschichte des Landes waren Überbevölkerung und die damit verbundenen Probleme bei der Ernährung der Menschen Ursache für tiefe politische und wirtschaftliche Krisen und Hungersnöte. Die Volksrepublik China geht deshalb in der Bevölkerungspolitik Wege, die weltweit einzigartig sind und im Inland wie Ausland Kontroversen auslösen.[...]

Bei der Gründung der Volksrepublik China galt China als das Land der Hungersnöte.[...]Bei allen Verbesserungen im Detail ist das Hauptproblem der chinesischen Bauern jedoch erst ansatzweise gelöst. Es gibt in China für das zur Verfügung stehende Land zu viele Bauern, und deshalb haben die meisten Bauern zu wenig Land zum Bewirtschaften. In Zentralchina hat eine Person im Durchschnitt nur 10 Ar (1000 Quadratmeter) Land zur Verfügung. Die Landbevölkerung Chinas beträgt ungefähr 800 Millionen Menschen, für die Bewirtschaftung des Landes werden aber, selbst beim Einsatz nur einfacher Mittel, nur 100 Millionen Menschen gebraucht. Solange nicht Industrie in Zentralchina aufgebaut wird, werden die Bauern arm bleiben.[...] Quelle

Wir alle wollen unser Glück finden. Doch alles Tun hat Konsequenzen, direkte oder indirekte, unmittelbar erkennbar oder von einer solchen Art, deren Entwicklungsprozess sich erst nach Jahren abzeichnet. Im Falle der eigenen, freien Handlung, die die Freiheit des anderen nicht beschneidet, handelt es sich um eine Mär, die wir nur allzugerne rezipieren. Wir hören sie so gerne, weil ihre wohlklingenden Versprechungen der Unbeschränktheit primär auf unmittelbar und direkte, gegenwärtige Verhältnisse bezogen sind, in der Meinung, damit planerischer Abwägung, Rücksicht und sozialer Verantwortung Genüge getan zu haben. Der Mensch ist ein bequemes Wesen, der sich mit auf diese Weise in selbstbetrügerischer Weise die Mühe erspart, auch noch den Felsen der indirekten Folgen unseres Handelns allzugründlich wälzen zu müssen.

Alles, was auf Erden geschieht unterliegt dem Ursache-Wirkung Prinzip. Eine in der Gesellschaftsgleichung nicht angemessen berücksichtige Handlung oder die Duldung eines Zustandes sickert durch die diversen Strukuren des sozialen Gefüges, schlägt sich als Wirkung in irgendeinem vernachlässigten, nicht bedachtem Winkel der gesellschaftlichen Ordnung nieder, versteckt, subtil und unscheinbar wirkt er in virulenter Manier nach außen hin, beeinflusst, zerrt, verschiebt und bricht.

Die Realität in China ist, dass mit 1,3 Milliarden Mäulern, die nicht bloß zu füttern, sondern auch mit Unterkunft, medizinischer Infrastruktur, (Alten-)Pflege und den redundanten Spielzeugen der Moderne zu versorgen sind, versorgt sein wollen, die Ein-Kind Politik eine bittere, aber notwendige Maßnahme ist, um nicht vollends die Kontrolle über das Ruder zu verlieren. Verständlich, der Wunsch des Mannes, seine zweite Tochter nicht verlieren zu wollen, verständlich, für sie die grundlegenden Rechte eines chinesischen Bürgers zu verlangen. Verständlich ebenfalls die Haltung der Regierung, ihm diese Wünsche zu verwehren, sich durch die Sentimentalitäten seines Einzelschicksals nicht den Blick auf die Weisungen der demographischen Situation des Landes trüben lassen zu wollen und Gefühle nicht als Argumente für eine Lockerung ihrer Politik anzusehen.

Unbeliebt sind stets jene, die unpopuläre Wahrheiten aussprechen und uns ihrer gemahnen...

leere
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11. November 2011

Wissenschaft – Zwischen Gesellschaft und Erkenntnis

Empirie. Dieser Terminus gilt mithin als der Ausdruck von Wissenschaft. Dabei wird Empirie oftmals mit der Ableitung von wissenschaftlichen Kausalaussagen oder Ursache-Wirkung-Beziehungen auf Basis einer Wahrscheinlichkeit verwechselt. Dabei sagt Empirie nichts anderes als einen Gegenstand der Realität zu untersuchen; ihn z.B. zu beobachten, zu befragen, zu wiegen etc. Das sagt noch längst nichts über die Methode der wissenschaftlichen Untersuchung aus.

Warum steht diese Bemerkung zu Beginn? In diesem Artikel soll ein Abriss geleistet werden, wie Wissenschaft missverstanden, missdeutet und missbraucht wird. Das mag alles auf den ersten Blick nicht überraschen. Wenn jedoch hinzutritt, dass die Wissenschaft dies aus ihrer Scientific Community selber tut, dann muß aufgemerkt werden. Mit dem obigen Abschnitt soll deutlich gemacht werden, dass es mannigfaltige wissenschaftliche Ansätze gibt Wissenschaft zu betreiben und die Empirie ist nur einer davon, die quantitative Forschung (z.B. Untersuchung von Ursache-Wirkung-Aussagen) nur ein Teilbereich der Empirie.

Grundlegend will Wissenschaft entweder erklären oder verstehen. Der Unterschied zwischen beiden liegt darin, dass die erklärende Forschung Sachverhalte prognostizierbar gestalten will, um darauf vielleicht sogar Handlungsempfehlungen geben zu können. Die verstehende Forschung will denn Sinn hinter den Dingen im menschlichen Leben entdecken und durchdringen. Diese Forschung will Artefakte der Welt verstehen und diese greifbar machen. Die Frage danach, was nun Wissenschaft ist und was nicht, ist unsinnig. Beides ist Wissenschaft. Doch schon hier tun sich erste Gräben auf.

Die erklärende Forschung aber auch die verstehende Forschung ist wertneutral. Der Wissenschaftler darf seine Ergebnisse nicht werten und damit auch nur in einem vorsichtigen (wissenschaftlichem) Sinne interpretieren. Die verstehende Forschung steht in ebenso in dieser Tradition, jedoch ist die Sinnsuche z.B. hinter Artefakten stark subjektiv geprägt, so daß eine Wertung in vielen Fällen zumindest implizit mitschwingen kann. Der Forscher sollte darauf hinweisen. Er darf nicht postulieren Ereignisse in ihrem Wesen wirklich erfasst zu haben und er darf Handlungsfolgen der Geschichte nicht als Kausalursache deuten. Aus diesen Zeilen darf der geneigte Leser nun jedoch nicht folgern, dass damit die erklärende Forschung wünschenswerter sei. Daten und Zusammenhänge ohne Sinn sind leer. Daher bedarf es immer beider Forschungsseiten; je nach Forschungsvorhaben überwiegt die eine oder die andere.

Die Wissenschaft steht nicht alleine in der Welt. Für sie sind der Vergangenheit Paradigmen formuliert worden, in der sie zu funktionieren hat. Wissenschaft war freilich immer Teil seiner Gesellschaft. In der Antike war sie Ausdruck einer Natürlichkeit, war sie gegenüber der praktischen Arbeit hochgeschätzt. Vor allem Philosophen genossen hohes Ansehen. Im Mittelalter war sie verpönt, da sie gegen den göttlichen Fatalismus und den Glauben der Vorherbestimmtheit gerichtet schien. Auch heute gibt es solche Paradigmen. Die zwei wichtigsten dieser Tage sind der kritische Rationalismus und die kritische Theorie. Erstere Schule geht auf Karl POPPER zurück und fußt auf einer zentralen Annahme: Der Kritische Rationalismus setzt sich mit der Frage auseinander, wie wissenschaftliche oder gesellschaftliche (aber prinzipiell auch alltägliche) Probleme undogmatisch, planmäßig (‚methodisch‘) und vernünftig (‚rational‘) untersucht und geklärt werden können. Besonders die Ablehnung des Dogmatismus ist besonders zentral. Die kritische Theorie stammt aus Reihen der Frankfurter Schule und kann so beschrieben werden: Ihr Gegenstand ist die kritische Analyse der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, das heißt: die Aufdeckung ihrer Herrschafts- und Unterdrückungsmechanismen und die Entlarvung ihrer Ideologien, mit dem Ziel einer vernünftigen Gesellschaft mündiger Menschen.

Es fällt dabei schon sogleich auf, daß letztere Theorie damit bereits zumindest eine vage Vorstellung von Gesellschaft transportiert und diese durch die Wissenschaft zu stützen versucht. Damit hat sie implizit bereits eine Entscheidung getroffen, nämlich für ein Menschen- und Gesellschaftsbild und damit gegen viele andere mögliche Formen. Nach diesem Paradigma hat die Wissenschaft einen gesellschaftlichen Auftrag. Eine wissenschaftliche Verwendung von Erkenntnis ist nur auf Basis einer Gesellschaftstheorie möglich. Hier stellt sich die Frage: Wenn das so ist, wie ist aber die Erkenntnis der Gesellschaftstheorie möglich, die die wissenschaftlichen Ergebnisse zu interpretieren hat. Als Beobachter der Wissenschaft kann die Gesellschaftstheorie nur schwerlich auch Gegenstand der Wissenschaft sein.

Genauso verfehlt ist es von Vertretern des kritischen Rationalismus sie würden über den Dingen schweben und müssten nur die geeigneten Methoden für ihre Zwecke identifizieren. Ad absurdum wird dies geführt, wenn man das aktuelle wissenschaftliche Gebaren in Zeitschriften, Journals, Magazinen und Sammelwerken betrachtet. Es existiert aktuell eine starke Strömung in den Sozialwissenschaften, die sich sehr für eben die Methodenforschung interessiert und die belanglosesten Inhalte publiziert, wenn nur die Methode über jeden Zweifel erhaben ist. Wen mag es hier noch wundern, wenn Missverständnisse wie das obige entstehen und es Ressentiments gegen die Wissenschaft und ihre Nützlichkeit gibt? Die Frage der Paradigmen läßt sich nicht abschließend klären und die Wissenschaft wird immer die Gesellschaft beeinflussen und vice versa. Diese simple Erkenntnis ist eine mit Tragweite, wenn man sie nämlich dahingehend denkt, daß wir immer nur auch die Welt wissenschaftlich untersuchen können, die wir uns in unseren Köpfen vorstellen, da sonst jeder Begriff, jede Erkenntnis leer wäre. Aufgabe der Menschen ist es dabei festzulegen welche Welt in den Köpfen entstehen möge. Eine politische Frage.

 

Lumen

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07. November 2011

Gerechtigkeit und Rache - Macht und Affekt

Schwere Vorwürfe gegen libysche Rebellen Sie sollen Gegner entführt, gefoltert und getötet haben: Nach einem Bericht von Amnesty International haben die Rebellen im Kampf gegen das Regime Gaddafis Menschenrechtsverletzungen und möglicherweise Kriegsverbrechen begangen. Der Übergangsrat soll seine Kämpfer nun zur Rechenschaft ziehen. Unterdessen hat dieser den Aufbau einen Rechtsstaats versprochen - auf Basis der Scharia. Quelle
Libya dispatch: as lawlessness spreads, are the rebel 'good guys' turning bad? Once welcomed as liberators, Libya's rebel fighters are beginning to outstay their welcome in Tripoli. [...]Abdul Mojan's moment of realisation came when the good guys threw him into the boot of their car, slammed it shut and drove off with him a prisoner inside. When they finally stopped and hauled him out, he asked them: "What are you doing? I'm a revolutionary just like you! I've never supported Gaddafi.'" [...]To no avail, however. "We have sacrificed for this revolution and you haven't, and now we will take what we want," he was told by a cocky 18-year-old. "You can have the building back when the revolution is over." Quelle
OAKLAND, Calif. (AP) -- A protest that shut down the Port of Oakland to show the broadening reach of the Occupy Wall Street movement ended in violence when police in riot gear arrested dozens of protesters overnight who broke into a vacant building, shattered downtown windows, sprayed graffiti and set blazes along the way Quelle
Friedrich Nietzsche sagt:

Hier ein ablehnendes Wort gegen neuerdings hervorgetretene Versuche, den Ursprung der Gerechtigkeit auf einem ganz andren Boden zu suchen – nämlich auf dem des Ressentiment. Den Psychologen voran ins Ohr gesagt, gesetzt daß sie Lust haben sollten, das Ressentiment selbst einmal aus der Nähe zu studieren: diese Pflanze blüht jetzt am schönsten unter Anarchisten und Antisemiten, übrigens so wie sie immer geblüht hat, im Verborgnen, dem Veilchen gleich, wenn schon mit andrem Duft. Und wie aus Gleichem notwendig immer Gleiches hervorgehn muß, so wird es nicht überraschen, gerade wieder aus solchen Kreisen Versuche hervorgehen zu sehn, wie sie schon öfter dagewesen sind – vergleiche oben Seite 792 –, die Rache unter dem Namen der Gerechtigkeit zu heiligen – wie als ob Gerechtigkeit im Grunde nur eine Fortentwicklung vom Gefühle des Verletzt-seins wäre – und mit der Rache die reaktiven Affekte überhaupt und allesamt nachträglich zu Ehren zu bringen. [...]Wenn es wirklich vorkommt, daß der gerechte Mensch gerecht sogar gegen seine Schädiger bleibt (und nicht nur kalt, maßvoll, fremd, gleichgültig: Gerecht-sein ist immer ein positives Verhalten), wenn sich selbst unter dem Ansturz persönlicher Verletzung, Verhöhnung, Verdächtigung die hohe, klare, ebenso tief als mildblickende Objektivität des gerechten, des richtenden Auges nicht trübt, nun, so ist das ein Stück Vollendung und höchster Meisterschaft auf Erden – sogar etwas, das man hier klugerweise nicht erwarten, woran man jedenfalls nicht gar zu leicht glauben soll.[...]Überall, wo Gerechtigkeit geübt, Gerechtigkeit aufrechterhalten wird, sieht man eine stärkere Macht in bezug auf ihr unterstehende Schwächere (seien es Gruppen, seien es einzelne) nach Mitteln suchen, unter diesen dem unsinnigen Wüten des Ressentiment ein Ende zu machen, indem sie teils das Objekt des Ressentiment aus den Händen der Rache herauszieht, teils an Stelle der Rache ihrerseits den Kampf gegen die Feinde des Friedens und der Ordnung setzt, teils Ausgleiche erfindet, vorschlägt, unter Umständen aufnötigt, teils gewisse Äquivalente von Schädigungen zur Norm erhebt, an welche von nun an das Ressentiment ein für allemal gewiesen ist. Das Entscheidendste aber, was die oberste Gewalt gegen die Übermacht der Gegen- und Nachgefühle tut und durchsetzt – sie tut es immer, sobald sie irgendwie stark genug dazu ist –, ist die Aufrichtung des Gesetzes, die imperativische Erklärung darüber, was überhaupt unter ihren Augen als erlaubt, als recht, was als verboten, als unrecht zu gelten habe; ... Genealogie der Moral - Zweite Abhandlung § 11

[...] Die von vornherein Verunglückten, Niedergeworfnen, Zerbrochenen – sie sind es, die Schwächsten sind es, welche am meisten das Leben unter Menschen unterminieren, welche unser Vertrauen zum Leben, zum Menschen, zu uns am gefährlichsten vergiften und in Frage stellen. Wo entginge man ihm, jenem verhängten Blick, von dem man eine tiefe Traurigkeit mit fortträgt, jenem zurückgewendeten Blick des Mißgebornen von Anbeginn, der es verrät, wie ein solcher Mensch zu sich selber spricht – jenem Blick, der ein Seufzer ist! »Möchte ich irgend jemand anderes sein!« so seufzt dieser Blick: »aber da ist keine Hoffnung. Ich bin, der ich bin: wie käme ich von mir selber los? Und doch – habe ich mich satt!«... Auf solchem Boden der Selbstverachtung, einem eigentlichen Sumpfboden, wächst jedes Unkraut, jedes Giftgewächs, und alles so klein, so versteckt, so unehrlich, so süßlich. Hier wimmeln die Würmer der Rach- und Nachgefühle; hier stinkt die Luft nach Heimlichkeiten und Uneingeständlichkeiten; hier spinnt sich beständig das Netz der bösartigsten Verschwörung – der Verschwörung der Leidenden gegen die Wohlgeratenen und Siegreichen, hier wird der Aspekt des Siegreichen gehaßt.Und welche Verlogenheit, um diesen Haß nicht als Haß einzugestehn! Welcher Aufwand an großen Worten und Attitüden, welche Kunst der »rechtschaffnen« Verleumdung! Diese Mißratenen: welche edle Beredsamkeit entströmt ihren Lippen! Wieviel zuckrige, schleimige, demütige Ergebung schwimmt in ihren Augen! [...]o wie sie im Grunde dazu selbst bereit sind, büßen zu machen, wie sie darnach dürsten, Henker zu sein. Unter ihnen gibt es in Fülle die zu Richtern verkleideten Rachsüchtigen, welche beständig das Wort »Gerechtigkeit« wie einen giftigen Speichel im Munde tragen[...] die Spezies der moralischen Onanisten und »Selbstbefriediger«. Der Wille der Kranken, irgendeine Form der Überlegenheit darzustellen, ihr Instinkt für Schleichwege, die zu einer Tyrannei über die Gesunden führen – wo fände er sich nicht, dieser Wille gerade der Schwächsten zur Macht! ... Genealogie der Moral - Dritte Abhandlung § 14

Jeder Leidende nämlich sucht instinktiv zu seinem Leid eine Ursache; genauer noch, einen Täter, noch bestimmter, einen für Leid empfänglichen schuldigen Täter – kurz irgend etwas Lebendiges, an dem er seine Affekte tätlich oder in effigie auf irgendeinen Vorwand hin entladen kann: denn die Affekt-Entladung ist der größte Erleichterungs-, nämlich Betäubungs-Versuch des Leidenden, sein unwillkürlich begehrtes Narkotikum gegen Qual irgendwelcher Art. Hierin allein ist, meiner Vermutung nach, die wirkliche physiologische Ursächlichkeit des Ressentiment, der Rache und ihrer Verwandten, zu finden, in einem Verlangen also nach Betäubung von Schmerz durch Affekt – [...] Die Leidenden sind allesamt von einer entsetzlichen Bereitwilligkeit [869] und Erfindsamkeit in Vorwänden zu schmerzhaften Affekten; sie genießen ihren Argwohn schon, das Grübeln über Schlechtigkeiten und scheinbare Beeinträchtigungen, sie durchwühlen die Eingeweide ihrer Vergangenheit und Gegenwart nach dunklen fragwürdigen Geschichten, wo es ihnen freisteht, in einem quälerischen Verdachte zu schwelgen und am eignen Gifte der Bosheit sich zu berauschen – sie reißen die ältesten Wunden auf, sie verbluten sich an längst ausgeheilten Narben, sie machen Übeltäter aus Freund, Weib, Kind und was sonst ihnen am nächsten steht. »Ich leide: daran muß irgend jemand schuld sein« – also denkt jedes krankhafte Schaf. ... Genealogie der Moral - Dritte Abhandlung § 15

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N e u e s

A u t o r e n



"Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden;
es ist nicht genug, zu wollen,
man muß auch tun."
- J.W. Goethe


"Das Vieh stirbt und Freunde sterben, endlich stirbt man selbst:
Doch nimmer mag ihm der Nachruhm sterben,
wer guten sich gewann."
- Havamal



"Wenn die Menschen über Gott sprechen, denkt ein Nihilist an Gestalt und Struktur eines Waldes."
- Vijay Prozak



"Die Weisheit besteht nur darin, weder das Nichts, das der Mensch ist,
noch die Schönheit,
die manchmal in seinen Händen entsteht, jemals zu vergessen."
- N.G. Dávila